Auswanderer aus Region Stuttgart Immobilienmakler in Dubai: „In guten Monaten sechsstelliger Betrag drin“

Michael Bosch
Arian Garussi ist mit 30 Jahren nach Dubai ausgewandert. Foto: privat/KI/Midjourney/Montage: Sebastian Ruckaberle

Jeder zweite Deutsche will auswandern. Arian Garussi hat den Schritt gewagt. Er lebt und arbeitet in Dubai – aber das ist ganz anders, als es sich viele vermutlich vorstellen.

Immer Sommer, immer Sonne, immer gute Laune, Luxus wohin das Auge reicht, den Strand vor der Haustür – keine Sorgen. So stellen sich viele das Leben in Dubai vor. Für manche Menschen hierzulande, die der Kälte und Tristesse entfliehen wollen, ist das kleine Land am persischen Golf ein Traumziel.

 

Ganz so ist es nicht. Arian Garussi hat den Schritt gewagt. Mit gerade einmal 30 Jahren ist er aus der Region Stuttgart in ein neues Leben aufgebrochen. Flugticket one way, Ziel Dubai Airport. Er hatte eine Jobzusage für einen der vermutlich umkämpftesten Märkte der Welt: Die Immobilienbranche in dem Emirat. Natürlich hat ihn auch das Geld gelockt. Hinterhergeworfen bekommt man es auch im Land der Superreichen nicht. Im Gegenteil.

Kein festes Gehalt, aber Aussicht auf viel Geld

Seit er in dem Wüstenstaat gelandet ist, hat Arian Garussi eigentlich keinen Tag richtig Urlaub gemacht. Schnelle Autos, Luxusshopping, schöne Frauen, teure Yachten: „Ja, das gibt es alles“, sagt der 31-Jährige. Und irgendwann kann er sich dem vielleicht auch widmen. Aber derzeit nicht. „Hier arbeitet man eigentlich immer. Zumindest in meiner Branche“, sagt er. Er ist für eine Agentur tätig, ein festes Gehalt hat er nicht. Alles läuft auf Kommission. Heißt: Verkauft er viel, verdient er viel. Verkauft er nichts, verdient er nichts. „Das ist stressig, aber auch sehr motivierend, es gibt nach oben keine Grenze“, sagt Garussi. In einem guten Monat habe er auch schon einen sechsstelligen Betrag verdient. Netto. „Das schafft man in Deutschland eigentlich nicht.“

Als „dynamisch“ beschreibt Garussi den Immobilienmarkt in Dubai. Der kleine Staat wächst nach wie vor schnell. Inzwischen hat er vier Millionen Einwohner. Anfang der 2000er-Jahre waren es noch 850.000. Dabei sind nur schätzungsweise zwischen elf und 15 Prozent der Bevölkerung Einheimische. So rasant wie die Bevölkerung gewachsen ist, so rasant schossen zuletzt die Wohntürme aus dem Wüstenboden. Berichten zufolge kommen jeden Tag bis zu 470 Einwanderer in Dubai an, die in dem Land bleiben möchten. Es wird zwar viel gebaut, bis zu 150 Unterkünfte am Tag, aber das reicht nicht. Dementsprechend umkämpft ist der Markt.

„Dubai ist ein Haifischbecken“

Da heißt es schnell sein – auch für diejenigen, die mit den Immobilien handeln. „Deals im siebenstelligen Bereich werden teils innerhalb von Stunden abgewickelt“, sagt Garussi. Das Geld wird oft per Cash-Transfer online direkt überwiesen. Im Gegensatz zu Deutschland sei das ganze Prozedere „wesentlich einfacher strukturiert“, so der 31-Jährige. Alles geht digital. Sein wichtigstes Arbeitsgerät: das Handy. Auch wenn Studien zeigen, dass seine Generation immer seltener gewillt ist, zum Hörer zu greifen, er gehört definitiv nicht dazu. Bis zu 500 Anrufe am Tag tätigt er zu Spitzenzeiten. Morgens, mittags, abends – oder auch mal in der Nacht. Egal. Mails werden selten geschrieben, die Korrespondenz zwischen Verkäufer, Makler und Käufer läuft gerne über den Messenger Whatsapp. So werden teils Kaufverträge in Millionenhöhe versendet.

Dubai sei ein „Haifischbecken“, sagt der Mann, der in Freiberg am Neckar (Kreis Ludwigsburg) aufgewachsen und zur Schule gegangen ist. Auf dem Immobilienmarkt konkurriert er mit Tausenden anderen „Agents“. Das Team, zu dem er gehört, ist international. Das Aufgabengebiet umfasst: verkaufen, kaufen, vermieten, mieten – sowohl bei Neubauprojekten als auch bei Bestandsimmobilien. „Je nachdem, wer was will“, sagt Garussi.

Die Wünsche sind dabei extravagant bis absurd: Ein Kunde wollte partout nicht, dass sich aus der Nummer seines neuen Apartments die Quersumme 21 bilden lässt. Seine Ex hatte an einem 21. mit ihm Schluss gemacht. Bei einem anderen Kunden durfte die Wohnungstür auf keinen Fall im Norden sein. Das hätte gegen die altindische Lehre Vastu verstoßen, nach der Wohnräume bestimmten Gestaltungsregeln folgen müssen.

