Künstler ticken einfach etwas anders. Der ehemalige Oberndorfer Timo Serrer ist ein Paradebeispiel hierfür. Der 54-Jährige kann auf einen außergewöhnlichen Lebensweg zurückblicken. Doch die Kunst ist stets sein treuer Begleiter.
Oberndorf - Textilmechaniker, Modedesigner, Tätowierer oder Tischler. Timo Serrer hat einen bewegten und ebenso abwechslungsreichen Lebenslauf hinter sich. "Man lernt nie aus", lautet seine Lebensphilosophie, erzählt der Künstler. Mit Anfang 50 wagte er erneut den Schritt und fing 2019 eine Ausbildung an, diesmal als Arbeitspädagoge. Inzwischen betreut er Kinder und Jugendliche mit besonderem erzieherischen Bedarf.
"Jeder kann Kunst kreieren"
Doch wie bei all seinen beruflichen Stationen davor begleitet ihn seine große Leidenschaft: die Kunst. Er betreut Kinder und Jugendliche mit schwerer Vergangenheit, oft waren sie Opfer von Gewalt und Missbrauch, erzählt Serrer.
Dank seiner kreativen Ader und seiner Erfahrung kann er ihnen die Liebe zur Kunst näher bringen. "Künstlerisches Schaffen ist eine Form von Meditation. Man kann die Ruhe in sich selbst finden. Es ist auch eine Form von Selbstverwirklichung", sagt er. Und es sei eine Möglichkeit, an seinem Können zu feilen und dieses erlernte Können einzusetzen. "Letztlich kann jeder Kunst kreieren, man muss es nur wagen", so der Ex-Oberndorfer.
Bauhof entsorgt Werk
Serrer hat in seinem Leben die weite Welt bereist. Er lebte zeitweise in Portugal, bereiste Indien mit einem Rucksack und holte sich künstlerische Inspiration im Himalaya. Doch immer wieder zieht es den Künstler, der heute im Kreis Sigmaringen lebt, nach Oberndorf zurück. 2014, 2018 und 2020 stellte er bereits seine Werke im Städtle aus und kann von einigen Anekdoten berichten.
2018 zerstörte sich ein Werk des britischen Streetart-Künstlers Banksy selbst, nachdem es für 1,2 Millionen Euro in London versteigert worden war. Sowas ähnliches hatte auch Serrer schon gemacht: Nach einer Ausstellung in der Oberndorfer Klosterbaugalerie ließ er ein 1,6 mal 3,2 Meter groß Werk vom Bauhof entsorgen. "Es war mir zu blöd, einen Anhänger dafür zu organisieren", erzählt er und lacht.
Ausstellung im September
In diesem Jahr steht seine nächste Ausstellung in der Klosterbaugalerie an. Vom 10. September bis zum 8. Oktober 2023 werden etwa 30 Werke von ihm zu sehen sein. Die Ausstellung trägt den Titel "Love and peace on earth". Zu viel will er noch nicht verraten: "Die Leute sollen sich überraschen lassen", sagt Timo Serrer. Die allgemeine Lage in der Welt habe ihn zu diesem Thema inspiriert. Ein Großteil seiner ausgestellten Werke sollen versteigert werden. Die Erlös werde zu 100 Prozent an gemeinnützige Zwecke gehen, kündigt er an.
Wer nicht bis September warten will, um sich ein Bild von seinem künstlerischen Schaffen zu machen, der kann die Jahresausstellung des Konstanzer Kunstvereins, in dem Serrer Mitglied ist, besuchen. Seit dem 17. Dezember ist sein Werk "Out of hamam" in der Wessenberg-Galerie in Konstanz zu sehen. Die Ausstellung unter dem Thema "Vergessene Orte" dauert noch bis zum 12. Februar.
Orientalischer Flair
Bilder von verlassenen und vermüllten Hallenbädern haben ihn zu seinem Werk inspiriert. Er versetzte seine Szenerie aber in den Orient – als Hamam werden die dortigen Badeanstalten bezeichnet –, weil das Werk dadurch mehr "Flair und Wärme" habe. "Ein Hallenbad voll mit Müll und Graffiti sieht auch schäbig aus. Außerdem bin ich auch leidenschaftlicher Saunagänger", fügt er lachend hinzu. Auch "Out of Hamam" wird in Oberndorf zu sehen sein, den das Werk trägt den Schriftzug "Love an peace on earth" auf Arabisch.