So stellt sich die künstliche Intelligenz eine Regierung durch die FDP vor. Foto: Landtagswahl.ai

Die Initiative „Landtagswahl.ai“ hat eine künstlichen Intelligenz gebeten, Wahlprogramme in Wimmelbilder zu übersetzen. Die Ergebnisse werden aktuell in Lahr ausgestellt.

Was könnte sichtbar werden, wenn politische Ziele, Werte und Prioritäten einer Partei konsequent und vollständig umgesetzt würden? Mit dieser Frage hat eine Initiative aus dem VHS-Verband Baden-Württemberg, der Landeszentrale für politische Bildung und dem Institut für Demokratie und KI eine künstliche Intelligenz beauftragt. Herausgekommen ist die Bilderreihe „Landtagswahl.ai“, die es aktuell im Haus zum Pflug der Volkshochschule Lahr zu sehen gibt.

 

Die Idee ist nicht neu, schon zur Bundestagswahl hatte der Soziologe Max Mundhenke KI-Bilder genutzt, um Wahlprogramme darzustellen. Für die Landtagswahl am 8. März hat das Institut für Demokratie und KI die Methode erneut gewählt. Der Anspruch ist nicht, Meinungen zu formulieren, sondern Neugier und Interesse zu wecken.

„Wer sich ein Bild ansieht, soll idealerweise den nächsten Schritt gehen: sich mit dem Wahlprogramm der Parteien auseinandersetzen, vergleichen, hinterfragen und sich selbst eine fundierte Meinung bilden“, heißt es auf der Webseite der Initiative „Landtagswahl.ai“. Die KI sollte aus den schriftlichen Programmen eine visuelle Darstellung generieren. Als wiederkehrendes Motiv wurde eine Stadt gewählt.

Eine fiktive Stadt dient der Visualisierung

In diesem verdichteten Raum lassen sich politische Vorstellungen besonders anschaulich machen und miteinander vergleichen. Die Vorstellungen und Visionen der Parteien zu den Themen Wohnen, Arbeiten, Mobilität, Wirtschaft, Umwelt, Bildung, Sicherheit, soziale Teilhabe und kulturelles Miteinander sollen in der fiktiven Stadt abgebildet werden.

Die Ergebnisse werden in der Lahrer Volkshochschule mit entsprechenden Erläuterungen gezeigt. Ein kurzer Text über die Schlüsselthemen des Bildes verrät, welche Schwerpunkte dargestellt sind. Bei der Darstellung der CDU heißt es beispielsweise: „Ordnung und Sicherheit prägen das Stadtbild durch Polizeipräsenz, Überwachungselemente und klar strukturierte öffentliche Räume.“ So bekommen die Ausstellungsbesucher die Möglichkeit, sich im großen „Stadt-Wimmelbild“ etwas zu orientieren und bewusst einzelne Elemente in der fiktiven Stadt zu suchen.

Zusätzlich enthält jedes Plakat einen Textabschnitt über die Themen des Parteiprogramms, die nur schwer in einem Bild darstellbar sind. Dazu zählt bei der AfD etwa der Austritt aus der EU oder medienrechtliche Reformen, bei der FDP Bürgergeld-Reformen oder die Aktienrente, und bei den Grünen Lobbyregeln und Tierwohlstandards. Denn obwohl eine Stadt viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens vereint, gibt es in jedem Wahlprogramm Themen, die sich dort nicht abspielen – oder eben nicht sichtbar sind.

Dieser Faktor macht es schwer, ein konkretes Fazit aus den einzelnen Bildern zu ziehen – was genau unterscheidet denn jetzt die Programme der einzelnen Parteien laut KI? Die wuseligen Abbildungen, deren Details ohne Erklärung teils schlecht zu deuten sind, sorgen dafür, dass man diese Frage auch nach dem Besuch der Ausstellung nicht unbedingt beantworten kann.

Vereinfachung ist die Idee des Projekts

Die Initiative weist darauf hin, dass das Computerprogramm die Programme nicht inhaltlich versteht, sondern sie nur anhand des Textes auf Wahrscheinlichkeiten basierend darstellt. Genau diese Vereinfachung ist aber auch die Idee des Projekts. Die „Wahl-Wimmelbilder“, wie die Volkshochschule sie nennt, sollen einen ersten Eindruck vermitteln und vielschichtige, seitenlange Wahlprogramme einfacher zugänglich machen.

Die Öffnungszeiten

Wer sich die Bilder der „Landtagswahl.ai“-Ausstellung selbst anschauen möchte, kann das noch bis zum 16. März in der Volkshochschule in der Lahrer Kaiserstraße 41 tun. Alternativ gibt es die Abbildungen auch im Internet unter landtagswahl.ai zu sehen.