Schon im Sandkasten gibt es ständig Krach und Kloppe. Streit gehört zum Leben – das zeigt die Schau „Zoff!“ im Kindermuseum Junges Schloss. Was kann man in der Mitmachausstellung tun?
Die Fans werden froh sein, dass sich die Brüder Adolf und Rudolf einst so hoffnungslos zerstritten. Vor rund hundert Jahren gründeten sie eine Fabrik für Turnschuhe und verkauften ihr Schuhe schon bald auf der halben Welt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gerieten die Brüder so aneinander über die Rolle des je anderen während des Krieges, dass sie privat und beruflich getrennte Wege gingen: Adolf, genannt Adi Dassler gründete Adidas, sein Bruder Rudolf Puma.
Was heißt Debatte? Und bedeutet Konflikt?
Krach kommt in der besten Familie vor. Damit es heutigen Kindern aber nicht ergeht wie den Dassler-Brüdern, widmet sich das Kindermuseum im Jungen Schloss nun dem Streit. „Zoff!“ nennt sich die neue Mitmachausstellung für Familien, bei der man zwar auch erfahren kann, was Debatte und Diskurs, Konflikt und Konsens genau meinen. Aber in erster Linie geht es darum, in sich selbst hineinzuhorchen. Denn um zu verstehen, wie stark die Auswirkungen von Zoff sein können, muss man sich nur daran erinnern, wie man sich selbst bei Streitereien fühlt.
So ermuntert die Ausstellung auf vielerlei Weise, sich den starken Gefühlen anzunähern und das passende Licht zu den eigenen Zuständen einzuschalten. Welche Farben haben Freude, Angst, Wut der Trauer? Hier kann man durch den Wuttunnel klettern, dort gilt es zu markieren, an welcher Stelle im Körper sich welche Gefühle am ehesten bemerkbar machen. Kopf oder Bauch, Herz oder Hand?
Streit und Wettstreit liegen eng beieinander
Wie die Ausstellung „Protest“ im Landesmuseum ist auch „Zoff!“ Teil des großen Jubiläums zu 500 Jahre Bauernkrieg. Ein Schwert in der Vitrine erinnert daran, wie die Menschen in früheren Jahrhunderte Streitigkeiten oftmals austrugen. Aber es geht auch um den sportlichen Wettstreit, den ja schon die alten Griechen und Römer gern praktizierten, um das Kräftemessen zu kanalisieren. An Sprossenwänden können die kleinen Besucher in der Ausstellung miteinander konkurrieren – und en passant Energie loswerden, bevor es im Rollenspiel zur Sache geht. Mit dem eigenen Schatten kann man in Szenen mitmischen und in der U-Bahn einen lästigen Mitfahrenden mal so richtig beschimpfen, weil er zu laut telefoniert. Oder man schließt sich dem Protestzug anderer Kinder an, die mit Transparenten durch die Straßen ziehen.
Nachdem man das Donnerblech wie bei einem Gewitter ordentlich geschüttelt hat und dann noch vom Stunk, dem Maskottchen der Schau, grob als „Glotzgnom“ beschimpft wurde, ist es Zeit, sich auf die Matratze zu fläzen und mit meditativer Musik und säuselnden Worten beruhigen zu lassen. Hat man die Fäuste noch geballt? Liegt die Stirn grimmig in Falten? Oder grummelt es im Bauch? Eine lehrreiche Körperreise, die den Kindern helfen will, ein bisschen besser zu begreifen, was manchmal mit ihnen geschieht.
Zoff – natürlich mit den Geschwistern!
Und mit wem wird gestritten? Das Ergebnis einer Umfrage unter den kleinen Besuchern ist eindeutig: Am häufigsten streitet man nicht mit den Eltern, nicht mit irgendwem – sondern mit den Geschwistern. Und denen kann man hier im Jungen Schloss zur Strafe mal so richtig eins auf die Mütze geben bei einer Kissenschlacht. Für die gibt es freilich Regeln – nicht wehtun und aufhören, wenn der andere darum bittet.
Zoff!: Kindermuseum Junges Schloss im Alten Schloss, Stuttgart. 27. Oktober bis 3. August. Geöffnet Di – So von 10 bis 17 Uhr.