Günter Ludwig spricht über seine Motivation für die Fotoausstellung zur Familie Schweitzer. Foto: Stephan Hübner

Günter Ludwigs Ausstellung „Genius Loci“ in Königsfeld öffnet neue Blicke auf Albert Schweitzer, seine Familie und den Ort, an dem er die schönste Zeit seines Lebens verbrachte.

In der Lesegalerie öffnete am Freitag die Ausstellung „Genius Loci“ mit 32 Fotos von Günter Ludwig, die sich mit Albert Schweitzer und seiner Familie beschäftigt.

 

Ludwig, in Nordhessen geboren, studierte visuelle Kommunikation, war Art Director in einer Werbeagentur und ab 2016 als selbstständiger Designer in Königsfeld tätig, so Bürgermeister Fritz Link. Er erarbeitete schon im Rahmen der Jubiläumsfeier der Gesamtgemeinde eine „bemerkenswerte und vielbeachtete Fotoausstellung“.

Link fragte nach dem Geist des Ortes, der Schweitzer herbrachte. Dass sich Ludwig dazu während der letzten zwei Jahrzehnte auf fotografische Spurensuche begeben habe, sei dem Zufall zu verdanken, nämlich einer Anzeige, über die er zur Wohnung im Albert-Schweitzer-Haus kam. Das habe ihn zur Beschäftigung mit dem Vorbild aus Jugendzeiten inspiriert.

Laut einer Umfrage sei Schweitzer auch 150 Jahre nach seiner Geburt und 60 nach seinem Tod 88 Prozent der Deutschen bekannt, 26 Prozent zählten ihn zu den drei wichtigsten Vorbildern. Das liege vor allem am Spital in Lambarene, in dem er in der Nachfolge Jesu den Ärmsten der Armen habe helfen wollen. Der Universalgelehrte sei ein Humanist der Tat.

Schönste Zeit in Königsfeld

Link zitierte Schweitzer mit „Die Zeit in Königsfeld war die schönste meines Lebens“. Hier baute er 1923 das Haus in dem Ehefrau Helene und Tochter Rena „ein manchmal einsames Zuhause“ fanden.

Helene lebte bis 1957 hier, Rena besuchte bis 1934 als erstes Mädchen die Zinzendorfschulen, da sie in der Atmosphäre der Brüdergemeine aufwachsen sollte, deren ökumenische Offenheit und geistig freies Klima Schweitzer schätzte.

Mit der Ausstellung könne man das Leben der Familie aus neuen Blickwinkeln erfahren, meint Ludwig – und deren Spuren und die Menschen erleben, die mit ihr in Kontakt standen.

Schwarzweißfotos forderten heraus, da sie verborgene Details sichtbar machten, nicht spektakulär, sondern einfühlsam und kontemplativ seien, eine Ode an die Zeitlosigkeit. Der Wechsel von Licht und Schatten mache sie lebendig und nachdenklich, so der Fotograf.

Verbindung von Schweitzer zu Königsfeld

Die Ausstellung lade ein, den „Genius Loci“ nicht nur zu sehen, sondern auch zu fühlen, innezuhalten und Schönheit in schlichter Einfachheit zu erkennen.

Er sehe sich nicht als großer Künstler, sondern als normaler Fotograf, der einen bestimmten Stil habe, so Ludwig. Motivation für die Fotos sei, dass es bisher nichts Zusammenfassendes gebe, dass sich mit Schweitzer und Königsfeld beschäftige. Über die Fotos von Dingen vor Ort könne man eine Beziehung zu Schweitzer aufbauen. Denn „man sieht nur, was man weiß“.

Ludwigs frühste Erinnerung an Schweitzer

Seine eigene, früheste Erinnerung sei die eigene Mutter, die ob des Todes Schweitzers geweint habe. Er hoffe, dass sich vor allem jüngere Menschen mehr mit Arzt und Philosophen auseinandersetzen.

Dazu empfahl er als Lektüre Briefbände, in denen Schweitzer „sehr viel jugendlicher wirkt“. Auch komme darin die Aufhebung der kognitiven Dissonanz zum Ausdruck, unter der jeder leide. Denn alle wüssten, dass man viel tun müsse, täten es aber oft nicht.

Zur Ausstellung gibt es eine Broschüre, die für sechs Euro erworben werden kann.