Das Theater Lindenhof auf der Schwäbischen Alb wird 2026 als bestes Privattheater ausgezeichnet – verbunden mit einem Preisgeld von 100.000 Euro.
Das Melchinger Theater Lindenhof wird im Rahmen des Deutschen Theaterpreises 2026 in der Kategorie „Privattheater“ ausgezeichnet. Die Höhe des Preisgeldes beträgt 100.000 Euro.
Bewerben konnten sich alle deutschen Theater mit einzelnen Inszenierungen, aber auch mit dem künstlerischen Konzept der vergangenen zwei Spielzeiten. Am und mit dem Lindenhof entstanden in den zurückliegenden zwei Spielzeiten unter anderem ein Stück über den Bauernkrieg in Kooperation mit der Stadt Friedrichshafen und der Gesellschaft Oberschwaben („Wenn nicht heut, wann dann“) sowie ein Bürgertheaterprojekt mit bis zu 200 Mitwirkenden („Handel und Händel“) in Riedlingen.
Gespielt wurde daneben auch an anderen Orten und natürlich pflegte man das Repertoire im eigenen Haus. Zur Begründung für die Vergabe heißt es in einer Mitteilung der Jury: „Das Theater Lindenhof ist ein Regionaltheater im besten Sinne: auf der Schwäbischen Alb verbindet es kritisches, poetisches Volkstheater mit einer klaren Bindung an Geschichte, Lebensrealitäten und kulturelle Identität der Region.“ Die Bühne greife regionale Stoffe auf und reflektiere gesellschaftliche Entwicklungen.
„Dabei gelingt immer wieder ein außerordentlicher Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart“ – etwa in der Inszenierung „Die ganze Hand“, in der es um den von den Nationalsozialisten hingerichteten Politiker und Widerständler Eugen Bolz geht. „Auch klassische Werke werden eigenständig bearbeitet und neu vermittelt“, heißt es weiter. Zudem sei das Haus „in sozialer Begegnungsort über den reinen Spielbetrieb hinaus: „Es fungiert als kulturelles Zentrum mit vielfältigen Vermittlungs- und Bildungsangeboten für unterschiedliche Altersgruppen. Zugleich ist es ein niedrigschwelliger, barrierearmer Treffpunkt für die Menschen vor Ort.“ Diese Verankerung zeige vorbildhaft, wie darstellende Künste im ländlichen Raum gesellschaftliche Relevanz entfalten können.
Kritisch beäugte Anfänge
Gegründet wurde die Theaterbühne auf der Alb 1981. Eher als ein Projekt angelegt, teils kritisch beäugt und äußerst knapp an finanziellen Mitteln, war die Entwicklung der Bühne zu inzwischen deutschlandweiter Bekanntheit dennoch nicht aufzuhalten.
Bald feierten die Älbler auch auswärts Triumphe, etwa mit grandiosen Freilichtinszenierungen in Tübingen, gaben auswärtige Gastspiele. Mitbegründer Stefan Hallmayer, inzwischen Intendant blickt zurück: „Dass unser Haus sich zu einem etablierten, weit über die Region bekannten, Theater entwickeln würde, wussten wir damals natürlich noch nicht. Was uns allerdings damals wie heute antreibt, ist die enge Beziehung zur Region, ihren Menschen und ihrer Sprache. Hier suchen und finden wir besondere Geschichten. Hier entdecken wir immer wieder neue Spielorte. Dass wir nun von Bundesseite eine Auszeichnung erhalten, ehrt uns sehr und bestätigt uns in unserem Tun. Diese Preisverleihung berührt uns deshalb so tief, weil sie nicht nur eine einzelne Produktion, sondern das Theater als Ganzes auszeichnet.