Jörg Kutscher mit seinem DeLorean, der komplett elektrisch läuft Foto: Moser

Jörg Kutscher hat ein Faible für Autos, vor allem für solche, die voll elektrisch laufen. Fünf Fahrzeuge hat er im Laufe der Jahre schon zu E-Autos umgerüstet. Und auch seine neueste Errungenschaft ist da keine Ausnahme. Etwas Besonderes ist sie dennoch. Denn dieses Auto ist zurück aus der Zukunft.

St. Georgen - Nachhaltigkeit, grüne Energien und E-Autos – heutzutage sind sie in aller Munde. Im Leben von Jörg Kutscher aus St. Georgen spielen sie aber schon weitaus länger eine zentrale Rolle. Nämlich bereits seit 1996, als Kutscher auf seiner Zahnarztpraxis in Schonach eine der ersten großen Fotovoltaik-Anlagen der Region installierte. Und schon zu dieser Zeit kam bei dem heute 61-Jährigen der Traum vom elektrisch betriebenen Auto auf. "Damals gab es das ja noch nicht so wie heute", erinnert er sich.

 

Kaputter Porsche-Oldtimer inspiriert zu E-Umbau

Ein Traum, den sich Kutscher inzwischen erfüllt hat: Heute stehen in seiner Garage zwei Porsche, ein Fiat und ein DeLorean – seine neuste Errungenschaft –, die allesamt eines gemeinsam haben: Bei allen vier handelt es sich um E-Autos. Doch das war nicht immer so. Denn all diese Autos – sowie einen weiteren Porsche – hat Kutscher selbst auf Elektro-Antrieb umgerüstet.

Vom Wunsch nach einem E-Auto im Jahr 1996 bis zu den ersten Fahrten im eigenen elektrischbetriebenen Fahrzeug war es für Kutscher derweil ein langer Weg. "Bis ich angefangen habe, Autos selbst umzurüsten – das dauerte noch eine Weile", sagt er rückblickend. Den Ausschlag gab vor rund acht Jahren ein Oldtimer der Marke Porsche, der Kutschers erstes E-Auto werden sollte. "Der war kaputt", erinnert sich Kutscher. Eine Reparatur war unausweichlich – und für Kutscher kam die Gelegenheit wie gerufen. Zwei Jahre plante er die Umrüstung des Verbrenners auf einen Elektro-Antrieb – und setzte diese dann innerhalb von sechs Wochen um. "Und dann habe ich gleich im Anschluss noch ein Auto für einen Freund umgerüstet", erzählt er.

Davor schon jahrelang Oldtimer restauriert

Auch wenn sich das bei Kutscher so leicht anhört – um Autos so umzurüsten, braucht es eine ganze Menge an Wissen und Erfahrung. Die hat der 61-Jährige einerseits dadurch, dass er sich etwa 25 Jahre lang intensiv mit Oldtimer-Restaurationen beschäftigt hatte – zusätzlich zu seinem eigentlichen Beruf als Zahnarzt. Aus diesem Grund verfügte er auch von Anfang an über einen großen Teil der Werkzeuginfrastruktur, betont Kutscher.

"Und dann bin ich zum größten Teil Autodidakt", sagt Kutscher. Ein steter Beschäftigungsdrang in Verbindung mit den Möglichkeiten, die das Internet heutzutage bietet, habe es ihm recht leicht gemacht, die nötigen Handgriffe zu erlernen. "Im Internet kann man eigentlich alles lernen", meint er. "Wie man ein Auto zum E-Auto macht, ist da eine Kleinigkeit." Natürlich komme auch noch die Erfahrung dazu, fügt Kutscher an. "Nach dem ersten Projekt weiß man, was schiefgelaufen ist und was man beim nächsten anders machen muss."

Bekannt aus "Zurück in die Zukunft"

So war der Erfahrungssatz, was das Umrüsten von Autos auf Elektro-Antrieb anging, nach vier Projekten schon recht groß, als sich Kutscher an seine jüngste Herausforderung heranwagte. Über das Internet kaufte er in den USA einen alten DeLorean – eines der Autos, die nicht zuletzt durch die Filme der "Zurück in die Zukunft"-Reihe, in der ein DeLorean als fahrbarer Untersatz zum Zeitreisen dient, Kult-Status erreicht haben.

"Daran war alles kaputt", erinnert sich Kutscher, der das gesamte Auto auseinandergebaut, komplett erneuert und wieder zusammengesetzt hat – nur diesmal mit Elektro-Motor. Alles in allem habe das rund vier bis fünf Jahre gedauert. Immerhin musste der Umbau parallel zu Kutschers Vollzeit-Beschäftigung und seinen anderen Projekten laufen.

Ganz nebenbei hat Kutscher in seinen DeLorean auch noch die ein oder andere Spielerei eingebaut, die Fans von "Zurück in die Zukunft" begeistern dürfte. "Wenn man mit so einem Auto unterwegs ist, wird man laufend gefragt, ob das denn auch in der Zeit reisen kann", sagt Kutscher. Das sei leider nicht der Fall. Und doch weist einiges auf das bekannte Vorbild hin – etwa die Display-Anzeige beim Einschalten der Zündung, der Nachbau des Fluxkompensators, der in den Filmen das Herzstück der Zeitmaschine bildet, oder auch der gelbe Koffer im Kofferraum, in dem laut Aufschrift radioaktives Plutonium zum Zeitreisen gelagert wird.

Ursprünglich war ein Wasserstoffantrieb geplant

Tatsächlich wird für den Betrieb des DeLoreans natürlich kein Plutonium benötigt, sondern lediglich Strom. Ursprünglich wollte Kutscher mit seinem jüngsten Projekt übrigens sogar einen Vorstoß in Richtung Wasserstoffantrieb wagen. "Eigentlich wollte ich eine Brennstoffzelle einbauen", berichtet der 61-Jährige, der in dieser Sache daher bereits Kontakt zu Experten aufgenommen hatte. "Aber die nächsten Wasserstoff-Tankstellen sind in Freiburg und Stuttgart. Das wäre unsinnig."

Deshalb läuft der DeLorean über einen Akku, der mit Strom aufgeladen wird. Und der kommt bei Kutschers E-Autos nicht aus der Steckdose, sondern vom Dach seiner Werkstatt, die mit Fotovoltaik bestückt ist. "Rein rechnerisch leben wir schon lange energiepositiv", sagt der Zahnarzt, der es sich zum Ziel gesetzt hat, in einigen Jahren energieautark zu werden. Dann sollen die Akkus seiner E-Autos als Energiespeicher dienen. Zudem baut Kutscher derzeit einen Raum seines Hauses um, den er später als Speicher für thermische Energie einsetzen will.

Weitere Umrüstungen? Eher unwahrscheinlich

Mit diesem Projekt sei er aktuell ganz gut ausgelastet, sagt Kutscher, der zudem noch beratend für Clemens Hummel tätig ist. Dieser rüstet in seinem Unternehmen "Legend Motors" in Villingen Oldtimer zu E-Autos um.

Zusätzlich will er die Technik seines ersten E-Auto-Umbaus – des Porsche-Oldtimers – erneuern. Ein neues Projekt ist deshalb aktuell nicht in Sicht, sagt Kutscher. Erstmal wolle er die bereits vorhandenen Dinge optimieren.

Ganz ausschließen will er einen weiteren Umbau aber auch nicht: "Ich habe immer mal wieder gesagt, ich mach’ das nicht mehr. Aber bis jetzt ist es noch jeden Mal anders gekommen."