Es gibt auch sehr ausgefallene Wünsche

Arian Garussi erträgt so etwas mit Fassung – „muss man“, sagt er. Mit Zahlen, Daten und Fakten könne man häufig überzeugen. Dem Job so emotionslos wie möglich begegnen, das sei ohnehin ratsam. Denn Druck zu performen ist natürlich da. In seinem Fall ohne festes Gehalt gilt das umso mehr. „Wenn du hier nicht arbeitest, bist du raus“, sagt er. Und zwar wortwörtlich. Man muss ausreisen. „Vermutlich wäre es auch gar nicht so schlecht, das in Deutschland einzuführen.“

Arian Garussi muss bei seinem Job teils auf extravagante Wünsche eingehen. Foto: privat

So ausgefallen wie die Wünsche ist auch die Art und Weise, wie Garussi an den Immobiliengeschäften beteiligt wird. Seine Provision handelt er selbst aus. Teils wird er prozentual beteiligt, teils erhält er auch eine feste Summe. Boni dafür, dass er Wünsche besonders schnell erfüllt, hat er auch schon bekommen.

Die Kunden kommen aus der ganzen Welt – auch aus Deutschland

In Deutschland hatte Arian Garussi ursprünglich etwas ganz anderes gemacht. Er hat Maschinenbau studiert, war anschließend als Einkaufsleiter im Automotive-Bereich in der Region Stuttgart tätig. Die Auftragslage in der Branche wurde schlechter, im Sommer 2024 dann die Insolvenz. Die Suche nach einem Investor schlug fehl. „Ich habe gedacht, das ist vielleicht meine Chance“, erinnert sich Garussi. Ein Angebot aus der Energiebranche lehnte er ab und entschied sich dafür, auszuwandern. Am 1. November 2024 kam er in Dubai an, drei Tage später startete er in den neuen Job. „Ich bin ausgewandert ohne Hilfe“, sagt er und dabei schwingt ein bisschen Stolz mit in der Stimme. „Alles selbst organisiert.“

Mit Immobilien hatte er sich bis dato nur privat beschäftigt. „Ich mach gerne mit Zahlen rum“, sagt Garussi. Wobei das vermutlich ein bisschen untertrieben ist. An der Hochschule Esslingen war er als Lehrbeauftragter für Mathematik tätig. Mit 25 Jahren hatte er seine erste Immobilie erstanden. „Mich hat das interessiert, tendenziell sind Immobilien ja immer ein gutes Investment“, sagt Garussi, „und ich habe mein Portfolio breit gestreut.“ Ein Haus ist darunter, ein Studentenheim und ein Pflegeheim.

Der Gegenüber sollte einen mögen

Sechs Immobilen, alle selbstverwaltet, gehörten Garussi schon, als er sich entschied, es in Dubai zu versuchen. „Jeder der sich ein bisschen mit dem Thema beschäftigt weiß, dass es in Dubai richtig abgeht – das hat mich gereizt.“ Was man sonst können muss, um in dem Geschäft Fuß zu fassen? „Eigentlich tatsächlich nichts“, sagt Garussi und lacht. „Gut ‚schwätzen’ können“, sagt der Sohn iranischer Einwanderer, der sich den leicht schwäbischen Zungenschlag bewahrt hat. Dabei komme es natürlich auch darauf an, ehrlich und transparent zu sein. „Wenn man das nicht ist, merkt der andere das schnell“, sagt Garussi. Das Geheimnis eines erfolgreichen Deals aus seiner Sicht: „Du musst genau der sein, bei dem das Gegenüber sagt: ‚Dich mag ich’.“

Mit seinen Kunden redet er vor allem Englisch, wobei auch viele Deutsche darunter sind. Persisch kann er auch. Vorrangig ist Garussi im relativ jungen Viertel „Creek Harbour“ tätig, das etwa zehn Minuten vom Stadtzentrum entfernt liegt. Der Anteil Deutscher beträgt dort über 25 Prozent. Ansonsten vermittelt er Immobilien an Menschen aus der ganzen Welt: Inder, Russen, Chinesen, Kanadier, Libanesen, Pakistanis, Iraner.

Auch Fußball-Nationalspieler in seinen Kontakten

Gemeinsam haben alle, dass sie „stinkreich“ sind. Häufig sind es Geschäftsleute, auch Investoren. Die Handynummer eines ehemaligen deutschen Fußballnationalspielers findet sich beispielsweise in Garussis Kontakten. Inzwischen hat er Immobilien im dreistelligen Millionenbereich veräußert. Das erste Jahr in den Emiraten sei quasi verflogen. „Ich habe das Gefühl, dass ich letzte Woche erst angekommen bin.“

Was muss man sonst über Dubai wissen? Arian Garussi nennt das extrem hohe Sicherheitsgefühl, dass er habe. „Ich muss eigentlich nicht einmal die Haustüre abschließen“, sagt er. Mit der Hitze muss man natürlich klarkommen – 40 Grad Celsius sind immer mal drin. Und wer mit dem Gedanken spielt, es wie er zu machen und nach Dubai auszuwandern? „Es sollte sich jeder klar werden, dass man hier nicht herkommt und chillt“, sagt er. Sieben Stunden arbeiten und dann ausstempeln, das sei nicht der „Dubai-Lifestyle“, den er lebe. Er habe einige kommen sehen, die dachten, dass das möglich sei – „die sind aber schnell auch wieder gegangen.“