Landrat Günther-Martin Pauli durfte sich im neuen Goldenen Buch der Gemeinde Jungingen verewigen. Allerdings erst, nachdem Roland Bosch es signiert hatte. Bosch zeigte sich über die an dem Abend an ihn verliehene Staufermedaille und die Eintragung ins Gemeindebuch nahezu gerührt. Bürgermeister Oliver Simmendinger (Mitte) dagegen stolz, dass ihm die Überraschung gelungen ist. Foto: Matthias Badura

Der Junginger Ignuk-Vorsitzende wurde mit der Staufermedaille des Landes ausgezeichnet. Doch auch sonst hatte Gemeindeoberhaupt Simmendinger noch einige Überraschungen parat.

Eine besondere Ehrung hatte Jungingens Bürgermeister Oliver Simmendinger für den Neujahrsempfang seiner Gemeinde angekündigt. Wer die Staufermedaille erhalten sollte, hatte er dagegen im Vorfeld für sich behalten. Großes Rätselraten in der Kommune! Selbst der zu Ehrende dürfte mitgerätselt haben. Als er am Donnerstagabend, 15. Januar, aufgerufen wurde, nach vorn zu kommen, zeigte er sich sichtlich überrascht: Roland Bosch, der 1982 den Vorsitz des Naturschutzvereins Ignuk übernahm und der seither unermüdlich im Sinne von Umwelt- und Naturschutz tätig war.​

 

Landrat Günther-Martin Pauli überreichte die Medaille, als eine der höchsten Auszeichnungen des Landes, im Auftrag von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Sie komme, so ulkte er, keinesfalls zu früh, sie sei im Gegenteil angesichts solcher Verdienste „längst überfällig“. Bosch habe über Jungingen hinaus viel für Natur- und Landschaftspflege sowie den Artenschutz erreicht. „Sie haben Menschen sensibilisiert und begeistert“ – und das bereits zu einer Zeit, in der der Umweltgedanke noch eher kleingeschrieben war.

Im Anschluss durfte sich Bosch zusammen mit dem Landrat im neu geschaffenen Goldenen Buch Jungingens eintragen. „Wir haben im Gemeinderat beschlossen“, erklärte dazu der Bürgermeister, „dass sich darin nicht nur politisch hochrangige Gäste verewigen, sondern auch Mitbürger, die Außergewöhnliches für das Gemeinwohl geleistet haben.“

Weiteres Rätselraten

Sind damit alle Geheimnisse gelüftet? Nein, Simmendinger machte in seinem Jahresausblick zwei Andeutungen. Vage, jedoch durchaus vielversprechend. Für das in der Erschließung befindliche neue Gewerbegebiet „Im Gries“ habe sich ein Interessent gemeldet. Der wolle nicht einen Platz, sondern er würde im Falle seiner Ansiedlung die Hälfte des 5,3 Hektar großen Geländes benötigen. „In dem Fall müssten wir den gerade fertiggestellten Bebauungsplan überarbeiten. Aber so geht es eben manchmal.“ Wer da angeklopft hat, gab Simmendinger allerdings wiederum nicht preis.

Etwas deutlicher seine zweite Ankündigung. Mit dem seit Jahren in der Schwebe hängenden Wohnbauprojekt JuLiA (Junginger Lebenswelten im Alter) könnte es in kommenden Monaten schlagartig klappen. „Da bewegt sich im Hintergrund einiges.“ Konkreter wollte er jedoch wie auch hier nicht werden.

Park für alle Generationen

Weiterhin hatte er berichtet, was im vergangenen Jahr erreicht wurde. Angesichts einer klammen Haushaltslage doch so manches, wie er meinte. Auf diesem Weg werde es in kommenden Monaten weitergehen. Er stellte verschiedene Projekte vor, unter anderem die Realisierung eines Parks für alle Generationen, unterhalb der Silvesterkirche an der Starzel. Das Areal befindet sich nach dem Kauf im vergangenen Jahr im Gemeindebesitz und soll jetzt bepflanzt, mit Spielgeräten und Bänken bestückt werden.

Hallenbad auf der Kippe

Weniger erfreulich klang, was Simmendinger über das momentan geschlossene Hallenbad sagte: Ob es jemals wieder öffnet, steht vorläufig in den Sternen. Wie man weiß, hält ein Teil des Gemeinderates an dem Bad fest, während ein anderer Teil die Ansicht vertritt, man könne sich den Unterhalt in heutiger Zeit schlichtweg nicht mehr leisten.

Weitere gute Kunde: Der in Schieflage geratene Finanzhaushalt des Ortes werde in diesem Jahr ausgeglichen sein. „Wenn der Gemeinderat dem eingebrachten Haushaltsplan in der kommenden Sitzung zustimmt, schreiben wir eine schwarze Null.“ Außerdem. : „Jungingen ist weiterhin schuldenfrei.“ (Wer da genau hinsah, konnte in den Besucherreihen einen sehr zufrieden dreinblickenden Kämmerer Manuel Kaupp entdecken.)

Prominente Gäste

Apropos Besucherreihen. Vor der Halle, die wirklich genug Fläche bietet, war es an dem Abend schwierig, noch einen Parkplatz zu bekommen. Unter den zahlreichen Gästen befanden sich die Landtagsabgeordneten Cindy Holmberg (Grüne), Manuel Hailfinger (CDU), Rudi Fischer (FDP), Alt-Bürgermeister Jürgen Weber, Feuerwehrkommandant Frank Speidel, der evangelische Pfarrer Marcus Kalkofen, Gemeinderäte, Vereinsvorsitzende und eben viele Bürgerinnen und Bürger.

950 Jahre

Über die 950-Jahr-Feierlichkeiten hatte Simmendinger nichts berichtet. Stattdessen zeigte er auf Großleinwand einen achtminütigen, mit flotter Musik unterlegten Filmclip, der die Ereignisse ebenso flott zusammenfasste. Unter anderem zu sehen, die große Oldtimerparade und der Purzelbaum, den Landrat Pauli schlug, nachdem er beim Ehren-Fußballspiel ein Tor geschossen hatte. Die Bilder riefen Erinnerungen hervor, man schmunzelte, lachte, staunte.

Querflötenquartett der Jugendmusikschule

Den offiziellen Teil beschloss mit einem weiteren Stück ein Querflötenquartett der Jugendmusikschule Hechingen. Nach einem letzten Gruß des Bürgermeisters packten Rathausmitarbeiter und Gäste an. Sie räumten die Stuhlreihen beiseite, sodass das Auditorium in Minutenschnelle in einen Stehempfang verwandelt war. Bei dem man lange miteinander plauderte und auf die Zukunft, das gegenseitige Wohl und das von Jungingen anstieß.