Die Kunststiftung Paul Kälberer richtet in ihrer Sonderausstellung den Fokus auf die künstlerische Auseinandersetzung von Günther Kälberer und Paul Kälberer mit dem Sujet Landschaft.
Sulz-Glatt - Im Blickpunkt stehen ausgewählte Radierungen und Acrylbilder von Günther Kälberer. Diesen Arbeiten sind malerische und grafische Werke aus dem Vermächtnis des Hausherrn gegenübergestellt. Für beide Kälberer – Onkel und Neffe – war die Natur zeitlebens bedeutender Bildgegenstand. Paul Kälberer, 1896 in Stuttgart geboren und 1974 in Glatt gestorben, studierte an der Kunstakademie in Stuttgart. Er war als freischaffender Maler und Grafiker tätig. Seine Arbeiten werden dem neusachlich orientierten Realismus zugeschrieben.
Bisher nur auf wenigen Ausstellungen zu sehen
Sein im Jahre 2019 verstorbener und 1932 in Stuttgart geborener Neffe studierte ebenfalls an der Kunstakademie in Stuttgart. Dessen Weg war nicht der des freischaffenden Künstlers, Günther Kälberer unterrichtete Bildende Kunst an Gymnasien und veröffentlichte Werke für den Kunst- und Werkunterricht. Die Formensprache von Günther Kälberer ist vom Kubismus inspiriert. Im Gegensatz zu Paul Kälberers Werken, die bereits sehr früh in Berlin und Düsseldorf hingen, waren Günther Kälberers Arbeiten bisher auf wenigen Ausstellungen zu sehen.
Kunsthistorikerin Carla Heussler brachte den Besuchern die beiden Persönlichkeiten näher. "Die Gegensätze und Unterschiede ergeben sich nicht zuletzt durch die verschiedenen Lebenszeiten, sie sind deutlich sichtbar in den Gemälden und Radierungen". Heussler begann mit Paul Kälberer. "Zusammen mit seiner Frau Gesa zog er 1927 in seine Wahlheimat Glatt, wo sich ihm als Naturbegeisteter die Landschaftsdarstellung geradezu aufdrängte". Das Ölgemälde "Blaues Gefährt" zeige die verschlafene ländliche Ruhe des Ortes Oberwitzingen in Vogelperspektive. Die Schönheit, aber auch das Herbe hätte Paul Kälberer bei "Albhügel" und "Winter auf der Alb" erfasst.
Kritische Werke zur Zeit des Nationalsozialismus
Der Nationalsozialismus ging auch an ihm nicht spurlos vorbei. Er schuf zeitkritische Radierungen wie "Die Landschaft unserer Tage" von 1945. In den 1950er und 1960er Jahren beharrte Paul Kälberer weiter auf der figürlichen Malerei, trotz Vormachtstellung der ungegenständlichen Malerei. Es kam jedoch auch bei ihm zu einer Neuorientierung indem er sich von Paul Cézanne inspirieren ließ wie bei "Der Blick vom Hornberg".
"Günther Kälberer verbindet Landschaft und menschgemachte Architektur zu einer selbstverständlichen Einheit. Hier steht der Neffe mitunter im Kontrast zu seinem Onkel, der in seinem Spätwerk die reine Landschaft bevorzugte. Gemeinsam ist ihnen aber, dass der Mensch nur eine untergeordnete Rolle spielt. Günther Kälberer ist diesbezüglich sogar noch konsequenter als sein Onkel, bei ihm erinnern lediglich Architektur, Fahr- und Flugzeuge an den Menschen", fasste Heussler zusammen.
Ausstellung bis 30. Oktober geöffnet
Dem Gegenständlichen, wie sein Onkel, verschrieben, vereinfachte er Tektonik und reduzierte sie auf die geometrische Grundstruktur. Die Technik der Radierung beherrschte er so meisterhaft wie sein Lehrer und Onkel, setzte jedoch andere Akzente wie kürzelhafte Zeichen, Punkte und Striche.
Bei der Malerei bevorzugte Günther Kälberer die Acrylfarbe auf Hartfaser und setzte lebhafte und leuchtende Farben ein. Bei der "Stadt mit Bogenbrücke" blickt der Betrachter auf eine am Hang hochwachsende Stadt in vereinfachter Architektur. Die Farbtöne lassen Dächer und Fassaden der Häuser differenzieren. "Über der Szenerie erhebt sich ein Fesselballon, in dem zwei Menschen schattenhaft zu erkennen sind. Vielleicht schweben sie über Architektur und Landschaft, um zu einer neuen Sicht der Dinge zu gelangen?", stellt Heussler in den Raum.
Neben idyllischen Landschaften thematisierte Günther Kälberer auch moderne Technik. Bei "Gleisanlagen" von 1957 würden die Gleise in kühner Aufsicht verlaufen, der moderne Bahnhof throne im Hintergrund, die Dampflokomotive zische auf den Betrachter zu.
Die Kabinettsausstellung gewährt einen hervorragenden Einblick in die unterschiedlichen künstlerischen Positionen und das Miteinander der beiden Kälberer in Bezug auf Landschaft und Heimatverbundenheit. Ein Besuch der sich lohnt. Noch bis zum 30. Oktober kann die Ausstellung besucht werden.