Der von Continental ausgelagerten Automobil-Sparte Aumovio droht am Standort in Villingen Kurzarbeit. Warum bei der Gewerkschaft trotzdem keine Alarmglocken schrillen.
Etwas mehr als einen Monat, nachdem sich Continental von seiner Automotive-Sparte getrennt und diese mit Aumovio als eigenständiges Unternehmen an die Börse gebracht hat, kündigt sich dort ein erster möglicher Rückschlag an.
Am Standort in Villingen mit seinen rund 1200 Mitarbeitern droht Kurzarbeit. Zuerst hatte der SWR darüber berichtet. Bei Aumovio bestätigt man auf Nachfrage unserer Redaktion die Informationen.
Aumovio-Sprecher Sören Pinkow betont in diesem Zusammenhang jedoch: „Ob und ab wann es aber wirklich zu Kurzarbeit kommt, steht aktuell nicht fest.“ Bislang handle es sich lediglich um eine Ankündigung, damit sich die Mitarbeiter auf mögliche Veränderungen vorbereiten können.
Der Grund sind nach Angaben des Sprechers anhaltende Lieferengpässe bei Chips. Mit einer möglichen Kurzarbeit möchte man reagieren, falls zeitnah tatsächlich im Werk die Bänder stillstehen. Ziel der Kurzarbeit sei es laut Pinkow, „die Produktion im Falle anhaltender Lieferausfälle oder einer Reduzierung der Produktion unserer Kunden flexibler steuern zu können und die Auswirkungen auf unser Unternehmen sowie unsere Beschäftigten möglichst gering zu halten“.
Chipkrise sorgt für großes Kopfzerbrechen
Tatsächlich bereitet die Chipkrise derzeit branchenweit Kopfzerbrechen. Hintergrund sind Lieferprobleme des weltweit größten Herstellers Nexperia. Das in den Niederlanden ansässige Unternehmen beliefert auch Autobauer in Deutschland und Baden-Württemberg.
Es ist kürzlich von einem chinesischen Konzern aufgekauft worden und hat nach einem Konflikt mit der niederländischen Regierung die Ausfuhr von Produkten für die Autoindustrie gestoppt. Das könnte nun auch Aumovio und damit den Villinger Standort treffen – globale Krisen mit möglichen Auswirkungen im Lokalen.
IG Metall zeigt Verständnis für die Ankündigung
Bei der IG Metall Villingen-Schwenningen schrillen dennoch derzeit keine Alarmglocken, wie der Erste Bevollmächtigte Thomas Bleile im Gespräch mit unserer Redaktion verrät. Bei der Ankündigung handle es sich um eine „reine Vorsichtsmaßnahme“.
Angesichts der „wilden Gerüchte“ rund um die Versorgungssituation mit Chips und Halbleitern und der unklaren Auswirkungen auf die Hersteller zeigt Bleile Verständnis für den Schritt. „Man hat vorausschauend angekündigt, dass Kurzarbeit möglicherweise kommen kann.“ So sei es möglich, kurzfristig zu reagieren, falls Aumovio tatsächlich plötzlich ohne Chips dasteht und die Produktion zurückfahren muss.
Bleiles Eindruck von Aumovio ist positiv
Dass das Unternehmen die Mitarbeiter bereits frühzeitig auf die mögliche Kurzarbeit eingestellt hat, hängt auch mit dem Tarifvertrag zusammen. Dort ist festgelegt, dass drei Wochen vor einer solchen Maßnahme die Arbeitnehmer informiert werden müssen.
Bleile ist trotz der Nachricht nicht negativ gestimmt, weil der bisherige Eindruck von Aumovio positiv sei. Die erste Betriebsversammlung im neuen Gewand sei aus seiner Sicht gut verlaufen – es habe einen ehrlichen Austausch und eine rege Fragerunde gegeben. Grundsätzlich sieht er bei dem Unternehmen deshalb gute Rahmenbedingungen.