Unter „Catcalling“ versteht man verschiedene Formen der sexuellen Belästigung gegenüber Frauen. Im Kreishaus wurde nun die Ausstellung „Nein zu Catcalling und Gewalt gegen Frauen“ eröffnet. Das Projekt wurde an der Luise-Büchner-Schule umgesetzt.
„Catcalling“ – der Begriff wirkt niedlich, ist es aber nicht. Man versteht darunter verschiedene Formen der sexuellen Belästigung überwiegend im öffentlichen Raum, aber auch die ungewollte Konfrontation mit Bildern oder Videos in digitalen Medien. „Catcalling“ ist als berührungslose Belästigung in Deutschland bisher nicht strafbar.
Im Juni vergangenen Jahres gab es dazu den ersten Aktionstag im Landkreis Freudenstadt. Nun wurde im Kreishaus die Ausstellung „Nein zu Catcalling und Gewalt gegen Frauen“ eröffnet. Das Projekt wurde von Lehrerinnen sowie Schülern der Luise-Büchner-Schule umgesetzt und an diesem Abend auch von ihnen vorgestellt.
Die stellvertretende Schulleiterin Corinna Fritsch, die viele Gäste zur Vernissage begrüßen konnte, ging auf das Thema ein. Das Projekt sei an ihrer Schule im Fremdsprachenunterricht in den Kursen Italienisch und Spanisch thematisiert und dann künstlerisch vom Kunstkurs und der Kunst AG umgesetzt worden. „Der Bildungsplan fordert Projektarbeiten, aber auch einen Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse in anderen Ländern“, sagte Fritsch. Und Gewalt an Frauen sei auch in Ländern wie Spanien, Italien und Lateinamerika ein Thema. In Frankreich und Spanien sei „Catcalling“ bereits unter Strafe gestellt, in Italien setzten sich viele Organisationen dafür ein.
Umfrage in der Schule zum Thema „Catcalling“
Die Luise-Büchner-Schule hat auch eine Umfrage zum Thema „Catcalling“ durchgeführt mit der Frage: „Wo beginnt ‚Catcalling‘?“ Wie die Umfrage zeigt, wird dies durchaus unterschiedlich gesehen. Es beginnt mit Hinterherstarren und Rufen, Hinterherpfeifen, Kussgeräuschen und Sätzen zu Körperteilen. Das Anfassen durch Fremde ist laut Umfrage kein Kompliment mehr. Und was empfinden die Opfer? Ekel, Unwohlsein, Angst und Scham, oft auch Bedrohung.
„‚Catcalling‘ ist die Herabwürdigung der Frau als Objekt“, stellte Corinna Fritsch fest. „In Spanisch und Italienisch hatten wir mit Farben und Malen nicht so viel am Hut, da kam dann Anke Menze ins Spiel“, beschrieb Teresa Wolf, Leiterin des Spanisch-Kurses, den Werdegang des Projekts. Kunstlehrerin Anke Menze ließ Bilder sprechen. „Wer uns kreiert hat, hat sich Zeit genommen und sich intensiv mit dem Thema der Ausstellung beschäftigt. Wir sind mit ganz verschiedenen Techniken entstanden, haben aber doch eine zielgerichtete Aussage zum ‚Thema Nein zu Catcalling und Gewalt an Frauen‘ in Freudenstadt, im Landkreis und darüber hinaus“, so die Aussage der Bilder.
Für Landrat Klaus Michael Rückert gab es Geschenke: die Venus in verschiedenen Hautfarben koloriert für Freudenstadt und einen gezeichneten Auerhahn für den Landkreis.
Freya Wein, ehemalige Kunstschülerin, stellte ihr Bild „Na Püppchen“ vor. Der Puppe laufen Tränen übers Gesicht. Puppen seien schön, zeigten aber keine Regungen und ständen damit auch für das Erstarren der Opfer, hieß es.
Menschen für das Thema sensibilisieren
Rückert unterstrich die Bedeutung des Themas und betonte, dass in der Kreisvolkshochschule jeden Tag hunderte Besucher ein- und ausgingen und die Ausstellung so sicherlich viel Aufmerksamkeit erzeugen werde. „Die Arbeiten zeigen eindrucksvoll und emotional, was Bedrohung mit jungen Mädchen und Frauen macht“, machte er klar und forderte mehr Achtsamkeit von der Zivilgesellschaft.
Laut Silke Finkbeiner, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, werde verbale Belästigung oft tabuisiert und bagatellisiert. Es gelte, durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit die Menschen für das Thema zu sensibilisieren.
Nähere Informationen
Die Ausstellung
Die Ausstellung „Nein zu ‚Catcalling‘ und Gewalt gegen Frauen“ im Kreishaus kann noch bis 16. Februar besichtigt werden.
Die Aktion des Arbeitskreises
Die Aktion des Arbeitskreises „Sexuelle Gewalt“ dauert noch bis Ende Mai dieses Jahres. Sogenannte „Catcalls“ können über die regionale mailadresse :keinkomplimet@kreis-fds.de oder den Instagram-Account @catcalling_freudenstadt anonym gemeldet werden. Am 14. Juni, dem zweiten Aktionstag des Arbeitskreises, werden dann regional organisierte Aktionsgruppen diese Übergriffe „ankreiden“, indem sie diese mit Kreide an dem Ort sichtbar machen, an dem sie stattgefunden haben.