Die Hospizgruppen im Zollernalbkreis wollen der Trauerarbeit mehr Gehör geben und laden deshalb ein zum ersten Trauerfachtag in der Stadthalle Balingen. Worum es dabei geht.
Geteiltes Leid ist halbes Leid. Das trifft auch auf Trauer der Hinterbliebenen nach dem Tod eines geliebten Menschen zu. Ihnen machen geschulte Ehrenamtliche über den Landkreis verteilt Gesprächsangebote.
Organisiert sind diese auf unterschiedliche Weise. In Hechingen gehört die Trauergruppe zur Hospizgemeinschaft, in Albstadt zu den katholischen und evangelischen Sozialstationen und in Balingen wird die Trauerarbeit von der Ökumenischen Hospizgruppe getragen.
Über die Kreisbereiche hinweg wollen die Ehrenamtlichen nun systematisch in den Austausch miteinander gehen. Gemeinsam laden sie deshalb zum ersten „Trauerfachtag“ in der Stadthalle Balingen ein (siehe Info). Der Tag soll die Bedeutung der Trauerarbeit stärker ins Bewusstsein rücken und die vielfältigen Angebote für Trauernde sichtbar machen.
Trauerarbeit wird immer wichtiger
Viel zu besprechen gibt es bei dieser Fachtagung, denn die Trauerarbeit steht vor einigen Herausforderungen. Ulrike Fischer von der Hospizgruppe Albstadt weist darauf hin, dass die Gesprächsangebote für Trauernde tendenziell stärker nachgefragt werden. Es gebe einen „steigenden Bedarf“. Anna Hömens von der Hechinger Trauergruppe: „Immer mehr Menschen kommen zu uns, weil sie keine andere Stelle finden, wo sie hinkönnen.“
Diakon Michael Weimer von der Trauerbegleitung Albstadt erwähnt in diesem Zusammenhang, dass es „mehr Menschen mit erschwerter Trauer“ gibt. Dies ist zwar ein Krankheitsbild, das psychologisch behandelt werden könnte, aber einen Termin zu bekommen, sei wegen Überlastung überaus schwierig. Deshalb kommt der ehrenamtlichen Trauerbegleitung eine wesentliche gesellschaftliche Rolle zu.
Ehrenamtliche haben eine Ausbildung zur Trauerarbeit
Gleichwohl sind die Ehrenamtlichen der Trauergruppen keine Therapeuten, sondern Menschen mit Herz, die sich mit einer mindestens 80-stündigen Ausbildung qualifizieren. Hömens: „Wir sind Begleiter, keine Therapeuten.“ Deshalb stellt Weimer klar: „Wir könnten mehr Ehrenamtliche brauchen, aber es muss passen.“
Neben der steigenden Nachfrage nach Beratungsangeboten stellt sich die Finanzierung als weiteres wichtiges Thema. Ute Fischer von der Ökumenischen Hospizgruppe Balingen berichtet, dass die ehrenamtliche Trauerarbeit quasi nicht gefördert wird. Es gibt zwar Zuschüsse von Krankenkassen für die Hospizarbeit, aber die Hürden dafür sind sehr hoch und oftmals unerreichbar für die ehrenamtlich strukturierten Angebote.
Gespräche eröffnen neue Perspektiven
Derweil können die Gespräche zwischen Betroffenen und Trauerbegleitern neue Perspektiven eröffnen. Cathrin Lindner von der Hospizgruppe Balingen beschreibt ihren Eindruck so: „Ich glaube, dass viele Menschen gar nicht wissen, was Trauer ist.“ Ulrike Fischer (Hospizgruppe Albstadt) hat den Eindruck, manch Trauernde nehmen sich nach einem Verlust nicht mehr die Zeit, richtig zu trauern. Ihnen geben die Gespräche einen Anhaltspunkt, mit dem sie ihre eigene Situation reflektieren – und vielleicht auch relativiert betrachten – können.
Ziel ist eine Koordinationsstelle „Netzwerk Trauer“
Am 22. November wollen die Akteure der Trauerarbeit beim Fachtag nun vor allem miteinander ins Gespräch kommen. Geschaffen werden soll eine Koordinationsstelle „Netzwerk Trauer“, in der sich Kirchen, Ärzte, Beratungsstellen, Krankenkassen, Sozialverbände sowie Hospiz- und Trauergruppen im Rahmen ihrer Möglichkeiten einbringen können. Dabei geht es auch um die Etablierung digitaler Formen der Trauerbegleitung und die Prävention erschwerter Trauer, die vor Arbeitsunfähigkeit bewahren soll.
„Wie teuer ist Trauer?“
Termin
Der erste Trauerfachtag im Zollernalbkreis findet am Samstag, 22. November, von 10 Uhr an statt. Der öffentliche Teil startet um 13.15 Uhr mit einer Podiumsdiskussion zum Thema: „Können funktionierende Trauerangebote krankmachende Einsamkeit vorbeugen?“, moderiert von Balingens Bürgermeister Ermilio Verrengia. Die Diskussion soll bis 14.30 Uhr dauern. Danach können sich die Teilnehmer austauschen, und um 15 Uhr spricht Pfarrer Christof Seisser das Schlusswort. Die Veranstaltung endet mit einem musikalischen Abschluss von 15.15 Uhr bis 16 Uhr.
Motto
Der Fachtag steht unter dem Motto „Wie teuer ist Trauer?“. Gemeint sind damit die wirtschaftlichen Auswirkungen von Trauer, denn schwer Trauernde können am Arbeitsplatz längere Zeit ausfallen. Auch die Trauernden selbst sind finanziell betroffen. Teilnehmen am Trauerfachtag werden in der Trauerarbeit ehrenamtlich engagierte Menschen aus dem Zollernalbkreis. Unterstützt wird die Veranstaltung von der Stiftung Mensch der Sparkasse Zollernalb und vom Förderprogramm „INkonzept“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart.