Gute Erfahrungen mit den verschiedenen Antriebskonzepten hat Geschäftsführer Jürgen Erndle vom Autohaus Erndle gesammelt. So sieht er in Plug-in-Hybrid-Antrieben einen klaren Vorteil. Foto: Silvia Bächle

Mit dem Ende der Prämie schwindet das Interesse. Wie Händler von der Baar damit umgehen. Sie sehen beim Antrieb auch Alternativen.

Bis zu 4500 Euro Umweltzuschuss des Staats beim Kauf eines E-Autos: Das Angebot für Privatkunden endete vor Weihnachten abrupt und für viele unerwartet. Das hat eine Folge: Bei den Händlern auf der Baar ist der Absatz eingebrochen.

 

Autohaus Albert Das Autohaus Albert in Hüfingen führt die Marke Ford. Der Hersteller habe noch ein geringes Angebot an Elektrofahrzeugen, erklärt Geschäftsführer Steffen Albert. Verfügbar sei etwa noch der große Mustang Mach-E, ein SUV. Die Nachfrage nach gewerblichen Fahrzeugen, also von Firmen, sei bereits im September 2023 zurückgegangen. Das Interesse von Privatkäufern sei mit dem Ende der Prämie geschwunden und kaum mehr vorhanden. Ford habe auf Kulanz den weggefallenen Zuschuss bei bereits bestellten Elektro-Modellen übernommen, so dass dem Kunden kein Nachteil entstanden sei. Nun sei eher ein Plug-in-Hybrid-Modell namens Kuga gefragt mit der Kombination aus Elektro- und Verbrennermotor.

Umdenken, aber umfassender

Albert steht klar hinter einem Umdenken hinsichtlich des Klimawandels. Die Elektromobilität habe Fortschritte gemacht, die Fahrzeuge seien in der Zwischenzeit sicherlich alltagstauglich, zumal sich die Ladeinfrastruktur wesentlich verbessert habe. Allerdings, so bemängelt er, bekämen Alternativen keine Chance. Dabei denkt Steffen Albert nicht nur an einen Antrieb mit Wasserstoff, sondern auch an E-Fuels. Diese synthetischen Kraftstoffe aus regenerativen Energien könnten einen entscheidenden Beitrag leisten und böten eine Möglichkeit, über eine preisgünstigere Energie zu verfügen. Der Strom für das Elektro-Auto sei das nur bedingt.

Steffen Albert bemängelt, dass alternative Antriebe keine Chancen erhielten. Foto: Silvia Bächle

Autohaus Erndle Der plötzliche Wegfall der E-Prämie ist auch im Autohaus Erndle in Donaueschingen ein Thema. „Speziell beim Privatkunden bringt sie zusätzliche Verunsicherung mit sich und bremst den Entscheidungsprozess für die E-Mobilität enorm“, sagt Geschäftsführer und Kfz-Elektrikermeister Jürgen Erndle. Da der staatliche Zuschuss für Geschäftskunden seit September 2023 gestrichen ist, sei dort keine neue Situation entstanden. Dies werde die Kauf- oder Mietabsichten bei vorausschauenden Unternehmen nicht belasten.

Beratung ist wichtig

Wichtig sei hier eine individuelle Beratung des Kunden. Denn zwischen reinem E-Auto und Auto mit Verbrennermotor gebe es vielfältige Antriebskonzepte. „Gerade im ländlichen Raum kann der Plug-in-Hybrid eine echte Alternative sein, aber eben nicht für jedermann“, sagt Erndle. In der Pflicht sieht er alle Hersteller. Sie müssten bezahlbare E-Fahrzeuge und Modelle auch für den Privatkunden auf den Markt bringen, um potenzielle Käufer für diese Technik zu begeistern und zu gewinnen.

Autohaus an der Breg Im Donaueschinger Autohaus an der Breg haben sich die beiden Geschäftsführer Wolfram Rothweiler und Joachim Knöpfle vor einem halben Jahr von Opel und der Dachgesellschaft Stellantis getrennt. Als freie Werkstatt konzentrieren sie sich auf Wartung und Instandsetzung aller Marken und im Verkauf auf EU-Importe und Gebrauchtwagen. Bei letzteren auf Verbrenner. Denn die Nachfrage nach E-Autos sei nach der gestrichenen Prämie bei Privatkunden gleich Null, informiert Joachim Knöpfle. Der Experte bringt seine Meinung klar auf den Punkt: „Ich persönlich halte nichts von Hybrid und E–Fahrzeugen.“

Autowelt Schuler Die Autowelt Schuler hat auch in Donaueschingen einen Standort. Zum Start der Förderung der E-Autos im Jahr 2020 sei der Verkauf von Autos mit Elektroantrieb im gewerblichen Bereich wie auch im privaten Bereich, gut angelaufen, sagt Daniel Beyer. Er ist bei Schuler Vertriebsleiter der Marke Volkswagen. Vor allem große Unternehmen mit einem großen Fuhrpark hätten die Chance genutzt und für ihre Mitarbeiter E-Autos geleast. Diese waren durch Prämien oft günstiger als ein Antrieb mit Verbrennermotor, die von Mitarbeitern zu entrichtende Steuer sei reduziert und auch das Tanken von Strom preiswerter gewesen.

Daniel Beyer (Mitte) ist Vertriebsleiter der Marke Volkswagen der Autowelt Schuler, neben ihm die Verkäufer am Standort Donaueschingen, Nikita Ostertag (links) und Rene Mann. Foto: Silvia Bächle

Mit dem Aus der Prämie hat Beyer das Ende des Interesses an Elektrofahrzeugen vor allem bei Privatkunden wahrgenommen. Nun stehen die ID-Modelle von Volkswagen mit sehr kurzen Lieferzeiten beim Hersteller. Zu berücksichtigen seien im Winter aufgrund der Kälte die geringeren Reichweiten. Allerdings sei die Infrastruktur der Ladestationen im Landkreis sehr gut und werde ständig ausgebaut, sagt Beyer.

Der Umweltbonus

Die Förderung
des Absatzes von elektrisch betriebenen Fahrzeugen, der Umweltbonus, wurde über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) abgewickelt. Bis zu 4500 Euro gab es für die Anschaffung eines Elektroautos. Im Zuge der Verhandlungen zum Klima- und Transformationsfonds (KTF) wurde am 13. Dezember 2023 beschlossen, die Förderung mit dem Umweltbonus für Privatkunden zeitnah zu beenden. Seit dem 18. Dezember des vergangenen Jahres, Mitternacht, können daher keine neuen Anträge mehr auf die Prämie gestellt werden. So informiert die Behörde auf ihrer Internetseite. Vorliegende Anträge, die bis einschließlich 17. Dezember 2023 beim Bafa eingegangen seien, würden in der Reihenfolge ihres Eingangs weiterbearbeitet und – sofern die Fördervoraussetzungen vorliegen – bewilligt.