Jan Gines Alvarez (links) hat sich auf farbenfrohe Porträts von Frauen spezialisiert. Foto: Dahms

Im Rathaus stellt der Lahrer Jan Gines Alvarez seine Kollektion „Mujeres en tinta“ aus – und verwandelt die Räume der Verwaltung bis Juni in eine Galerie voller Farbe und Emotion.

Es ist eine recht ungewöhnliche Kombination, die sich den Besuchern der Vernissage im Rathaus darbietet – bunte, deckenhohe Gemälde mit Farbklecksen in einem aufgeräumten, schlichten Verwaltungsgebäude. Bis Juni hängen im Büro des OB, seines Vorzimmers und in der Säulenhalle die Bilder von Jan Gines Alvarez, einem Lahrer Künstler. „Mujeres en tinta“ nennt sich seine Kollektion, auf Deutsch „Frauen aus Tinte“.

 

Etwa ein Jahr hat es gedauert, bis Alvarez alle 25 Werke für die Ausstellung fertiggestellt hat. Jedes zeigt ein anderes Zusammenspiel an Farben und das Porträt einer Frau – immer mit einem anderen Gesichtsausdruck.

Bilder von Männern liegen dem Künstler weniger

„Ich habe ein totales Interesse an Porträts und ich finde, du kannst am Gesicht und am Ausdruck einer Person wahnsinnig viel ablesen“, erzählt Alvarez bei der Vernissage im Gespräch mit unserer Redaktion. Aus diesem Grund mache es ihm großen Spaß, Menschen in unterschiedlichen Posen festzuhalten. Immer wieder ein sehr ähnliches Motiv abzubilden, langweile ihn nicht. Auf den Namen für die Kollektion hat ihn seine spanische Mutter gebracht. „Sie hat eine Mädelsgruppe mit dem Namen mujeres de oro, auf deutsch bedeutet das Frauen aus Gold.“

Im ersten Schritt bemalt Alvarez die gesamte Leinwand in vielen Farben. Danach kippt er etwas Wasser darüber und entscheidet anhand der Fließrichtung der Farben, was für ein Porträt sich anbietet. „Der schönste Teil im Prozess ist der Anfang, wenn ich die Farben einfach draufklatschen darf“, lacht der Künstler.

Die Bilder von Frauen liegen Alvarez besonders gut. Zu Studienzwecken habe er zwar auch schon Männer gemalt, aber die seien nie so gut gelungen wie seine Porträts von Frauen.

Auch Landschaftsgemälde gehören zum Repertoire

„Die Räumlichkeiten, in denen Kunst ausgestellt wird, haben viel Einfluss auf ihre Wirkung und Ästhetik“, findet der Künstler. Das Rathaus gefällt ihm, besonders die Deckenhöhe und die Beleuchtung passten gut zu seinen Bildern. „Hätte ich für diesen Raum ein Konzept gemacht, hätte ich genau solche Bilder dafür geplant“, so Alvarez. Er wurde in Lahr geboren und lebt inzwischen wieder hier. Sein Großvater war Architekt und bildender Künstler, malte zahlreiche Stadtlandschaften.

„Das macht mir auch sehr viel Spaß, ich bin gerne als Streetartist unterwegs in Lahr und lasse mich von dem inspirieren, was ich dort sehe.“ Alvaraz porträtierte die Stadt bereits im Fernsehen („Kaffee oder Tee“, SWR) und hofft, auch seine Landschaftsgemälde irgendwann auszustellen.

Seit 2021 dient das OB-Büro als Ausstellungshalle für wechselnde Künstler. „Das ist für beide Seiten eine gute Sache“, erklärt Rathauschef Markus Ibert. Regionale Künstler seien immer wieder auf der Suche nach einem Ort, ihre Werke auszustellen. Gleichzeitig sei es für das Rathaus eine tolle Möglichkeit, seine Wände zu schmücken.

„Mir gefallen besonders die hellen Farben gut, die blauen Bilder mag ich am liebsten“, freut sich Ibert über die Kunst von Alvarez. „Kunst bereichert, zieht einen aus dem Alltag heraus und ist Anlass für Begegnung – das kann für unsere Stadt viel bewirken, vor allem, wenn der Künstler von hier kommt.“

Der Künstler

Jan Gines Alvarez wurde 1987 in Lahr geboren. Er studierte Kunst und Germanistik in Freiburg. Der Künstler und Musiker ist auch von Auftritten mit lokalen Bands wie „Julia Lavé“ bekannt.