Die Babyklappe gilt als Ausweg für Frauen in Not und als Lebensretter für Babys, die andernfalls schutzlos zurückgelassen werden könnten. (Symbolfoto) Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Sie kann im Zweifel Leben retten: eine Babyklappe. In Schwenningen wurde dort nun bereits das siebte Neugeborene abgelegt. Was passiert mit Findelkindern in Rottweil?

Wie groß die Verzweiflung der Frau gewesen sein muss, die nun ihr Kind in die Schwenninger Babyklappe gelegt hat, kann man nur erahnen. Dank der Einrichtung erhält es nun die Chance auf ein neues Leben. „Wieso gibt es im Kreis Rottweil keine Babyklappe?“, wollen wir wissen.

 

Immer wieder liest man von anderen, schrecklichen Vorfällen: Säuglinge werden von ihren Müttern im psychischen Ausnahmezustand irgendwo ausgesetzt oder gar getötet. Von so einem Fall hatte auch der Schwenninger Babyklappen-Initiator Joachim Spitz gelesen und das Projekt auf den Weg gebracht: um Leben zu retten.

Es gibt aber auch immer wieder Kritiker. Die Babyklappe mache eine Trennung vom Kind zu einfach, heißt es da beispielsweise. Im Kreis Rottweil gibt es bislang keine Babyklappe. Wir wollen wissen, wie viele Findelkinder es hier schon gab.

Keine Fälle bekannt

„Uns sind in den vergangenen Jahren keine Fälle bekannt geworden, in denen ein Neugeborenes anonym ausgesetzt, abgegeben oder getötet worden ist“, teilt uns die Polizei dazu mit. Grundsätzlich gelte, so Polizeisprecher Patrick Zöller: Werde ein Säugling außerhalb einer zugelassenen Einrichtung, wie die Babyklappe, aufgefunden, ohne dass Hinweise auf die Mutter oder eine Betreuungsperson bestehen, „wird ein entsprechendes Ermittlungsverfahren wegen Aussetzung eingeleitet.“

Was passiert mit dem Findelkind?

Und was passiert mit dem Findelkind? Dieses würde vom Jugendamt in Obhut genommen und in einer Pflegefamilie untergebracht werden, erklärt Landratsamt-Pressesprecherin Andrea Schmider auf Anfrage.

„Wenn klar ist, dass es zu einer Adoption kommen wird, folgt die Suche nach einer geeigneten Adoptivfamilie, in der das Baby dann untergebracht wird. Bis das Verfahren abgeschlossen ist, wird ein Vormund für das Baby bestellt“, so Schmider. Eine Adoptivfamilie zu finden, ist dabei offenbar keine Schwierigkeit. Es gebe mehr Bewerber als Kinder, die zur Adoption freigegeben würden.

Alternative: anonyme oder vertrauliche Geburt

Eine Alternative zur Babyklappe ist die so genannte „anonyme“ oder „vertrauliche Geburt“. Von Letzterer habe es im Kreis Rottweil eine in der Helios Klinik gegeben, so Schmider. „In diesem Fall wurden wir nach der Geburt von der Klinik informiert und konnten auch noch mit der Mutter sprechen“, berichtet die Landratsamt-Pressesprecherin.

Laut Helios Klinik ist der Vorteil, dass die Mütter im sicheren Umfeld der Klinik gebären können, und dass die medizinische Versorgung von Mutter und Kind gewährleistet ist.

Recht auf Kenntnis der Herkunft

Während eine Schwangere bei einer anonymen Geburt ihre Identität niemandem preisgibt, wird eine Schwangere bei einer vertraulichen Geburt ausschließlich unter einem Pseudonym im Krankenhaus behandelt und erfasst.

Ihre persönlichen Daten seien nur der Mitarbeiterin einer Schwangerschaftsberatungsstelle bekannt, die zu Verschwiegenheit verpflichtet ist und diese zur Verwahrung an das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben schicke, heißt es. Mit dem 16. Geburtstag erhalte das Kind das Recht, die Daten der Mutter einzusehen, sofern diese nicht beantrage, die Anonymität aufrechtzuerhalten – worauf sich das Kind wiederum ans Familiengericht richten könne.

Frühzeitige Hilfe

Neben diesen Möglichkeiten sind aus Sicht des Rottweiler Landratsamts niederschwellige Beratungsangebote wichtig, an die werdende Mütter sich frühzeitig wenden können – „auch anonym, damit sie in einer für sie möglicherweise belastenden Situation nicht alleine gelassen werden“.

Der Bedarf für eine Babyklappe zeige sich indes im Landkreis Rottweil bislang nicht, meint Andrea Schmider. Es erscheine außerdem sinnvoll, eine Babyklappe an einem Standort mit Kinderklinik anzusiedeln. Und natürlich kann die Babyklappe in Schwenningen von verzweifelten Müttern aus der ganzen Region – also auch aus dem Kreis Rottweil – ein Ausweg in höchster Not sein.

Schmider gibt außerdem zu bedenken: „Eine Babyklappe ist ja mehr als eine ‚physische‘ Einrichtung. Sie muss permanent und zuverlässig überwacht werden. Darüber hinaus ist eine entsprechende Infrastruktur notwendig, die gewährleistet, dass das Baby umgehend versorgt werden kann – auch medizinisch.“

So läuft es in Schwenningen

In der Schwenninger ProKids-Klappe am Franziskusheim befindet sich ein kameraüberwachtes Kinderbettchen. Sobald die Klappe geöffnet wird, löst sie ein Klingelsignal bei der diensthabenden Pflegefachkraft aus. Das Findelkind kommt dann ins Schwarzwald-Baar-Klinikum und wird dort untersucht, ehe vom Familiengericht ein Amtsvormund bestellt wird und die weitere Vermittlung erfolgt – sofern sich die leiblichen Eltern nicht doch noch melden.