Zur offiziellen Einstellung der Ausstellung „Köpfe der Demokratie“ war der Ludwig-Schweizer-Saal im Stadthaus Freudenstadt komplett gefüllt.
Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die den Themenabend organisiert hatten, schafften stapelweise zusätzliche Stühle herbei, damit alle Besucher einen Sitzplatz hatten. „Damit hat der heutige Abend seinen Zweck eigentlich schon vor seinem Beginn erfüllt“, sagte Oberbürgermeister Adrian Sonder.
Für ihn passt die Ausstellung der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus in Stuttgart, die aktuell im Stadthaus gezeigt wird, „sehr gut in die Zeit und zu Freudenstadt“, so Sonder. Freudenstadt habe spätestens am 16. April 1945 erleben müssen, was es bedeuten könne, wenn nicht Frieden und Freiheit herrschten, sondern Krieg und Diktatur.
„Der Weg hin zu unserem Grundgesetz war weit und mühselig. Einigkeit und Recht und Freiheit sind nicht einfach so vom Himmel gefallen“, so der Oberbürgermeister. Dies gelte es sich vor Augen zu führen, wenn Kritik in Staat und dem politischen System geäußert werde.
„Selbstreflektion heute wichtiger denn je“
Sein Wunsch: „Heute sind viele Menschen nur sehr einseitig informiert, haben aber oft eine sehr schnelle und sehr klare Meinung zu allen Themen. Etwas Selbstreflektion und die Bereitschaft, anderen ernsthaft zuzuhören, mit ihnen zu sprechen und ihre Argumente zumindest nicht von vorne herein vom Tisch zu wischen, wären heute wichtiger denn je.“
Vordenker bezahlten hohen Preis
Viele Vordenker und -kämpfer hätten einen hohen persönlichen Preis bezahlt, um die „Herrschaft des Volkes“ zu errichten. „Demokratie ist nicht bequem und auch keine Kuschelveranstaltung. Es ist ein stetiges Ringen um Mehrheiten, Kompromisse und die richtige Balance“, so Sonder.
30 Männer und Frauen aus zwei Jahrhunderten
Moderator Daniel Frey vom Sprecher-Pool „Team Europe direct“ der Europäischen Kommission sagte, die Ausstellung zeige 30 Männer und Frauen aus zwei Jahrhunderten deutscher Geschichte, die „demokratisches Denken und Handeln gewagt“ hätten, als im Land noch Monarchie oder Diktatur herrschten. Im Laufe der deutschen Geschichte sei die Demokratie eher die Ausnahme als die Regel gewesen. „Vielen ist das nicht wirklich bewusst“, so Frey. Demokratie brauche Köpfe und Gesichter. Was ihn ermutige: Freudenstadt habe zuletzt ein europäisches Profil entwickelt, das nicht viele Städte vorweisen könnten.
Demokratie ist weder statisch noch gradlinig
Dass Demokratie weder statisch noch gradlinig ist, schilderte Jan Ruhkopf in seinem Vortrag. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung und Koordinator der Ausstellung. „Auch Demokratie ist nicht frei von Tadel. Das zeigt sich auch in den Biografien der Köpfe, die in dieser Ausstellung zu sehen sind. Es sind keine lupenreine durchgängige Heldengeschichten“, so der Historiker.
Franz-Josef Strauß habe erst als Soldat in der Wehrmacht gedient, ehe er überzeugter Anhänger der freiheitlich-demokratischen Grundordnung wurde. Auch als Staatsmann habe er gegen rechtsstaatliche Prinzipien verstoßen, etwa in der „Spiegel“-Affäre in seiner Zeit als Verteidigungsminister.
Die Ausstellung zeige vor allem Männer aus dem Bürgertum und der Arbeiterschaft, weil Frauen in Deutschland bis 1918 wenig Möglichkeiten hatten, sich politisch zu engagieren. Ausgewählt wurden für die Ausstellung Gesichter aus vielen Lagern, etwa Linke, Liberale und Konservative, aber auch Musiker. „Musik ist auch ein sehr politisches Instrument“, so Ruhkopf.
Die Ausstellung
Die Ausstellung „Köpfe der Demokratie. Starke Stimmen für ein Leben in Freiheit“ im Stadthaus ist noch bis Sonntag, 26. April, während der Öffnungszeiten des Heimat- und Museumsvereins zu sehen, dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.