Wo einst noch Haarschneidemaschinen surrten und der Duft von Haarspray in der Luft lag, werden heute regionales Fleisch, frische Backwaren und mehr angeboten: In einem ehemaligen Friseursalon mitten in Bad Rippoldsau haben zwei junge Familien einen autonomen Supermarkt eröffnet.
Mit der Schließung der Bäckerei Schrempp in Bad Rippoldau-Schapbach im September vergangenen Jahres, verschwand eine der letzten Einkaufsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe. Wie auch viele andere Bewohner der Gemeinde sahen die Ehepaare Katrin und Stefan Müller sowie Kerstin und Jochen Schmidt darin einen großen Verlust für den Ort, erzählen sie im Gespräch mit unserer Redaktion.
Als kurz darauf das autonome Franchiseunternehmen Tante-M in Oberiflingen eröffnete, war dies Thema im Gemeinderat. Überlegt wurde laut Jochen Schmidt, ob das auch für Bad Rippoldsau infrage käme.
Ziele des Projekts
Die beiden Familien fingen an, sich immer mehr mit dem Thema des autonomen Supermarkts zu beschäftigten, und führten im Zuge dessen Gespräche mit dem Geschäftsführer des Franchiseunternehmens. Zwar hatten sie sich gegen die Zusammenarbeit mit diesem entschieden, jedoch für ihr eigenes Konzept und für die Euphorie.
Die Finanzierung stemmten sie dabei komplett eigenständig, erzählen die Paare, wobei die Materialien für die Renovierung des Ladens von Vermieter Ulrich Krauth bezahlt worden seien. Abgesehen von der Elektrik und der Bodenverlegung sei auch der Umbau vollständig durch die zwei Familien erfolgt. So konnte das Geschäft schließlich unter dem Namen „s’Lädele – Ganz nah alles da“ im April eröffnet werden.
Auf die Frage, ob sie sich hätten vorstellen können, das Projekt auch in einem anderen Ort umzusetzen, antwortete Jochen Schmidt: „Uns war klar: Wenn wir es machen, dann hier.“ Denn das Ziel der Familien sei es gewesen, den Ort attraktiver zu machen und dessen Lebensqualität für jede Generation zu steigern. Jugendliche sollten spontan für Grillabende einkaufen, Senioren kleinere Einkäufe zu Fuß erledigen können.
Produkte lokaler Händler
„Wir haben im Voraus schon gesagt: Das schönste Kompliment wäre für uns, dass die Bad Rippoldsauer den Laden auch zu ihrem Laden machen“, fügte Schmidt hinzu. Der Großteil des Sortiments stammt von Edeka und wird durch Produkte lokaler Händler ergänzt. Der Bezahlvorgang sowie der Zugang zum Laden erfolgt über EC-, Kredit- oder personalisierte Kundenkarte an einer Selbstbedienungskasse. Für die Sicherheit wird das Geschehen im Laden videoüberwacht und Daten der Kunden beim Betreten des Geschäfts registriert, welche für die Besitzer zwar nicht zugänglich sind, im Notfall jedoch angefragt werden können.
Entgegen der Skepsis weniger Bekannter zu Beginn des Projekts, sei die Umsetzung ein voller Erfolg, berichten die jungen Familien. Was vor einigen Monaten noch angezweifelt worden sei, wie zum Beispiel die Größe des Angebots oder auch die Umsetzung des autonomen Bezahlens, hätte sich nicht bestätigt.
Im Gegenteil: Kunden hätten berichtet, dass der Umgang mit der Kasse einfacher wäre als gedacht, das Sortiment größer als vermutet und man alles bekomme, was man für einen vollständigen Wocheneinkauf brauche.
Treffen im Supermarkt
Auch die Auswirkungen des Geschäfts auf die Gemeinschaft innerhalb der Gemeinde seien deutlich zu spüren. Bewohner der Gemeinde würden sich im örtlichen Supermarkt auf einen Kaffee treffen oder einander beim Kassieren helfen. „Das Soziale und dass man eine Anlaufstelle hat, ist umso mehr wert“, fügt Jochen Schmidt abschließend hinzu.
Hilfe und Angebot
Selbstbedienungskasse
Hilfe beim Vorgang oder beim Lösen von möglichen Schwierigkeiten bietet die aushängende Anleitung. Wer mit der digitalen Kasse dennoch Probleme hat, bekommt während der Servicezeiten – Dienstag 8.30 bis 11 Uhr und Freitag 9 bis 11 Uhr – Hilfe von Katrin Müller oder Kerstin Schmidt.
Lokale Händler
Es werden frische Backwaren von „Rudis Backstüble“ aus Oberwolfach, regionales Fleisch von der Metzgerei Müller sowie Freilandeier vom Hof Müller aus Schapbach angeboten.