Pflanzen beleben aktuell schon mal den Hechinger Marktplatz. Wie das mit Fußgängern ist, wenn Autos hier verbannt werden, soll ein Verkehrsexperiment zeigen. Foto: Stopper

Der Hechinger Marktplatz könnte nächstes Jahr für sechs Wochen Fußgängerzone werden. Versuchsweise, um herauszufinden, ob so etwas in Hechingen klappen kann. Einen Schritt in Richtung auf diesen Modellversuch ist der Gemeinderat am Donnerstag gegangen.

Hechingen - Vor einem Jahr hat sich Hechingen als eine von 15 Kommunen beim Landesprogramm KlimaMobil durchgesetzt und wird nun durch Experten auf dem Weg zu einer autofreieren Stadt begleitet.

Wie das erreicht werden kann, wurde seither mit Gemeinderäten, Händlern und Wirten beraten. An die Öffentlichkeit drang davon wenig. In der Sitzung am Donnerstag wurde es nun konkret: In einem "Verkehrsexperiment", das von Ostern bis Pfingsten über sechs Wochen hinweg läuft, soll herausgefunden werden, ob auf dem Hechinger Marktplatz eine Fußgängerzone funktioniert. Einerseits ein Reizthema für die Stadt, andererseits auch ein logischer Schritt, wenn man den Autoverkehr in Hechingen bekämpfen will. Die Debatte zeigte auch, dass man sich im Gemeinderat durchaus Gedanken macht, ob der ohnehin bereits lückenhafte und gebeutelte Einzelhandel und die Gastronomie in der Innenstadt dann Kundeneinbußen erleiden würden.

Gemeinderat Werner Beck lieferte dazu durch einen Versprecher das Stichwort, als er von einer "fußgängerfreien Zone" sprach und natürlich "Fußgängerzone" meinte. Roland Huber (FW) betonte hier, dass es sich ja nur um ein sechswöchiges Experiment" handle. "Und danach entscheiden wir, wie es weitergeht." Zudem werde ein noch zu entwerfendes Begleitprogramm die autolose Fußtour in die Stadt attraktiv machen.

Für Rita Ziebach (CDU) überwiegt dagegen die Furcht, dass Selbstständige durch diese Aktion finanzielle Einbußen erleiden. Ihnen so etwas zuzumuten, "fände ich schwierig."

Almut Petersen (Bunte) betonte, dass nicht einfach nur der Platz abgeriegelt werde, sondern dass man sich im nächsten halben Jahr auf die Aktion vorbereiten wolle, dass Aktivitäten auf dem Platzs geplant würden, "damit die Händler sogar mehr Kunden haben." Und grundsätzlich sei es der richtige Weg, Menschen außerhalb ihrer Autos in der Stadt Raum zu geben. Anderswo seien Fußgängerzonen auch erfolgreich, nun sei sie gespannt, ob "wir Hechinger so anders sind als die in anderen Städten." Auch ihr Fraktionskollege Hannes Reis teilt diese Sichtweise.

Jürgen Fischer (SPD) hob die Obertorplatz-Umgestaltung als Beispiel hervor. Ein autofreier Platz könne Menschen begeistern, meinte er. Werner Schmidt dagegen sagte, dass die Händler durchaus für Veränderungen am Marktplatz seien, "aber niemand von ihnen will dort eine reine Fußgängerzone."

Entscheidung über Fußgängerzone fällt erst im Herbst

Lutz Beck positionierte sich klar: "Dieses Experiment zahlen die Händler, die durch Corona eh schon geschädigt sind."

Noch unentschlossen zeigte sich Werner Beck. Er hob hervor, dass in der Sitzung noch keine Entscheidung über das Fußgängerzonen-Experiment getroffen werde, sondern nur darüber, ob der Diskussionsprozess dazu weitergehe. Und in dieser Frage sollte der Gemeinderat seiner Ansicht nach zustimmen.

Die Abstimmung zeigte, dass das viele so sehen. 21 Gemeinderäte stimmten zu, dass die Debatte über das Thema weitergeht, fünf waren dagegen.

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