Das Geschichtsbild zurechtrücken, wonach Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus kaum vorkommen, soll eine Wanderausstellung im Landratsamt in Villingen.
Noch bis zum 25. Juli sind auf Initiative von Lilli Epp, der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises, an den Behördenwänden die Biographien von 36 Frauen zu lesen, die sich dem NS-Regime verweigerten oder aktiv dagegen vorgingen.
Sieht man einmal von der Studentin Sophie Scholl ab, der berühmtesten Person in dieser Reihe, die wegen Flugblattaktionen verhaftet und hingerichtet wurde, und von der Schauspielerin Marlene Dietrich, die den Krieg gegen Hitler-Deutschland mitfinanzierte und mit ihren Besuchen an der Front Aufsehen erregte, dann liest man in der Ausstellung hauptsächlich von weniger bekannten Frauen, die ihren „unbedingten Willen, dem Unrechtsstaat zu schaden“ auf unterschiedliche Weise zeigten.
„Widerstand ist eine Frage der Haltung und des Mutes, nicht der Position und des Geschlechts“. So definierte die Historikerin Frauke Geyken bei der Vernissage den Widerstand und widerspricht damit die bis in die 1960er-Jahre hinein geltende Erklärung von Widerstand, der lediglich in Form von Tyrannenmord anerkannt war.
Jetzt treten in der Ausstellung auch die Ehefrauen der politischen Widerständler und Attentäter vom 20. Juli 1944 und der politischen Gegner Hitlers in den Vordergrund, die damals ebenfalls mit dem Tod oder mit Sippenhaft rechnen mussten und damit, dass sie ihrer „Verräterkinder“ beraubt wurden.
Die Geschichten von Rosemarie Reichwein, Freya von Moltke und Erika von Treschow sind daher Teil der Ausstellung. Aber auch die der Gewerkschafterin Käthe Kern, der Lehrerin Elisabeth Schmitt, der Künstlerin Therese Giese und der Schwestern Inga und Jutta Madlung.
„Für jeden möglich gewesen“
Landrat Sven Hinterseh begrüßte an einem sommerheißen Abend im Landratsamt rund 40 Interessierte. Widerstand, so Hinterseh, sei im Zweiten Weltkrieg für jeden möglich gewesen, quasi „aus dem Leben heraus“ sowie aus denkbar unterschiedlichen Richtungen. In die Ausstellung gehöre daher eigentlich auch Margarethe Hofer, die als Mitglied der evangelischen Johannesgemeinde Schwenningen damals Menschen bei ihrer Flucht in die Schweiz half und dabei ihr Leben riskierte, sagte der Landrat.
Widerstand vor Ort
Auch Hedwig Wais gelte als Widerständlerin im Sinne der Ausstellung, wie Martina Wiemer anmerkte, die in Donaueschingen Stadtführungen zum jüdischen Leben dort anbietet. Bereits als junges Mädchen verweigerte Wais den Hitlergruß und ihre Familie, die in der Donaustadt eine Drogerie betrieb, unterstützte jüdische Mitbürger. Sie wünsche sich, den Widerstand vor Ort mehr an den Schulen dazustellen, denn „KZs sind weit weg“.
Mit einigen deutschen und jiddischen Liedern aus ihrem Programm steuerte die Harfenistin Susanne Weinhöppel aus München musikalisch Nachdenkliches, Trauriges aber auch Humorvolles zum Thema bei.
Die Frauen im Widerstand in den Blick zu nehmen, sei keine Sache der „Quote“, wie Frauke Geyken abschließend betonte, „sondern des richtigen Hinsehens“. Nicht nur mutige Männer, auch viele Fruen stellten sich gegen die Diktatur und viele bezahlten dafür mit ihrem Leben. Die Ausstellung wünsche sie sich daher als „Quelle der Ermutigung“, die zum Handeln auffordere – „machen wir uns an die Arbeit“.