Der Freudenstädter Autor Hermann Ruf hat im Alter von 83 Jahren seinen inzwischen vierten Gedichtband veröffentlicht. Ans Aufhören denkt der passionierte Dichter noch lange nicht.
„Arm an Tanten, reich an Varianten“ heißt das neueste Werk von Hermann Ruf, das im Geest-Verlag erschienen ist und die Reihe seiner inzwischen vier Gedichtbände komplettiert. Zumindest vorerst. Das nächste Werk – ein „kleines Kunstbuch“ mit Gedichten und Aquarellen seiner Tochter Franziska, die Grundlage seiner Inspirationen gewesen sind – ist bereits in den Startlöchern und erscheint im Laufe diesen Jahres.
Ob danach Schluss ist mit der Schreiberei, vermag Ruf noch nicht zu sagen. Die Leidenschaft, mit der er über sein Hobby spricht, lässt eher das Gegenteil vermuten. „Ich werde jedenfalls weitermachen, so lange es mir Spaß macht. Das Schreiben ist eine schöne Ablenkung und hält mich wach“, sagt er auch mit Blick auf sein Alter und die Gedanken an die Endlichkeit des Lebens, die ihn immer wieder beschäftigen.
180 Gedichte im Band
Anders als in den 2020, 2021 und 2023 veröffentlichten Gedichtbänden hat Ruf seine Gedichte in diesem Band nicht in sechs bis acht unterschiedlichen Themenblöcken, sondern lediglich unter den Kapiteln „Ernst“ und „Heiter“ zusammengefasst. Das Cover und die beiden Zeichnungen im Buch, die diese Themen bildlich durch Köpfe mit entsprechendem Gesichtsausdruck widerspiegeln, hat Rufs Tochter Franziska entworfen. Von der Anzahl der Gedichte, rund 180 an der Zahl, ist es Rufs umfangreichster Band.
Mit einer Prise schwarzem Humor
Die Gedichte selbst sind aber eher knapp gehalten und auf den Punkt gebracht. Ruf zeichnet es aus, dass er seine Gedanken zu den Themen, die ihm oftmals morgens nach dem Aufwachen kommen, in sehr kurze Texte fasst. Manchmal besteht ein Gedicht aus seiner Feder sogar nur aus einem einzigen Satz. Kurz, knackig, hintergründig und manchmal mit einer Prise schwarzem Humor beschreibt und analysiert er Erlebtes, alltägliche und weniger alltägliche Situationen, Stimmungen sowie indirekt auch Politik und Weltgeschehen. Mit seinen Reimen und Wortspielereien regt Ruf den Leser zum Nachdenken an und zaubert ihm ein Schmunzeln auf die Lippen.
Fast immer ist die erste Version in seinem Kopf zu lang. Der Text wird deshalb sukzessive verändert und in aller Regel gekürzt. „Verbessern bedeutet für mich eigentlich immer auch kürzen“, beschreibt er seine Vorgehensweise. Ehefrau Toni steht ihm dabei als hilfreiche, wenn auch manchmal unbequeme Kritikerin zur Seite. Was bleibt, sind Texte, in denen kein Wort zu viel steht, aber eben auch keines zu wenig.
Im Ruhestand angefangen
So beispielsweise „Die Ängste der Nacht – tagsüber verlacht“ oder „Vertrauen baut auf, zum Glück. Misstrauen baut zurück.“. Auch witzige Feststellungen wie „Am Tag der offenen Tür rannte er sie ein. Das blieb nicht geheim.“ oder schwungvolle Reime wie „Der Triathlon der Winterzeit: Husten, Schnupfen, Heiserkeit“ sind Bestandteil des neuen Bands.
Obwohl ihn Gedichte und das Schreiben schon immer interessiert haben, ist der ehemalige Lehrer und Personalverantwortliche der Firma Schlott erst im Ruhestand dazu übergegangen, dieser Leidenschaft auch angemessen Raum zu geben. Geboren wurde Hermann Ruf in Karlsdorf, aufgewachsen ist er in Karlsruhe, bevor es ihn und die Familie in den Landkreis Freudenstadt verschlagen hat.
Das Buch Hermann Rufs Gedichtband „Arm an Tanten, reich an Varianten“ ist im Geest-Verlag erschienen und im Buchhandel zum Preis von 14,80 Euro erhältlich.