Auf Anfrage des Künstlers Norbert Stockhus sprach Landrat Günther-Martin Pauli (r.) ein Grußwort zur Vernissage. Neben ihm: Joachim Wien, der im Namen des Fördervereins Villa Eugenia die Gäste begrüßte. In der Bildmitte: Clara Schneider (Mezzosopran) und Raimundo Luco (Gitarre), die die Eröffnung musikalisch umrahmten. Foto: Hardy Kromer

„Stein + Schein“ ist die Doppel-Ausstellung überschrieben, die in der Hechinger Villa Eugenia eröffnet wurde.

Draußen Schnee, drinnen große Kunst: Das war die Kombination am Sonntagnachmittag in der Hechinger Villa Eugenia. Ein vielköpfiges, teils von weither angereistes Publikum kam zur Eröffnung der ersten Kunstausstellung des neuen Jahres im ehemals herrschaftlichen Haus im Fürstengarten.​ Zu sehen sind dort noch an den kommenden fünf Wochenenden Bilder und Grafiken des überregional renommierten Künstlers Norbert Stockhus aus Sulz-Glatt und Steinskulpturen des Stuttgarters Jonas Balena, der seit 2018 eine Bildhauerschule in Riederich im Kreis Reutlingen leitet.​

 

Insbesondere der Name Stockhus ist ein Magnet für Liebhaber der bildenden Künste. Sogar Zollernalb-Landrat Günther-Martin Pauli ließ sich von dem Maler, der Paulis Vorgänger im Amt für die Galerie im Landratsamt porträtiert hat, nach Hechingen locken, um ein Grußwort zur Vernissage zu sprechen. „Ich bin seit Jahrzehnten Stockhus-Bewunderer“, bekannte Pauli. Deshalb fühle er sich geehrt, die Anfrage erhalten zu haben.​

Schaffenskraft, Akribie

​Dem Förderverein Villa Eugenia, für den Vorsitzender Joachim Wien die Gäste begrüßt hatte, gratulierte Pauli zu einem „gelungenen Jahresauftakt, wie er besser nicht sein könnte“. Den beiden Künstlern, die seit Sonntag im Fürstengarten ausstellen, attestierte er große Schaffenskraft, Akribie und ein beachtliches Detailwissen. Die Werke von Balena und Stockhus träfen den Nerv der Betrachter, meinte Pauli. Man fühle sich inspiriert, die Bilder und Skulpturen mit ähnlich viel Liebe zum Detail zu bewundern.​

Das Motto „Stein + Schein“ passt nach Paulis Ansicht wunderbar in die heutige Welt, in der der Einsatz von Künstlicher Intelligenz vieles so gar nicht mehr realistisch wirken lasse. Da sei es ein willkommener Kontrast, wenn Künstler mit solch geduldiger Arbeit zu Werke gingen und sich um exakte Darstellung ihrer Objekte bemühten.

Zwischen Wirklichkeit und Phantasie

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Angelika Kalchert vom Villa-Förderverein führte kurz ins Werk der beiden Künstler ein. Unter Berufung auf den Stockhus-Kenner Dr. Reiner Zerbst stellte sie fest: „Die Bilder von Norbert Stockhus bewegen sich zwischen Wirklichkeit und Phantasie. Altmeisterlich im Stil und doch hochgradig modern.“ Der Maler gehe von Dingen aus, die dem Auge vertraut erscheinen, lasse diese aber in einer verfremdeten Welt auftauchen. Stockhaus‘ Bilder entzögen sich deshalb einer eindeutigen Interpretation. „Akribisch genau kopiert er die Realität, die aber in seinen Bildern in eine verfremdete Welt umschlägt. Es sind Bilder voller Rätsel.“​

Feine Linien

​Außer den Gemälden zeigt Stockhus in Hechingen eine Auswahl seiner Radierungen, die seit mehr als 50 Jahren einen wesentlichen Teil seines künstlerischen Schaffens darstellen. In seinen Radierungen arbeitet der Künstler mit feinen, detailreichen Linienzeichnungen, aber auch mit farbigen Flächen. Die Radierung ist ein Tiefdruckverfahren, bei dem die Farbe durch hohen Druck aus den Vertiefungen auf das Papier kommt.​​

„Mit den Händen sehen, was die Augen fühlen“: Dieser Satz von Goethe sei auch der Leitspruch des Bildhauers Jonas Balena, führte Angelika Kalchert aus. Balenas Skulpturen seien zum großen Teil aus Alabaster gefertigt und entstünden aus dem Zusammenspiel von Formprinzipien, ästhetischen Ansprüchen und dem Erspüren der Individualität des einzelnen Steins.​

Dem schweren Stein Leichtigkeit zu geben, sei Balenas Anliegen. Das gelinge ihm durch Schwingungen der Kanten, gespannte Flächen und lichtdurchflutete Öffnungen. Der Künstler lade die Betrachter zu eigenen Interpretationen seiner Objekte ein.​

Künstler beim Schaffen

​Videos, die in der Ausstellung zu sehen sind, laden die Besucher dazu ein, den beiden Künstlern bei ihrer Arbeit zuzusehen. Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage von der Mezzosopranistin Clara Schneider und dem Gitarristen Raimundo Luco von der Musikschule Stuttgart.​​

Die Ausstellung „Stein + Schein“ ist noch bis zum 23. Februar in der Villa Eugenia im Hechinger Fürstengarten zu sehen. Öffnungszeiten sind immer samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Sonntags bewirtet der Förderverein mit Kaffee und Kuchen.