Bürgermeister Michael Rieger zeichnete Otto Rapp mit der Bürgermedaille aus. Foto: Stephan Hübner

Mit der Bürgermedaille zeichnete Bürgermeister Michael Rieger beim Neujahrsempfang in St. Georgen Otto Rapp aus. Der 90-Jährige sei ein „ein wandelndes Geschichtsbuch“.

Laut Bürgermeister Michael Rieger zog Familie Rapp schon wenige Jahre nach Otto Rapps Geburt vom Spittelberg in die Mühlstraße, wo er noch heute wohnt.

 

Mit seiner Erlaubnis und zur Belustigung der Gäste berichtete der Bürgermeister, dass Otto Rapp „ein fauler Schüler mit oftmaligen Unterrichtsausfällen“ war, trotzdem 1954 bei der Firma Dual erfolgreich eine Ausbildung zum Feinmechaniker absolvierte, dann aber in das von seinem Vater Karl-Otto gegründete Konstruktionsbüro wechselte, das er 1978 übernahm.

Trotz des Auftragsrückganges wegen des Niedergangs der Uhrenindustrie konnte er alle seine fünf Mitarbeiter bis zum Rentenalter beschäftigen.

Familienvater und Opa

Rapp sei sehr gerne Familienvater und Opa, außerdem in verschiedenen Vereinen aktiv, zum Beispiel seit 1955 im Schwarzwaldverein und maßgeblich am Umbau des Wanderheims Lindenbüble beteiligt gewesen. Für seine Verdienste erhielt er vom Verein das goldene Ehrenzeichen.

„Schwarzes Tor“

„Ein Mann der ersten Stunde“ war Rapp laut Rieger bei der Gründung des Heimatmuseums „Schwarzes Tor“. Seit 1987 ist er Mitglied des Fördervereins, seit 30 Jahren Hausverwalter, übernimmt Führungen oder vermittelt Schulklassen sein „profundes Wissen“. Dazu kommt das Vorbereiten standesamtlicher Trauungen im Gebäude. „Sie sind die gute Seele und leben für das Museum.“ Weiter ist Rapp Mitglied im Dialektstammtisch, im Verein für Heimatgeschichte und der Projektgruppe „Das Dritte Reich und wir“.

Rapps bis heute bestehende Werkstatt gleiche mit Fräs- und Drehmaschinen aus den 70ern und 80ern einem Technikmuseum. Hier repariere er nach wie vor mechanische Uhren.

Ein über lange Jahre angesammeltes Archiv mit unzähligen Zeitungsausschnitten zeuge von Rapps Leidenschaft für die Stadt und sei ein wahrer historischer Schatz. So zeigten seine Jahreskalender, dass 1961 die Gewerbesteuereinnahmen bei 3,2 Millionen Euro lagen, 1974 gar bei 20 Millionen.

Besondere Verdienste

Mit der 1968 vom Gemeinderat eingeführten Bürgermedaille ehre man Personen, die sich besondere Verdienste um die Stadt und das Gemeinwohl erwarben, so Rieger.

22 Mal sei die Medaille bisher verliehen worden, und Rapp habe sich die Auszeichnung voll und ganz verdient. Er sei eine geschätzte Persönlichkeit, eng verbunden mit der Bewahrung des kulturellen Erbes St. Georgens.

Sauberer Wald

„Ich hab mich immer bemüht, im Sinne der Stadt zu schaffen“, so Rapp. Er sei der erste gewesen, der zusammen mit seinen zwei Buben die Aktion „Sauberer Wald“ ins Leben gerufen habe. Vergnüglich für das Publikum waren seine Ausführungen, wonach der herumliegende Müll damals nicht weggeräumt, sondern in Löchern im Wald vergraben und mit Moos überdeckt wurde.