Die bildende Künstlerin Gabi Streile stellt ihre figurativ-abstrakten Malereien in der Wilhelm-Kimmich-Galerie in Lauterbach zur Schau.
„Ich wohne in Oberkirch mit dem Schwarzwald im Rücken und der Rheineben voraus. Der Blick zu diesem Übergang zweier Landschaften ist ein Motiv, das mich immer wieder beschäftigt“, erklärte die bildende Künstlerin Gabi Streile bei einem Rundgang durch die neue Ausstellung in der Wilhelm-Kimmich-Galerie. Die Künstlerin zählt zu den führenden Vertreterinnen der figurativ-abstrakten Malerei im südwestdeutschen Kulturraum.
In Lauterbach zeigt die gebürtige Karlsruherin, die heute in Offenburg und Berlin arbeitet, den „Schwarzwald in Farbe“, wie sie den Titel dafür wählte. Schon fast mit Explosionskraft, großer Farbigkeit, einem energiegeladenen und zügigen Pinselstrich – mal in pastosem Farbauftrag, dann wieder zart und durchscheinend wässrig – fängt sie die Landschaftsstimmungen in sich wechselndem Farbspiel ein, mit allem, was die Natur herzugeben vermag: gewaltig und bedrohlich, aber auch tröstend und lieblich, mit Blick zum sich öffnenden Ausblick und Licht. Es scheint dem Betrachter fast, als ringe Streile einer schöpferischen Natur die einzigartige Schönheit des verstreichenden Augenblicks ab und banne sie in hohem Abstraktionsgrad auf Leinwand.
Bilder regen Fantasie an
„Es ist gar kein Baum zu erkennen, aber doch sehen wir das. Insofern regen die Bilder unsere eigene Fantasie an und zählen darauf, dass wir eine eigene Welterfahrung mitbringen, die uns dann entsprechend interpretieren lässt“, erklärte die Kunstwissenschaftlerin in Offenburg Susanne Ramm-Weber, die zu Beginn in das ihr gut bekannte Werk Streiles einführte.
Sie analysierte das wiederkehrende Landschaftsmotiv der Lauterbacher Ausstellung und Streiles Malweise sowie weitere Arbeiten der Künstlerin, die bereits einige Auszeichnungen dafür bekam und auch in öffentliche Dauerausstellungen wie beispielsweise Würth verkaufte.
Bernhard Rüth, Kreisarchivar in Rottweil a. D. hatte die Ausstellung kuratiert und sich gemeinsam mit der Künstlerin in deren Offenburger Atelier zur Auswahl der Bilder intensiv beraten. Ein besonderer Kniff: Einigen Streile-Bildern der Wechselausstellung sind Arbeiten des Lauterbacher Künstlers Wilhelm Kimmich aus der dortigen Dauerausstellung zugeordnet. Sie treten in einen spannenden Dialog um Landschaftsmalerei. Zudem wählte Rüth auch Landschaftsdarstellungen aus dem früheren Werk der Künstlerin – das älteste aus den 1980er-Jahren - aus, so dass sich die Entwicklung der Malerei Streiles dem Betrachter erschließt.
EM-Spiel läuft im Hintergrund
Norbert Swoboda, Vorsitzender des Wilhelm-Kimmich-Kunstvereins, der die Lauterbacher Galerie betreibt, eröffnete die Vernissage mit einiger Verspätung und begrüßte die Gäste, darunter auch Lauterbachs Bürgermeister Jürgen Leichtle und Rottweils Kreisarchivar Johannes Waldschütz. Denn nicht nur Swoboda, sondern auch die Künstlerin selbst und viele Gäste zeigten sich als leidenschaftlich Fußballfans und dem EM-Spiel um den Einzug der Deutschen ins Halbfinale im Spiel gegen Spanien verpflichtet.
Mit dem Spiel in der Verlängerung und dem TV ohne Ton im Hintergrund untermalten die Musiker German Klaiber am Kontrabass und Tilmann Günther am Klavier in fröhlichen Jazznoten die Eröffnung der Ausstellung und trösteten gemeinsam mit Streiles farb- und energieintensiven Arbeiten über die verpasste Chance der deutschen Fußballer hinweg.
Die Ausstellung Schwarzwald in Farbe ist noch bis zum 6. Oktober in der Galerie Wilhelm Kimmich in Lauterbach, Hauptstraße 17, zu sehen. Der Eintritt ist frei.