Rundgang über die Ausstellung „Sympathisch gegen Hass und Hetze“ an der Hochschule für Polizei in Schwenningen mit Einsatztrainer Julien Völkle (von links), Kriminologe Thomas Mößle, Dozent Andreas Beier, Konzeptkünstler Uwe Kaiser und Gundram Lottmann, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. Foto: Jochen Schwillo

Mit der Ausstellung „Sympathisch gegen Hass und Hetze“ präsentierte die Hochschule für Polizei Baden-Württemberg ein Projekt, das den Menschen hinter der Uniform sichtbar machen soll.

Eine anschließende Podiumsdiskussion griff zentrale Fragen zum Berufsbild, zur gesellschaftlichen Wahrnehmung und zu den aktuellen Herausforderungen polizeilicher Arbeit auf.

 

Der Journalist und Konzeptkünstler Uwe Kaiser führte mit spürbarer Leidenschaft durch die Schau.

Sein Projekt öffnet den Blick auf private Fotografien von Polizistinnen und Polizisten, die ihre persönlichen Bilder zur Verfügung gestellt haben.

Wege zur Polizei

Die Motive erzählen Geschichten, die man im Polizeialltag kaum vermuten würde: Ein junger Beamter etwa wollte ursprünglich Balletttänzer werden, musste diesen Weg aus gesundheitlichen Gründen aufgeben und fand schließlich zur Polizei – heute ist er Oberbürgermeister von Pforzheim.

Ein anderer zeigt sich offen mit seinen Kindern im Freibad, eine Kollegin wiederum ist ein Multitalent, das gelegentlich als Statistin im Fernsehen auftritt und früher Personenschützerin des Innenministers war, den Beruf aber mit der Rolle als alleinerziehende Mutter nicht vereinbaren konnte.

Zu den prägenden Gesichtern der Ausstellung gehört auch eine Polizistin, deren Berufswunsch schon im Kindesalter feststand. Ein Foto zeigt sie als Mädchen in einer Polizeiuniform. Heute arbeitet sie mit ihrem Diensthund, der ebenfalls ausgebildet wurde.

Der Ursprung der gesamten Ausstellung liegt in einem früheren Projekt mit Verkehrsüberwachungskräften der Stadt Stuttgart. Zwei Tage lang fotografierte Kaiser die Mitarbeitenden an verschiedenen Orten. Eine von ihnen, ein Sprachtalent, sprach Passanten spontan in deren Muttersprache an – selbst dann, wenn sie zuvor auf Albanisch beschimpft worden war.

Bilder werden ausgetauscht

Weil täglich viele Studierende an der Ausstellung vorbeikommen, werden die Bilder regelmäßig ausgetauscht, damit immer neue Eindrücke entstehen, erklärte Kaiser. In der Mitte des Raumes steht ein massiver Block aus Holzpaletten, der an eine Polizeiabsperrung erinnert und als Informationspunkt dient.

Gedanken über Polizisten

Unter einer Abdeckung verbirgt sich eine humorvolle Anekdote, daneben liegt ein Poesiealbum aus, in das Besucher ihre Gedanken für junge Polizisten eintragen können.

Die Einträge reichen von freundlichen Botschaften bis zu Beschimpfungen – ein Spiegelbild gesellschaftlicher Spannungen, das Kaiser bewusst sichtbar lässt. Die Antworten, die Kaiser gesammelt hat, sind eindeutig: Teamfähigkeit, Empathie und Belastbarkeit.

In der Hochschulbibliothek hängen zudem 25 kurze Statements an den Regalen – ursprünglich nur als Ergänzung gedacht, inzwischen aber ein zentraler Bestandteil der Ausstellung. Besonders ins Auge fällt eine historische Schiefertafel, die an die Berliner Ausstellung „Die Polizei – 100 Jahre dein Freund und Helfer“ erinnert. Studierende werden eingeladen, ein Wort oder Statement zur Polizei darauf zu schreiben. Die Tafel wird fotografiert und fließt in ein neues Projekt ein, das später in Stuttgart gezeigt werden soll. Die zuletzt beschriebenen Tafeln stammen von Studierenden selbst und werden als Originale in die Ausstellung integriert.

Dienstalltag ändert sich

In der Podiumsdiskussion wurden verschiedene Perspektiven beleuchtet: Wie sind die sozialwissenschaftlichen Befunde zur gesellschaftlichen Veränderung, zur Gewalt gegen die Polizei oder zum Wertewandel innerhalb der Organisation – und lassen sich bereits Ursachen benennen? Wie hat sich der Dienstalltag seit 2015 verändert, was berichten Polizisten über das gestiegene Aggressionspotenzial in der Gesellschaft und welche Gegenmaßnahmen werden ergriffen?

Und schließlich: Wie wird die Polizei in der Ausstellung dargestellt, welche Intentionen verfolgte Kurator Uwe Kaiser mit seinem Projekt und welche Reaktionen hat die Schau ausgelöst, die seit über einem Jahr in Baden‑Württemberg unterwegs ist?

Darüber diskutierten der Dozent und Moderator des Abends Andreas Beier, Konzeptkünstler Uwe Kaiser, der Kriminologe Thomas Mößle sowie der Einsatztrainer und Antidiskriminierungsbeauftragte Polizeihauptkommissar Julien Völkle.