Notwendige Straßensanierungen werden datenbasiert gesteuert und aufeinander abgestimmt. Das wurde im AUT vorgestellt. Doch was ist mit der Fußgängerzone?
Es wird viel gebuddelt und saniert in Lörrachs Straßen. Davon zeugen zahlreiche Baustellen. Die können zwar die Anwohner nerven, sind aber besser als ein Sanierungsstau, waren sich die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt- und Technik (AUT) einig.
Zuvor war dargestellt worden, wie die Stadt Lörrach den Zustand ihres Straßennetzes systematisch, digital und vorausschauend erfasst. „Wir wollen gute Straßen in Lörrach“, betonte der Fachbereichsleiter Tiefbau, Klaus Dullisch.
Ziel sei es, Sanierungsbedarfe frühzeitig zu erkennen, Maßnahmen fachlich fundiert zu priorisieren und Bauvorhaben möglichst effizient mit anderen anstehenden Infrastrukturarbeiten zu bündeln.
App erfasst Verkehrsflächen
Die Zustandserfassung des Lörracher Straßennetzes erfolgt mithilfe einer spezialisierten App, die während regulärer Befahrungen die Straßenoberflächen digital aufnimmt. Im Hintergrund analysiert eine Künstliche Intelligenz die erfassten Oberflächenmerkmale und bewertet diese auf Grundlage von Richtlinien der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen, ist der Vorlage für die AUT-Mitglieder zu entnehmen.
Wo Probleme sind
Das Ergebnis ist ein Zustandswert, der sich am bekannten Schulnotensystem orientiert und in einer digitalen Karte anschaulich dargestellt werden kann. Auf diese Weise erhalte die Stadt einen aktuellen und flächendeckenden Überblick über den baulichen Zustand ihrer Straßen.
Digitales Zustandskataster
Dieses digitale Zustandskataster liefere eine wichtige technische Grundlage für Handlungsempfehlungen und Sanierungsentscheidungen.
Dennoch zeigt die Praxis, dass eine Priorisierung nicht allein anhand des Straßenzustands erfolgen kann.
Dem Gremium wurden anhand von Beispielen die Schwierigkeiten so mancher Sanierungsmaßnahme aufgezeigt. Werde eine marode Straßenoberfläche aufgerissen, um sie zu sanieren, werde oft entdeckt, dass auch unterirdisch Rohre und Anlagen desolat seien, erläuterten Klaus Dullisch und Saskia Trefzer vom Fachbereich Tiefbau.
Beispiel Brühlstraße. In Abstimmung mit den Versorgungsträgern für Strom, Wasser und Wärme sowie dem Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung wurde dort zusätzlicher dringender Sanierungsbedarf festgestellt. Hinzu kommen besondere Anforderungen durch die unmittelbare Lage an der Bahnstrecke, die weitere Abstimmungen erforderlich machen. „Dadurch kann aus einer kurzfristig umzusetzenden Deckensanierung ein viel umfangreicheres Infrastrukturprojekt werden. Das dauert dann länger“, sagte Trefzer.
Thema Versorgungsleitung
Gerade im Bereich der Versorgungsleitungen, wie Gas, Wasser, Wärme sowie Schmutz- und Regenwasserkanälen, bestehe in vielen Fällen ebenfalls Erneuerungsbedarf. In den kommenden Jahren werde es deshalb zunehmend notwendig sein, Straßensanierungen frühzeitig mit Leitungserneuerungen und anderen Maßnahmen zu verknüpfen.
„Mit der digitalen Zustandserfassung schaffen wir eine belastbare Grundlage für fundierte Entscheidungen. Gleichzeitig zeigt sich: Eine nachhaltige Straßensanierung gelingt nur im engen Schulterschluss mit allen Versorgungsträgern. Unser Ziel ist es, Maßnahmen frühzeitig zu koordinieren, Synergien zu nutzen und Belastungen für die Bürger so gering wie möglich zu halten“, betonte Monika Neuhöfer-Avdić.
Diskussionsbedarf
Ein zentrales Instrument sei die jährliche Koordinierungssitzung mit sämtlichen Versorgungsträgern, die zuletzt im Februar stattfand. Ergänzend dazu bestehen regelmäßige Abstimmungstermine mit den Stadtwerken sowie mit dem Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung, hieß es in der Sitzung des AUT.
Diskussionsbedarf gab es bei diesem Thema vor allem für den Bereich Fußgängerzone. Diese dürfe nicht übersehen werden, betonten Christiane Cyperrek (SPD) und Birger Bär (BfLö). Die Innenstadt und die Gehwege würden nicht vergessen und via Begehung kontrolliert, versicherte Saskia Trefzer. Bei Sanierungen von Bodenplatten in der Fußgängerzone gelte es aber, die Arbeitsmaßnahmen mit den häufigen Veranstaltungen im Zentrum abzugleichen.
Auf den Tisch kam auch das Thema Erschließungskosten. Hier werde man nach der Diskussion um die Kosten beim Friedhofsweg in Hauingen ein besonderes Auge darauf haben, sagte die Bürgermeisterin. „Damit uns nicht nochmal ein Fehler passiert.“