Der große Bosch-Protesttag im März war mit Blick auf die Verhandlungen ein deutliches Zeichen. Foto: Simon Granville/cf

Betriebsrat und Konzernspitze haben nach intensiven Verhandlungen einen Kompromiss beim geplanten Stellenabbau gefunden. Für Erleichterung sorgt das vor allem an den Standorten Feuerbach und Schwieberdingen.

Frank Sell hat sich auf dem schnellsten Weg in den Urlaub verabschiedet. Erholung für den Betriebsratschef von Bosch, hinter dem intensive Verhandlungsrunden mit der Konzernspitze liegen. Dass Sell die nächsten Tage nun auch etwas entspannter angehen kann, liegt an der Vereinbarung, die erzielt werden konnte.

 

Zunächst einmal fällt der vom Unternehmen angekündigte Stellenabbau in der Automobilsparte nicht mehr so drastisch aus, wie es der Konzern geplant hatte. Demnach sollten 1250 Jobs gestrichen werden, nun sind es 300 weniger. Das betrifft in erster Linie die Standorte Feuerbach und Schwieberdingen. Dort wurde für die Belegschaft außerdem ausgehandelt, dass betriebsbedingte Kündigungen bis 2029 ausgeschlossen werden, was eine Verlängerung der bisher geltenden Vereinbarung um zwei Jahre bedeutet.

Erfolg für beide Seiten

Zu den Eckpunkten der Kompromisslösung gehört zudem, dass eine interne Personalvermittlung eingesetzt wird, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei unterstützt, im Zuge des Wandels eine andere Stelle im Konzern einzunehmen. Einig sind sich die Parteien auch darüber, dass das freiwillige Ausscheiden aus dem Unternehmen sozialverträglich umgesetzt wird.

„Die aktuelle Einigung zeigt, dass wir gemeinsam gute Lösungen finden können und auch in anspruchsvollen Zeiten das ökonomisch Notwendige mit dem Sozialen ausbalancieren“, sagt Bosch-Arbeitsdirektor Stefan Grosch, während Betriebsratschef Frank Sell meint: „ Es ist ein großer Erfolg, dass wir noch einmal verbesserte Rahmenbedingungen erreichen konnten.“

Eine Rolle bei der Einigung dürfte auch gespielt haben, dass für Bosch der Ruf als verantwortungsbewusster Arbeitgeber auf dem Spiel zu stehen schien. 10 000 Mitarbeiter hatten diesen Anspruch bei einer Protestkundgebung auf dem Werksgelände in Gerlingen mit Beginn der Verhandlungen öffentlichkeitswirksam in Zweifel gezogen. Diese Kritik dürfte ebenso wie die Pläne für den Stellenabbau abgemildert werden.