Dass in der Kunst allgemein und der Ausstellung mit Werken des Künstlers Frank Altmann nur „ein Elftel des Eisbergs“ gezeigt würden, davon wusste die Kunstwissenschaftlerin Susanne Ramm-Weber bei der Vernissage „Von Spatzen und Sperlingen“.
Ramm-Weber führte am Sonntag nach der Begrüßung des Publikums durch Rémy Trevisan, stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Podium Kunst“ und Ausstellungs-Kurator, in die Schau im Schramberger Schloss ein.
Altmann, der in Rottweil lebt, bringe das Abstrakte ins Bewusstsein zurück, so Ramm-Weber und fragte: „Kennen wir diese Bildsprache nicht schon?“ Sie stellte dementsprechend kunstwissenschaftliche Bezüge zu Werken bekannter Kollegen Altmanns her und musste feststellen, dass es in Altmanns Werk immer ausgewiesene Bezüge gebe, die hinter der Fassade eine Spur von Ironie und Humor aufwiesen.
Altmann lässt sich von „Zitaten“ vergangener Künstlerkollegen vor dem 20. Jahrhundert inspirieren. Seine Anregungen können direkt aus deren Werken, aber beispielsweise auch von Auseinandersetzungen und dem Diskurs um Kunst, den Künstlern und deren Beziehungen und Einflüsse der Zeit oder beispielsweise von zeitgenössischen Formaten, Farben, Formen und Materialität beeinflusst sein.
Nichts geklautes
„Was aus dem Zitat angeregt ist, erfährt eine Erhebung in die Eigenständigkeit“, erläuterte Ramm-Weber Altmanns Vorgehensweise: „Man kann also nicht sagen, er habe geklaut“, bewies sie dessen Eigenständigkeit in der Kunst.
Beim Rundgang durch die Schramberger Ausstellung mit Künstler erklärte er: „Wenn man meine Bilder anschaut, könnte das durchaus von heute sein. Ich habe meine Werke allerdings angelehnt, an Ausschnitte des Schaffens bereits historischer Kunst und Künstler bis ungefähr zum Ende der Moderne“, erklärt Altman im Gespräch.
Eine „Versuchsanordnung“
Der Titel der Ausstellung „Von Spatzen und Sperlingen“ leitet sich von Altmanns gezeigten „Vogelkästen“ ab, die er künstlerisch in Formensprache und Farbigkeit nach Manier von Wegbereitern der Moderne Piet Mondrian und Theo von Doesburg ausstattete. Mit dieser „Versuchsanordnung“ überlasse er beispielsweise die Beurteilung der Auseinandersetzung der beiden niederländischen Künstler um gerade und diagonale Linien frei fliegenden Vögeln. Die Quasi-Innenansicht der Moderne aus den Vogelhäuschen heraus nennt Altmann entsprechend humorvoll „Versuchsanordnung, um herauszufinden, was Spatzen von der Moderne halten“.
Zeit für Erneuerung
Altmann selbst habe im Ateliergespräch zu seinem Schaffen den Begriff „Metamoderne“ ins Spiel gebracht, verriet Ramm-Weber: „Als sei alles schon gemacht. Wenn nichts Neues entsteht, die Kunst an einen toten Punkt kommt, ist Zeit für Erneuerung.“ Altmann tue ebendies: Er bediene sich an historischem Material und übertrage es in eigener Weise in die Neuzeit, so die Offenburger Kunstwissenschaftlerin.
Musikalisch umrahmt
Die Vernissage wurde musikalisch von Uta (Harfe) und Matti Münch (Klarinette) mit Werken von Astor Piazzolla umrahmt.
Info
Die Ausstellung
ist bis Sonntag, 2. März, im Schloss, Bahnhofstraße 1, zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags, 13 bis 17 Uhr, samstags und sonntags, 11 bis 17 Uhr.