Wenn die Nächte etwas wärmer werden, wandern die Amphibien wieder. Das führt auch zu Straßensperrungen. Foto: ©Evelyn Kobben - stock.adobe.com

Sobald die Nachttemperaturen sechs Grad erreichen und es regnet, geht es los: Gras- und Springfrösche sind dann bereits unterwegs. In Neusatz werden deshalb Straßen gesperrt.

Aufgrund der Amphibienwanderung sind bereits seit 15. Februar und noch bis zum 15. April die beiden Zugangstraßen zur Neusatzer Pfütz für Kraftfahrzeuge geschlossen. Das teilt die Stadt Bad Herrenalb mit. Der Holzbachweg sei nur bis zum Parkplatz an der Pfütz befahrbar. Die Straße Neusatzer Pfütz bleibe vollständig gesperrt.

 

Hintergrund dieser vorübergehenden Sperrung ist, dass die Amphibienarten, die an der „Pfütz“ vorkommen, wandernde Arten sind. Die Tiere haben sogenannte „Traditionsgewässer“ und wiederkehrende Wanderrouten in diese Gewässer. Bad Herrenalb verfügt immer noch über einige wenige Ablaichgewässer mit wandernden Amphibien, darunter unter anderem Grasfrösche, Erdkröten und Bergmolche.

Wenn eine Straße zwischen Winterquartier und Laichgewässer liegt, überqueren die Tiere die Straße, oft mit tödlichen Folgen. Die Schutzmaßnahmen dienen dazu, das Töten der Amphibien im Straßenverkehr zu vermeiden.

Zahl der Tiere nimmt drastisch ab

Naturschutz tut Not“, heißt es in der Mitteilung der Stadtverwaltung weiter, denn die Amphibienzahlen seien nicht nur in Baden-Württemberg drastisch gefallen.

Trockenheit, Hitze, Autoverkehr und verlandende Ablaichgewässer sind die Hauptgründe dafür. Verschiedene Anstrengungen werden gemacht und politisch unterstützt, um dem entgegenzuwirken.

So wurde letztes Jahr bekanntermaßen auch die Neusatzer Pfütz saniert. Direkt benachbart im Wald wurden neue Wasserstellen angelegt.

Nachts ab sechs Grad geht es los

„Übrigens: gerade im Frühjahr kann man die Tiere an den Teichen gut beobachten. Eine Freude für Familien mit Kindern“, heißt es abschließend.

Wie der Naturschutzbund (Nabu) mitteilt, geht es bei Nachttemperaturen ab sechs Grad und Regen los. Grasfrösche und Springfrösche sind dann unterwegs und wandern in wärmeren Regionen zu ihren Laichgewässern.

Fuß vom Gas und Rücksicht nehmen

Selbst manche Erdkröte wacht bei frühlingshaften Temperaturen trotz kühler Nächte aus der Winterstarre auf und ist dann nicht mehr zu bremsen.

Nabu-Amphibienexperte Hubert Laufer richtet einen Appell an alle Autofahrerinnen und Autofahrer: „Zur Krötensaison bitte den Fuß vom Gas und Rücksicht nehmen! So kommen die Tiere sicher ans Ziel und alle Helferinnen und Helfer entlang von Straßen können gefahrlos arbeiten.“

500 Krötenzaunanlagen im Südwesten

In der ganzen Region seien bereits jetzt „Naturschutzaktive im Einsatz und stellen mobile Krötenzäune auf, um den Tod von Amphibien im Straßenverkehr zu verhindern“, so der Nabu weiter.

Wo es keinen Amphibientunnel gibt, wandern die Tiere dort entlang von aufgebauten Barrieren, fallen in eingegrabene Eimer, werden statistisch erfasst und über die Straße getragen, wo sie ihre Reise unbeschadet fortsetzen können. Insgesamt werden im Südwesten über 500 Krötenzaunanlagen von Naturschutzaktiven betreut.

Wo helfenden Hände fehlen, müssen die Tiere teils stark befahrene Straßen überqueren. Der Nabu fordert daher alle Autofahrer auf:

„Amphibien können nicht ausweichen. Auf Wanderstrecken ist Schrittgeschwindigkeit angemessen, denn die Tiere können auch am Unterdruck sterben, den schnell über sie hinweg fahrende Fahrzeuge auf sie ausüben.“