Eine Ausstellung von zum Teil über 100 Jahre alten Wachsstöcken öffnete im Heimatmuseum Schwarzes Tor in St. Georgen. Gesammelt wurden diese von Johannes Schön.
Johannes Schön, der die Leidenschaft dafür entwickelte, als er ums Jahr 2000 herum einen Wachsstock geschenkt bekam, sammelte die Exponate. Seitdem ist er auf Flohmärkten, bei Verwandten und Freunden oder im Internet auf der Suche danach. Und obwohl er inzwischen um die 200 besitzt, freut sich immer über neue Funde.
Hubert Urstöger, Vorsitzender des Fördervereins Schwarzes Tor, beschreibt die Geschichte des Wachsstöckles, das ab dem 16. Jahrhundert von Bäuerinnen in Handarbeit vor allem im Winter angefertigt wurde, zunächst nur als Beleuchtungsmittel auf Schwarzwaldhöfen, das gegenüber Kerzen den Vorteil hatte, keinen Ständer zu brauchen und gut in der Tasche mitgeführt werden zu können.
Ab dem 19. Jahrhundert, mit Einzug des elektrischen Lichts, wurde der Wachsstock zum kostbaren, in Ehren gehaltenen Erinnerungsstück, reich verziert zum Beispiel für die Aussteuer der Braut, Taufe, Beerdigung oder für Wallfahrtsorte.
Ein Wachsstöckle als Abschiedsgeschenk
Schön erklärt zudem, dass Mägde früher Knechten täglich die Betten machten und beide jeweils zu Lichtmess die Möglichkeit hatten, den Hof zu wechseln. Bei dieser Gelegenheit überreichten Knechte den Mägden dann oft ein Wachsstöckle als Abschiedsgeschenk. Gepflegt wurde diese Tradition in Österreich und Bayern.
Oft standen im Herrgottswinkel der Bauernhäuser ebenfalls Wachsstöckle, und Kellnerinnen wurden von Stammgästen für das Säubern der Bierkrüge damit beschenkt.
Schließlich dienten die Wachsstöckle in Kirchen ohne Elektrizität als Lichtquelle, um während der Abendandacht im Gesangbuch lesen zu können.
Auf diese unterschiedlichen Verwendungszwecke weisen die höchst individuellen Formen der Wachsstöckle hin, die im Schwarzen Tor zu sehen sind.
Pfiffige Idee für die Halterung
Sehr schlicht sind die kreisförmig gerollten, entzündbaren Objekte, durchaus pfiffig aber die Idee einer Halterung, die dafür sorgt dass das Wachs nur bis zu einer bestimmten Länge abbrennt, was für Hofbewohner das Zeichen zum Schlafengehen war. Daneben zeigen sich unzählige Wachsstöcke, deren Herstellung das unglaubliche Geschick und die Geduld der Produzentinnen erahnen lässt.
Reich verziert mit winzigsten Blüten und Farbtupfern, religiösen Motiven und dreidimensionalen Figuren wie dem Jesuskind, goldenen Inschriften oder besetzt mit Edelsteinen zeigen sie eine große Vielfalt an Formen und Farben. Besonders selten sind laut Schön Arbeiten aus rotem Wachs, das damals sehr teuer war.
Altarbild zeigt hinter einer Tür eine Jesusfigur
Eines der aufwendigsten Stücke ist ein Altarbild, das hinter einer aufgeklappten Tür eine Jesusfigur zeigt. Der älteste Wachsstock der Sammlung stammt von 1872, wie der darauf angebrachten Inschrift zu entnehmen ist. Zudem gibt es Informationen zur Herstellung, zum Beispiel darüber, dass die Wachsbänder in warmes Wasser eingelegt werden mussten, um sie formbar zu machen.
Wer sich die Stücke ansehen möchte, sollte sich beeilen, denn die Ausstellung öffnet nur noch zwei Mal, am kommenden Wochenende nämlich, am Samstag, 28. Februar, und Sonntag, 1. März, jeweils von 13.30 Uhr bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.