Die Eröffnung nehmen vor (von links): Achim Hoffmann als Verantwortlicher für die SpVgg Jubiläumschronik, Museumskurator Andreas Morgenstern, Mattis Stehle aus der D-Jugend der SpVgg Schiltach und Bürgermeister Thomas Haas. Foto: Dorn

Vor einem großen Premierenpublikum wurde die Fußballausstellung „Mehr als ein 1:0“ im Schiltacher Museum am Markt feierlich eröffnet.

Kurator Andreas Morgenstern führte in einer pointierten Rede durch die Ausstellung, die das 100-jährige Jubiläum der Spielvereinigung 1926 Schiltach zum Inhalt hat, darüber hinaus aber auch mit feinem Blick auf die gesellschaftliche Relevanz des Fußballsports in Deutschland schaut.

 

„Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen“ brachte Morgenstern die berühmten Worte des Radioreporters Herbert Zimmermann ins Gedächtnis. Mit dem erstmaligen Gewinn der Fußballweltmeisterschaft durch eine deutsche Mannschaft war Deutschland 1954 zurück auf der Weltkarte des Sports.

Auch in Schiltach hatte der Fußball seinen Platz neben dem etablierten Turnverein gefunden. Dank des von den Gewerkschaften durchgesetzten „Achtstundentags“ hatten auch die Arbeiter wochentags noch Zeit, den neuen Mannschaftssport „Fußball“ im Verein zu betreiben. Am Wochenende ging es im Omnibus zu den Auswärtsspielen im näheren Umkreis.

Beginn mit Gründung

Im Uhrzeigersinn führt die Ausstellung vom originalen Gründungsprotokoll des Vereins über die ersten Mannschaftsfotos in Schwarz-Weiß bis in die Neuzeit mit dem Aufstieg in die Bezirksliga zum 75-jährigen Vereinsjubiläum 2001.

Neben Morgenstern wünschte auch Bürgermeister Thomas Haas in seinem Grußwort, dass „die Mannen in Rot-Weiß“ zum 100-Jährigen ebenfalls wieder einmal den Aufstieg hinaus aus der Kreisliga packen werden.

Morgenstern verwies auf die Pionierarbeit für den Damenfußball. Bereits 1969 hatte es in Schiltach ein Damenteam gegeben, damals noch gegen den erklärten Widerstand des Fußballverbands, der Frauenfußball erst 1970 offiziell erlauben sollte.

Hans Harter vom Historischen Verein bereicherte die Ausstellungseröffnung mit der Rezitation eines historischen Berichts aus dem „Kinzigtäler“ vom April 1929 über zwei Freundschaftsspiele an Ostern zwischen der Spielvereinigung Schiltach (mit Hans Harters Vater im Tor) und dem Verein für Bewegungsspiel Stuttgart, das Spiel am Ostersonntag ging mit 2:4 verloren.

Am Ostermontag erspielte sich die Spielvereinigung ein leistungsgerechtes 3:3, in beiden Spielen agierten die Schiedsrichter „korrekt“ und die Spieler spielten „reell“, in dem Sinne, dass es kaum zu einem Foulspiel kam.

Auf alten Mannschaftsfotos können sich Besucher wiedererkennen (hier auf Fotos aus den 1970-er und 1980-er Jahren). Foto: Dorn

Spielerisch kuratiert wurde auch der Aspekt der Kommerzialisierung des modernen Fußballs – derentwegen Haas bekannte, sich nicht mehr so intensiv wie noch zu seiner Jugendzeit für den Bundesliga-Fußball zu interessieren.

Bezug zur WM 2026

Passend zur Weltmeisterschaft 2026 ist in der Ausstellung ein DFB-Team aus Playmobil-Figuren aufgestellt, dessen offensive Ausrichtung gegen eine wackere Elf aus historischen Zinnfiguren wohl ziemlich unter die Räder kommen würde, orakelte Morgenstern.

Von historischem Belang sind auch die Fußballkarikaturen des österreichischen Malers Fritz Schönpflug aus dem Jahr 1912. Außerdem ein Original-Lederfußball und alte, noch genagelte Stollenschuhe sowie Eintrittskarten aus der guten alten Zeit, als die Namensrechte an den Spielstätten noch nicht kommerzialisiert wurden.

Alte Stadionkarte

Zu sehen ist auch eine Karte in Stuttgart noch im Gottlieb-Daimler-Stadion, die für das Baden-Württemberg-Derby VfB gegen den KSC galt.

Eine alte Eintrittskarte für das Spiel VfB Stuttgart gegen den Karlsruher SC von 1994. Foto: Dorn

Für die größer werdende Zahl der spanischen Touristen in Schiltach hat Morgenstern auch noch ein mit zahlreichen Spieler-Unterschriften verziertes Ronaldinho-Trikot des FC Barcelona aus dem Jahr 2005 in die Ausstellung gepackt.

Näheres zur Ausstellung

Die Präsentation
„Mehr als ein 1:0“ ist ab sofort bis zum 6. September im Museum am Markt in Schiltach zu sehen.

Der Eintritt
ist frei.