Versteckte Botschaften und Sinnbilder für das Menschsein versammelt Hansjörg Bißwurm mit aktuellen Werken in seiner ersten Ausstellung in Schopfheim im Rahmen der „Kulturbrücke“.
Lange Zeit kannte man Hansjörg Bißwurm als satirischen Zeichner und Grafiker mit zeitkritischen Arbeiten. Nun hat sich der gebürtige Zeller, der 40 Jahre Lehrer in Öflingen war, nun in Schopfheim wohnt und dort zum ersten Mal in der Kulturfabrik ausstellt, der Landschaft zugewandt.
Wer genauer hinschaut, entdeckt auch in diesen aktuellen Bildern aus den vergangenen zwei Jahren den kritischen Blick des Künstlers. Bißwurms Landschaften sind Scheinidyllen. Er zeigt nicht die heile Welt, sondern eine mit versteckten Botschaften und Zweideutigkeiten.
Ironie zum Bildinhalt
Wer das weiß, wird seine Werke mit anderen Augen anschauen und darin entdecken, was er vermutet – immer im Zusammenhang mit dem Titel, der oft in Ironie zum Bildinhalt steht. Jeder Betrachter kann sich Assoziationen und eigene Gedanken dazu machen. Bißwurms Bilder erzählen nämlich Geschichten, oft versteckt mit kaum erkennbaren Hinweisen und Details im Kleinen.
Auf den ersten Blick malt Bißwurm schöne Landschaften, aber es sind keine ungetrübt schönen Ansichten, sondern verstörend und trügerisch. Das kommt daher, dass es mit wenigen Ausnahmen - wie dem Schopfheimer Wieseweg - erfundene Landschaften sind, auch wenn sie realistisch aussehen.
Inspiration aus der Natur
Der Maler lässt sich von Fotos, Orten und der Natur anregen, aber dann verselbständigt es sich. Vieles in den Bildern wirkt unwirklich, manches surreal wie der Thron Karls des Großen aus Aachen mitten in die Natur versetzt in dem Bild „Nach der Krönung“. Auf dem Thronsessel liegt die Krone, auf der Treppe sieht man eine Flasche mit ausgelaufener roter Flüssigkeit; man weiß nicht, ist es Wein oder Blut?
Wenn Menschen auf Bißwurms Bildern erscheinen, dann sind sie winzig gegenüber den mächtigen Felsformationen, Schluchten und Wasserfällen oder schemenhaft als Schattenfiguren wie die durchsichtigen Kirchgänger in dem Bild vom Nordschwabener Kirchlein, das der Maler mit künstlerischer Freiheit auf einen Berg gesetzt hat.
Im Bildhintergrund oder auf Felsen thronend sieht man zugemauerte Gemäuer, Ruinen, einmal auch ein Gebäude, das die Natur sich zurückerobert hat. Gemalt sind diese imaginären Berg-, See-, Fluss- und Meerlandschaften in gedeckten Farben. Vorbilder aus der Kunstgeschichte werden sichtbar.
Trauer und Ewigkeit
Etwa die dunklen Bäume wie die Zypressen in Böcklins „Toteninsel“, die für Trauer und Ewigkeit stehen, oder die dramatisch verdüsterten Himmel wie bei Caspar David Friedrich, Bißwurms großem Vorbild, was die Himmelsdarstellungen betrifft.
Bißwurms Motivwelten enthalten oft ein „Geheimnis“, wie ein Bild heißt, wobei sich der Titel mit den Bildern entwickelt. Was bedeuten nun diese Bilder? Was der große Fels und der kleine Mensch, was der Rucksack und der abgegebene Stab beim „Pilgerende“? Der Betrachter kommt immer mehr zur Erkenntnis, dass es Sinnbilder sind, für die Vergänglichkeit, das Streben nach Erfolg und Ehrgeiz, für Schieflagen, große Hindernisse oder hohe Ziele.
Wie Michael Gottstein in seiner Einführungsrede sagte, könne man die Absichten der oft winzigen Menschen nur erahnen: „Genießen sie die Aussicht oder sind sie im Begriff, sich in die Tiefe zu stürzen?“
Wie mehrdeutig diese Arbeiten sind, zeigt sich in einer Landschaft namens „Bewacht“, wo die geflügelte goldene Figur für einen Engel oder für einen Reichsadler gehalten werden kann. Bei Bißwurms Bildern gerät man oft ins Rätseln. Das ist ganz im Sinn des Künstlers, der die Welt hinterfragt.
Zeit mitbringen
Die Ausstellungsbesucher sollten Zeit mitbringen, um hinter das „Geheimnis“ zu kommen. Neben symbolhaften Gemälden sieht man auch kleinere digitale, am Computer mit Grafikprogramm und Stift entstandene Zeichnungen, die Bißwurm auf Reisen anfertigen kann - sehr gut passend zum Ausstellungstitel „Unterwegs“.
Ausstellung: „Bißwurm – Unterwegs“ ist bis 7. Dezember, in der Kulturfabrik Schopfheim zu sehen, jeweils mittwochs, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr.