Das Ibenthalerhaus präsentiert den Maler Konstantin Weber in einer Einzelausstellung mit 52 Werken.
Die Titel sind Programm in der Malerei von Konstantin Weber: Auenwald, Lichtung, Unterholz, Rheinufer, Winterbäume. Es sind Bilder vornehmlich mit Wasser und Wald und ohne Wald, Landschaften aus der Region Schwarzwald plus Rhein, die in der Einzelausstellung im Ibenthalerhaus zu sehen sind.
Es sind zwar realistische Titel, die Konstantin Weber seinen Ölbildern auf Leinwand gibt, aber es ist doch mehr eine malerische Umsetzung im Sinne von nicht mehr naturgetreu; viele seiner Arbeiten sind reduziert, die Landschaften menschenleer, die Wasser- und Waldsujets oft in Details. Denn das Wesen von Wasser, das sagt der Maler selber, ist im Ausschnitt besser.
Weber sagt aber auch: „Ich male naturgetreu und abstrakt“. Dabei mag er das Wort abstrakt nicht besonders, es ist ihm zu abgenutzt und für ihn mithin bedeutungslos. Die Abstraktion spielt in seinem Schaffen keine Rolle.
Sehr oft sieht man winterliche Schwarzwaldszenerien, Schneelandschaften, den Rhein mit kleinen Landzungen, Geäst nach der Flut, ein Moor, Dämmerung, Gefrorenes, Frostbilder, auch eine in Hopper-Manier angelegte Impression des schneebedeckten Bahnsteigs in Haagen.
Man soll sehen, dass es kalt ist, die Stimmung und die Farben sind im Winter „malerischer“, der Sommer ist künstlerisch für Weber eher „langweilig“. Die Landschaften sind für ihn also ein gutes Objekt, weil er hier als Maler relativ große Freiheit hat.
Und so geht man in dieser Ausstellung auf zwei Ebenen im Ibenthalerhaus am Ufer des Rheins entlang, stapft mit dem wachen Auge des Malers durchs Unterholz, ist unterwegs in Wald und Flur.
Er sucht das Spiel mit Licht und Schatten
Aber das ist nur die eine Seite von Konstantin Weber. Und der Titel „Lichtungen“ ist hier auch im übertragenen Sinne zu verstehen. Es sind nicht nur natürliche, offene, helle Stellen im Wald, sondern es ist in dieser Malerei auch ein Spiel mit Licht und Schatten.
Das setzt sich im oberen Saal fort bei den Streifenbildern. Auch hier wieder die malerische Behandlung eines ganz besonderen Sujets. Man könnte die Linienbilder durchaus abstrahiert nennen, oder, vielleicht besser: ganz streng mit dem Lineal durchgezogen. Sie sind in mehreren Schichten aufgebaut und knüpfen an Webers Jalousienbilder an, die Vorläufer dieser Streifenbilder.
Für Konstantin Weber muss es noch erkennbar sein, das Motiv, der Schwarzwald oder das Abendrot am Stübenwasen. In dieser Werkgruppe beschäftigt er sich sowohl mit der Landschaft als auch mit der Wahrnehmung, den Sehgewohnheiten und dem Raum.
Konstantin Weber hat viele „Künstlerväter“, die ihn inspirieren. Neben den zwei bedeutendsten deutschen, Gerhard Richter und Anselm Kiefer, die er beide sehr schätzt, ist er von dem südafrikanischen Multikünstler und Zeichner William Kentridge fasziniert.
Hommage an große Namen der Kunstgeschichte
Dass sich der frühere Kunstlehrer fraglos bestens mit der Kunstgeschichte auskennt, verrät ein kleiner Raum, in dem eine Porträtreihe hängt mit Ansichten und Antlitzen von Dürer, Hebel, Michelangelo bis Andy Warhol. Die Darstellung mancher Köpfe von Märtyrern und unbekannten Heiligen ist teils realistisch, aber auch expressiv und hinterfragt die Realität durch Verfremdung. Es sind Paraphrasen auf berühmte Gemälde wie Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrring“ oder Fotoporträts von Personen der Zeitgeschichte wie John Lennon oder einem bekannten Fußballer. Fast das Einzige, was diese Köpfe und Gesichter der Zeit gemeinsam haben, ist das kleine Format.
Im Flur entdeckt man den Patron des Hans Thoma-Gymnasiums, der ehemaligen Wirkungsstätte von Konstantin Weber: den Bernauer Hans Thoma, zu Lebzeiten einer der beliebtesten Landschafts- und Porträtmaler. Ergänzt durch Ansichten der Schule und als Verbindung zu den Landschaften in den großen Räumen dem „Thomaland“.
Die Ausstellung im Ibenthalerhaus, Baumgartnerstraße 16, ist bis 26. Juni immer sonntags von 15 bis 17 Uhr zu sehen.