Unter dem Titel „Land- und Forstwirtschaft in früheren Zeiten“ ist in der Ortsverwaltung Rötenberg eine Ausstellung aufgebaut.
Für die neue Ausstellung, die während der üblichen Öffnungszeiten der Ortsverwaltung besucht werden kann und bis zu den Sommerferien dauert, hat die Rötenbergerin Edith Maier viele historische Geräte und Utensilien zusammengetragen, mit viel Liebe zum Detail aufgebaut und mit Bildern und Erklärtexten bereichert.
Nach Maiers Recherchen lieferte Waldbesitz schon damals in finanziellen Notzeiten Geld und Einkommen. Nicht nur für die Eigentümer, sondern auch für Holzhauer und holzverarbeitende Handwerker. Fichten wurden wegen der Nutzung der Rinde für die Gerberei im Mai geschlagen, die Tanne für Bauholz im Oktober, das dann jahrhundertelang hielt.
Wer kein eigenes Brennholz hatte, grub im Winter die Wurzelstöcke („Stocken“) der gefällten Bäume aus. Vor 1800 gab es keine Handsägen. Bäume wurden mit der Fäll- und Schrotaxt gefällt, Rückepferde zogen die geschälten Stämme aus dem Wald. Die Waldbesitzer konnten das Holz bei der oberen Lochmühle sägen lassen und ab 1937 im Rötenberger Sägewerk Kieninger.
Bis in die 1960er Jahre halfen Kinder im Wald mit, trugen das Reisig weg und brachten den Waldarbeitern täglich das Mittagessen. Aus Fichtenholz stellten die Schindelmacher auf dem Schnitzbock Schindeln her, die für die Außenfassade der Häuser genutzt und unter Dachziegeln gelegt wurden.
Motorsägen ab 1950
Als es noch keine Seile und geschmiedete Nägel gab, wurden Wieden (Seile aus Holz) aus Fichtenästen geflochten und Holznägel hergestellt. Gegen 1800 kamen die Zweimannsägen auf, ab den 1950er Jahren gab es die ersten Motorsägen. Danach kamen Traktoren mit Seilwinden, was die Waldarbeit enorm erleichterte.
Wie andernorts auch sicherte die mühsame und von Handarbeit geprägte Landwirtschaft in Rötenberg und Bach-Altenberg die Ernährung der Menschen.
Der sandig-steinige Boden war nährstoffarm. Auf den Äckern gedieh nur Roggen und Hafer. Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde im größeren Umfang Weizen angebaut. Bis in die 1940er Jahre wurden die an einer Quelle oder einem Bach liegenden Wiesen bewässert, um den Ertrag zu verbessern. Um die Äcker fruchtbarer zu machen, wurden sie abgebrannt (geschürft). Diese Düngemethode wurde bis etwa 1910 praktiziert, ehe Kunstdünger zum Einsatz kam. Für die Heuernte wurde das Gras schon im Morgengrauen mit nüchternem Magen gemäht, weil es da noch nass war und die Sense dadurch gut lief.
Kinder mussten rechen
Wenn das Heu dürr war, streckten es die Männer mit einer großen Gabel (Furke) hoch und die Frauen setzten die Büschel so, dass der Heuwagen gleichmäßig beladen wurde. Kinder mussten zusammenrechen und Ungeziefer bei den Zugtieren verscheuchen.
Heu und Stroh wurde vor dem Verfüttern in der Scheune mit der Futterschneidemaschine klein geschnitten. Dazu musste man mit dem „Heuliecher“ (Eisenstange mit Widerhaken) kleine Büschel aus dem Heu- und Strohhaufen ziehen. Die dabei abfallenden Heublumen hatten große Bedeutung in der Hausmedizin.
Wenn das Getreide reif war, wurde es mit er Sichel geschnitten und zu Garben gebunden. In der Winterzeit wurde in der Scheune mit dem Dreschflegel das Korn aus den Ähren geschlagen.
Zum Pflügen gab es einen Einräderpflug, den der Bauer oder die Bäuerin führten und die Kuh zog.
Das Buttern im Butterfass war Frauenarbeit. Die Gemeinde unterhielt einen Farrenstall mit Bullen und einem Ziegenbock. Wenn die Landwirte mit ihrer Kuh zum Decken kamen, durften die Kinder niemals zusehen. Da die Neugier groß war, versuchten sie heimlich einen Blick durch die Fenster zu erhaschen.
Ab etwa 1950 fanden die kleinen Bauern im Ort Arbeit in Fabriken in Schramberg und Oberndorf und langsam kehrte die Motorisierung in der Landwirtschaft ein. Die ersten Traktoren und Mähmaschinen hatten noch Tüftler aus alten Autos zusammengebastelt.
Durch Motormäher, Bindemäher, Schwadenrechen, Heuspinnen und Melkmaschinen veränderte sich das landwirtschaftliche Bild sukzessive und mittlerweile sind bäuerliche Anwesen gänzlich aus dem Ortsbild verschwunden.