Geländewagen wie der Mercedes GLE Coupé sind gefragt Foto: Mercedes

Mit der Detroit Motor Show vom 12. bis zum 25. Januar startet traditionell das Autojahr. Dieses steht im Zeichen von Geländewagen-Boom, neuen Assistenzsystemen und unsicheren Märkten.

Die Autos

In diesem Jahr erwartet die Autokäufer eine wahre Flut an Neuheiten. Fast 200 neue Modelle wollen die Autobauer auf den Markt bringen. In Detroit sind von diesem Montag an bereits 40 bis 50 davon zu sehen, auch wenn die großen Knaller fehlen. Der Trend zur Auffächerung der Baureihen hält 2015 an. Auch jede noch so kleine Nische wird besetzt. BMW etwa fügt seinem Zweier-Van mit dem Gran Tourer im Laufe des Jahres eine siebensitzige Variante hinzu und erweitert seine Mini-Familie um den Muskelprotz Mini John Cooper Works mit 231 PS. Mercedes erweitert seine erfolgreiche S-Klasse um eine besonders luxuriöse Maybach-Version sowie ein Cabrio.

Auf dem Vormarsch sind besonders Geländewagen. Dutzende neue Modelle werden das noch relativ junge Segment stärken. So stellt Mercedes in Detroit das neue GLE- Coupé vor, das auf der E-Klasse basiert. Später im Jahr folgt der zur C-Klasse gehörende GLC, der den GLK ersetzt. BMW schickt den runderneuerten X 5 ins Rennen, Audi den Q7 und ein Facelift des Q3. VW legt den erfolgreichen Tiguan neu auf. Volvo bringt den XC 90 in neuer Optik, Mazda das neue Modell CX3. Und Skoda, bisher nur mit dem kleinen Yeti in diesem Segment vertreten, stellt wohl gegen Ende des Jahres einen großen Geländewagen vor. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen rechnet damit, dass der SUV-Anteil an den Neuwagen in Deutschland bis Ende 2014 rund 18 Prozent erreichen hat und in diesem Jahr weiter zunimmt. Im Jahr 2006 waren es noch 6,5 Prozent.

Die Motoren

Der steigende Anteil an Geländewagen ist auch ein Grund dafür, dass die PS-Leistung der Verbrennungsmotoren weiter zunimmt. Sie erreicht in diesem Jahr erstmals mehr als 140 PS im Durchschnitt. 1995 waren es noch 95 PS. Knapp jeder dritte Neuwagen in Deutschland kann damit schneller fahren als 200 km/h. Begünstigt wird der Trend zu leistungsstärkeren Motoren derzeit auch von den Spritpreisen, die so günstig sind wie seit vielen Jahren nicht. Außerdem schaffen es die Autobauer, trotz gesteigerter Leistung, den Durst der Motoren immer weiter zu drosseln. Im Schnitt verbraucht ein Benziner derzeit 5,6 Liter Sprit, ein Diesel 5,0 Liter.

Diese Entwicklungen dürften den Umstieg auf alternative Antriebe weiter bremsen. 2014 etwa wurden nach Zahlen des Kraftfahrtbundesamts in Deutschland nur 8522 rein elektrisch betriebene Fahrzeuge zugelassen. Zwar sollen 2015 noch einmal zwölf neue Modelle, darunter viele Plug-in-Hybride mit Verbrenner und E-Motor, hinzukommen. Die Verkaufszahlen wird dies kaum entscheidend nach oben treiben. Auch die von der Bundesregierung geplanten Privilegien für E-Autos wie die Benutzung von Busspuren oder reservierte Parkplätze dürften kaum den Durchbruch bringen. Auch andere Antriebsarten wie Erdgas verharren 2015 in der Nische.

Die Helfer

Noch ist das vollständig autonome Fahren Zukunftsmusik. Mit seinem Prototyp F015 hat Daimler auf der Technikmesse CES in Las Vegas vor wenigen Tagen für Aufsehen gesorgt – auch wenn dieser wohl frühestens in zehn Jahren auf die Straßen kommen wird. Schon jetzt aber können die Assistenzsysteme der Autos immer mehr. So wollen etwa BMW und VW in diesem Jahr Parkpiloten auf den Markt bringen, bei denen der Wagen einen häufig gefahrenen Weg zum Parkplatz scannt und ihn danach selbst findet und zurücklegt. Bosch ist schon einen Schritt weiter und will noch 2015 einen Parkassistenten an den Start bringen, mit dessen Hilfe das Auto vollautomatisch in die Parklücke und wieder heraus fährt – gesteuert ganz bequem mit dem Smartphone vom Straßenrand. Mercedes bündelt seine Sicherheitssysteme wie Staupilot oder Notbremsassistent unter dem Namen Intelligent Drive und bringt sie in immer mehr Fahrzeuge. Schritt für Schritt wird der Fahrer damit entlastet – und der Traum von einer unfallfreien Mobilität auf den Straßen rückt ­näher.

Einige Autos haben bereits ein digitales Cockpit mit großen Bildschirmen, die auf Berührung reagieren. Auch dieser Trend wird 2015 weiter zunehmen. Das Auto wird dabei immer vernetzter. Google und Apple halten verstärkt Einzug. Die verbesserten Schnittstellen ermöglichen in Zukunft ein riesiges Spektrum an Apps, Smartphones, Tablets und Smartwatches, die in das Infotainmentsystem der Autos integriert werden können. Navis erkennen automatisch häufig gefahrene Routen wie etwa den Weg zur Arbeit. „Connected Cars und das automatisierte Fahren sind die großen Innovationen, die der Branche neue Nachfrage bescheren“, sagt Dudenhöffer. Dies sei vergleichbar mit dem Durchbruch vom Tastenhandy zum Smartphone. Die USA avancierten dabei zum Schlüsselmarkt für diese Technologien, da wegen der dortigen Gesetzgebung eine Umsetzung schneller möglich sei als in Europa, wo die Bedenken gegen die Speicherung großer Datenmengen noch groß sind und beim automatisierten Fahren noch viele rechtliche Hürden bestehen.

Die Märkte

Wie schon 2014 wird Nordamerika auch in diesem Jahr ein Absatzgarant sein. „Das Land hat sich in den letzten Jahren wieder zur Wachstumslokomotive der Autobranche entwickelt“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Er rechnet wie sein Kollege Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach mit rund 17 Millionen verkauften Fahrzeugen in diesem Jahr, ein Plus von rund drei Prozent. Befeuert wird das Wachstum laut Dudenhöffer durch eine wachsende US-Bevölkerung, günstige Spritpreise und eine stabile wirtschaftliche Lage. Daneben wird auch China wieder eine entscheidende Rolle spielen. Hier prognostiziert Bratzel ein Plus von zehn Prozent auf 20 Millionen verkaufte Einheiten. Mehr als jeder vierte von weltweit 77 Millionen Neuwagen wird damit im Reich der Mitte verkauft. Auch in Europa könnte der Absatz um drei Prozent auf dann 12,5 Millionen Einheiten wachsen. In Deutschland stehen die Zeichen auf Stillstand. Drei Millionen verkaufte Autos würden einen Rückgang um zwei Prozent bedeuten.

Alle anderen Märkte sind mit großen Fragezeichen versehen. Brasilien, jahrelang Hoffnungsträger, steht ein weiteres Krisenjahr bevor. Der Absatz wird nochmals um zwei Prozent auf dann nur noch drei Millionen Einheiten zurückgehen. Der russische Markt könnte gar um acht Prozent auf 2,25 Millionen Stück schrumpfen. Nur in Indien ist eine leichte Erholung möglich. „Die Automobilindustrie muss 2015 mit zunehmenden Unsicherheiten in verschiedenen Marktregionen sowie einer hohen Wettbewerbsintensität rechnen“, sagt Bratzel.

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