In einer zweiteiligen Ausstellung zeigt Gerd Paulicke in seiner White Dog Galerie in Weil am Rhein eigene Installationen und Malerei. Der erste Teil ist noch wenige Tage zu sehen.
Stühle sind eine Art Markenzeichen von Gerd Paulicke. Und so verwundert es nicht, dass einige dieser Stuhl-Objekte nun Eingang in seine Ausstellung „Werksstand I“ gefunden haben. Der Künstler aus Grenzach-Wyhlen zeigt in seiner White Dog Galerie in Altweil eine zweigeteilte Retrospektive mit Arbeiten von 2010 bis 2026. Dabei wird deutlich, wie breit aufgestellt in den Medien und Positionen der studierte Bildhauer arbeitet.
Im ersten Ausstellungsteil, der noch bis 30. April zu sehen ist, dominieren Installationen und figürliche Skulpturen sowie Fotografie. In der zweiten Folge ab 8. Mai steht die Malerei im Blickpunkt.
Mit dem Kapitel Skulpturen hat der in Hamburg ausgebildete Bildhauer und Maler weitgehend abgeschlossen. Installative Arbeiten macht er noch gelegentlich, aber wenn, dann in Kombination mit Malerei. Aktuell konzentriert sich Paulicke auf Bilder.
In den zwei aufeinander folgenden Werkschauen gibt es Gelegenheit, ausgewählte Arbeiten Paulickes aus verschiedenen Werkphasen zu sehen und tiefer einzutauchen in seine künstlerische Philosophie, die von der Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte, mit Holbein und Böcklin, aber auch von dem erweiterten Kunstbegriff eines Joseph Beuys geprägt wurde.
Das Thema Mensch und Vergänglichkeit beschäftigt Paulicke. Er setzt sich mit existenziellen Dimensionen menschlicher Erfahrungen auseinander.
Vieles in seinen Arbeiten geht ins Symbolhafte
Vieles in seinen Arbeiten geht ins Symbolhafte, so etwa das Werk „Afterglow“, eine Verbindung von Malerei und Installation. Ein großformatiges Wolken- und Himmelsbild, eine prächtige Malerei, wird aufgebrochen durch ein Stuhlobjekt, das auf der Leinwand angebracht ist. Die Stuhlskulptur steht auf vier Glühbirnen.
Für Paulicke symbolisiert dies ein Nachglühen, ein Aufleuchten der Erinnerung an Menschen, die man verloren hat. Weitere dieser Betonstühle, finden sich in der Rauminstallation. Um Vergänglichkeit und Endlichkeit drehen sich auch die skulpturalen Figuren, die sich Totenköpfe über die Gesichter stülpen, als seien es Masken - ein Memento Mori, das auch schon im Stift Klosterneuburg bei Wien zu sehen war.
Ein Schlüsselwerk in Paulickes Schaffen ist die Fotoserie „Vergissmeinnicht“. In diesen Selbstporträts sieht man Paulickes Gesicht, mit weißem Ton bedeckt, der langsam abbröckelt. Bild für Bild verschwindet das Gesicht immer mehr durch weiteres Abfotografieren und Spiegelungen, bis hin zum völligen Auflösungsprozess.
Paulickes Figuren sind meist sehr realistisch, ja hyperrealistisch. Das Figurative zieht sich ebenso durch sein Werk wie die reduzierte Farbpalette. Paulicke bevorzugt Weiß und Schwarz, meidet das Bunte und positioniert sich damit gegen den Trend zum Farbigen.
Spiel mit der Wahrnehmung
Im zweiten Teil seiner Werkbetrachtung zeigt er Bilder in Öl auf Leinwand oder Holz, die er seit 2022 geschaffen hat. Meist sind sie im hyperrealistischen Stil gehalten, der so detailgenau ist, das mancher die Arbeiten auf den ersten Blick für Fotografie hält.
In seiner Malerei spielt Paulicke mit der Wahrnehmung und mit verblüffenden Effekten. Etwa in dem Bild „Leerstelle“, das den Maler zeigt, der gerade den Pinsel ansetzt und in der Körpermitte einen weißen Streifen hinterlässt. Etwas Rätselhaftes haben die anonymen Figuren, deren Köpfe unter Kartonagen stecken. Eine dieser Figuren, hat es sich auf einem Sessel bequem gemacht. Der Titel „The Artist is present“ verweist auf eine gute Portion Selbstironie.
Ausstellung: „Werksstand Teil 1“ von Gerd Paulicke bis 30. April. Teil 2 der Ausstellung ist bis 5. Juni zu sehen. Vernissage am 8. Mai, 17 bis 20 Uhr.