Vor allem Sparkassen-Filialen in bewohnten Gebieten – hier in der Villinger Hammerhalde – sollen besonders geschützt werden. Foto: Marc Eich

Die Sparkasse Schwarzwald-Baar sieht sich angesichts einer zunehmenden Bedrohungslage durch die organisierte Bandenkriminalität zum Handeln gezwungen. Nun erwägt man, SB-Standorte nachts zu schließen.

Es handle sich um einen „neuen Investitionsschwerpunkt“ der Sparkasse Schwarzwald-Baar, erklärte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Florian Klausmann im Rahmen des jüngsten Bilanzpressegesprächs. Wer jetzt an die Digitalisierung oder Modernisierung der Filialen denkt, der täuscht – denn es geht um die Sicherheit der Standorte.

Erst vor wenigen Tagen, in der Nacht auf den 17. Mai, war ein Geldautomat der Sulzer Volksbank gesprengt worden. Der vordere Bereich der Bank war dadurch zerstört worden. Die vier Täter konnten flüchten. Zuvor hatte die Volksbank Schwarzwald-Donau-Neckar angekündigt, einige Filialen nachts schließen zu wollen. Die betroffene Filiale in Sulz war nicht darunter.

„Die Bedrohungslage nimmt deutlich zu“, zeigt Klausmann die Notwendigkeit des Handels auf. Die Rede ist von organisierter Bandenkriminalität, die die Geschäftsstellen und insbesondere die Geldautomaten zum Ziel haben. Stichwort Automatensprengungen. Zahlen unterstreichen dies: 500 solcher Sprengungen gab es im vergangenen Jahr in der ganzen Republik, rund 30 alleine in Baden-Württemberg.

2016 die bislang letzte Sprengung in VS

Nur ungern erinnert man sich bei der hiesigen Sparkasse an einen Vorfall, der bereits seit Jahren zurückliegt: Im Schwarzwald-Baar-Center hatten es Unbekannte im Jahr 2016 auf den Geldautomaten abgesehen und diesen gesprengt. Dabei kam es auch zu erheblichen Beschädigungen am Gebäude. Wie so oft bei solchen Fällen. Kurz darauf war auch ein frei stehender Automat am Gartencenter Späth durch eine Detonation zerstört worden.

Aber das ist nicht alles: Wie der stellvertretende Vorstandsvorsitzende erklärt, habe es in Pfaffenweiler und Brigachtal auch Einbrüche in Geschäftsstellen gegeben. „Wir haben daher unsere Sicherungseinrichtungen umfangreich erweitert“, erklärt Klausmann mit Blick auf die umfassenden Investitionen in die Sicherheit im vergangenen Jahr.

Insbesondere bewohnte Standorte im Blick

Details wolle man zwar keine nennen, um das Wissen nicht an die Täter weiterzugeben, der Fokus liege jedoch insbesondere auf dem Schutz von Menschenleben. „Geld ist ersetzbar, die Unversehrtheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder auch der Anwohner unserer Standorte nicht“, betont er. Und in diesem Zusammenhang kommt nun gar die Schließung von Selbstbedienungsstandorten in der Nacht ins Spiel.

Solche Überlegungen habe man Anfang des Jahres, so die damalige Aussage des Sparkassen-Pressesprechers Michael Pohl, zunächst noch nicht in Erwägung gezogen, man habe die Lage jedoch weiter analysiert. Klausmann: „Wir wollen aktiv werden, bevor etwas passiert.“

Hinsichtlich der Schließung von SB-Standorten habe man deshalb insbesondere die bewohnten Standorte im Blick. Final beschlossen sei dieser Schritt noch nicht, „wir gehen aber davon aus, dass wir das umsetzen“, so der stellvertretende Vorstandsvorsitzende.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel erschien erstmals am 5. Mai 2023 und wurde aufgrund der aktuellen Relevanz aktualisiert.