Rottenburg - Für ihr Engagement gegen Rechtsextremismus erhält die Band Silbermond an diesem Donnerstag den Eugen-Bolz-Preis der Stadt Rottenburg. Wir haben mit Bassist Johannes Stolle gesprochen.
Was bedeutet Euch der Eugen-Bolz-Preis in Rottenburg?
Wir freuen uns natürlich sehr und fühlen uns geehrt, dass die Eugen-Bolz-Stiftung uns für die Auszeichnung vorgeschlagen hat. Mit Blick auf die vielen anderen engagierten Menschen, Vereine und Organisationen, die abseits der breiten Öffentlichkeit nicht weniger wichtige Arbeit leisten, fühlen wir uns aber auch etwas unwohl dabei, herausgehoben zu werden. Dennoch ist diese Preisverleihung einmal mehr auch eine wichtige Gelegenheit, auf die vielfältigen Bedrohungen durch Rechtsextremismus aufmerksam zu machen.
Wie groß ist das Problem Rechtsextremismus aktuell in Euren Augen?
Wie groß das Problem tatsächlich ist, kann ich nicht sagen. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass es immer noch stark unterschätzt wird, und das macht es eben doppelt gefährlich.
Erlebt Ihr selbst Anfeindungen, weil Ihr so klar Stellung gegen Rechtsextremismus bezieht?
Der Umgangston ist insgesamt schon sehr rau geworden in der Auseinandersetzung mit Menschen, die aus was für Gründen auch immer nicht der Ansicht sind, dass eine pluralistische, offene und freie Welt die Beste aller Optionen ist. Das fühlt sich oft an, wie ein Kampf gegen Windmühlen, doch genau hier bleibt Überzeugungsarbeit und immerwährendes Engagement, besonders wichtig.
Bei der Bundestagswahl hat der AfD-Kandidat in Eurer Heimatstadt Bautzen 36,4 Prozent geholt. Wie ist da Eure Gefühlslage? Welche Stimmung merkt Ihr dort?
Ich persönlich finde das unerträglich, das sage ich ganz ehrlich, doch wahrscheinlich muss das eine Demokratie aushalten. Mit Blick auf die Ergebnisse zur Bundestagswahl geht‘s mir da nicht besser. Das Einzige was man da wirklich tun kann, ist den Populisten und Rattenfängern den Nährboden zu entziehen. Eine extrem schwere Aufgabe, in einer Diskussion, in der es nicht um Vernunft geht, sondern vor allem um Emotionen. Dennoch möchte ich auch eine Lanze brechen für die deutliche Mehrheit der Menschen in unserer Heimatregion, die eben ihr Kreuz bei demokratischen Parteien machen.
Ihr habt in Songs auch das Auseinanderdriften von West und Ost thematisiert. Was muss sich Eurer Meinung nach ändern?
Sich auf Augenhöhe begegnen, sich zuhören, Ängste und Sorgen auf den Tisch packen – ein Weg, der in meinen Augen zwar schon eingeschlagen wurde, aber es ist ein langer Weg, den es weiterzugehen gilt. Dann kann eine nachhaltige Annäherung auch irgendwie gelingen.
Nicht jeder Kulturschaffende traut sich, auch politisch Stellung zu beziehen. Welche Erfahrungen macht Ihr mit Eurer eigenen Haltung?
Wenn du wirklich mit deiner Haltung etwas bewegen oder verändern möchtest, hat das vor allem dann eine Chance, wenn du Leute erreichst, die deine Meinung gerade überhaupt nicht teilen. Nur so entsteht Diskurs. Und das kann natürlich auch mal ungemütlich werden, weil eben nicht jeder einfach applaudiert. Doch das war und ist es uns als Band schon immer wert gewesen, wenn es darum geht, sich für Themen einzusetzen, die uns wichtig sind – mit unseren Mitteln als Künstler.
Auch die Corona-Stimmung habt Ihr zuletzt in Euren Songs zum Ausdruck gebracht. Wie ging es Euch in den Lockdown-Phasen? Macht Ihr Euch Sorgen um die Kulturschaffenden?
Wir haben die Lockdown-Zeit genutzt, um so gut es geht, trotzdem irgendwie Musik zu machen und auch für unsere Fans da zu sein. Wir haben unsere "Silbermond-Wäbshow" ins Leben gerufen, ein Streaming-Format live aus unserem Proberaum, bei dem wir auch regelmäßig Gelder gesammelt haben für die "Alarmstufe Rot", die sich ja für die besonders hart getroffenen Menschen in der Veranstaltungsbranche einsetzt. Ansonsten schauen wir nun natürlich alle mit Hoffnung auf das kommende Jahr, in dem hoffentlich wieder weitestgehend normaler Kulturbetrieb stattfinden kann.
Wie bewertet Ihr die Debatte um Nena? Unterstützt Ihr die Einschränkungen 3G oder 2G bei Konzerten?
Wir wünschen uns doch alle eine Welt, in der wir lieber gestern als heute die Pandemie hinter uns lassen können und keinerlei Einschränkungen mehr nötig sind. Doch mit Blick auf die leider zu geringen Impfquoten sind wir als Gesellschaft nun mal noch nicht so weit. Das ist sehr bedauerlich aber genau aus diesem Grund sind die 2G/3G-Hygienekonzepte Stand heute die einzigen Optionen, um überhaupt in absehbarer Zeit wieder normale Konzerte spielen zu können.
Zuletzt habt Ihr das Album "Schritte" veröffentlicht. Welche Schritte stehen als nächstes bei Euch an?
Wir vier sind nah beieinander und spüren gerade durch den langen Break einen tierischen Tatendrang. Momentan schreiben wir vor allen Dingen Songs.
Wann geht Ihr wieder auf Tour? Werdet Ihr dann auch mal wieder Station in Rottenburg machen?
Wir werden den nächsten Sommer hoffentlich endlich mit unseren Fans feiern können. Hier stehen mindestens 14 Open-Air-Konzerte auf dem Plan.
Arbeitet Ihr schon am nächsten Album? Und was können Eure Fans erwarten?
Klar, das tut man doch irgendwie immer. Unsere Fans können von uns immer erwarten, dass wir unser Bestes für sie geben.