Fließende Räume heißt die Ausstellung, die momentan in den Fürstlich Fürstenbergischen Sammlungen zu sehen ist. Dabei geht es um den Donauraum zwischen 1650 und 1800. Ergänzt wird die Wanderausstellung mit Exponaten des Fürstenhauses.
Man muss sich vorstellen: Im 17. Jahrhundert waren die Anrainerstaaten der Donau hinter dem Gebiet des Habsburger Reiches weitgehend unbekannt – doch gab es einen niederländischen Kartenmacher, der schon eine detaillierte Ausarbeitung anfertigte. Diese und viele andere Exponate sind zu sehen. Auch selten gezeigte Exponate aus dem Archiv des Hauses Fürstenberg.
Der ehemalige Freiburger Regierungspräsident Julian Würtenberger stellte die Ausstellung Oberbürgermeister Eric Pauly vor und so nahm es seinen Lauf. Kulturamtsleiterin Kerstin Rüllke suchte nach Räumen, wo die Ausstellung stattfinden konnte und wurde beim Fürstenhaus fündig, das sich zusammen mit der Stadt und vielen weiteren Sponsoren an den Kosten rund um die Schau beteiligt. Für die Ausstellung selbst musste nichts bezahlt werden.
Über 40 Karten
Seit 2017 war Fließende Räume in vielen Metropolen entlang der Donau zu sehen. Donaueschingen bildet nun außerplanmäßig den Abschluss. Die Macher der Ausstellung, das Generallandesarchiv in Karlsruhe und das Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen, zeigen zusammen mit den Fürstenberg-Exponaten über 40 verschiedene Karten des Donauraums und wie sich dieser verändert hat. So symbolisiert Fließende Räume auch fließende Grenzen durch die Jahrhunderte.
Historische Grenzen
Die genannte erste Karte des niederländischen Meisters stammt aus dem Jahr 1635. Zu dieser Zeit gehörte alles östlich des Habsburgerreich zum Osmanischen Reich und war somit relativ unbekannt. Es muss also schon ein große Leistung gewesen sein, diese Karte anzufertigen. Eine andere Karte stammt aus dem Jahr 1683, im Ursprung ein Kupferstich, wird diese Karte – wie auch andere – als hochwertiger Druck gezeigt. Und auf dieser ist die damalige Gemeinde, das eher als Dorf zu bezeichnende Donaueschingen als einzige Stadt in ihren Konturen abgebildet. Es sind Karten zu sehen, auf denen die historischen Grenzen von Ungarn und Kroatien zu finden sind, der Eiserne Vorhang wird thematisiert und natürlich die Donauquelle.
Eine bis jetzt wohl der Öffentlichkeit noch nie gezeigte Urkunde aus dem Jahr 1367 benennt ein Gewässer hinter der Burg Donaueschingen als Quelle für die Donau. Somit war Donaueschingen im mittelalterlichen Selbstverständnis die Quellstadt der Donau. 1538 entbrannte dann der Quellstreit.
Der Freiburger Gelehrte Heinrich Glarean vertrat die Meinung, dass der Ursprung eines Flusses die höchst gelegene Quelle sei. Er nannte die Donauquelle im Donaueschinger Schlosshof „vehementer suspectum“ (höchst verdächtig). Er plädierte für den Zusammenfluss von Brigach und Breg.
Ein St. Georgener Geistlicher sah um 1700 wieder die Brigach als Quelle. Anfang des 18. Jahrhunderts sah der Naturwissenschaftler Luigi Ferdinando Marsigli die Breg als Quelle. Der Streit schaukelte sich nach oben – und die Meinungen sind da bis heute höchst unterschiedlich – je nachdem, ob man einen Donaueschinger oder Furtwanger befragt.
Sprung in die Donauquelle
Legendär war der Sprung in die Donauquelle. Gäste des damals noch gräflichen Hauses Fürstenberg scharten sich um den Quelltopf, die Herren leerten ein Glas Wein und sprangen anschließend in die kalte Flut der Donauquelle – als Lohn durften sie sich im Gästebuch des Grafen eintragen. Dieses befindet sich ebenfalls in der Ausstellung, aufgeschlagen an den Einträgen zweier illustrer Gäste von einst.
Der Bestseller des 17. Jahrhunderts wird ebenfalls genannt, Sigmund von Birken schrieb das Buch „Donau-Strand“.
Es wurde mehrfach neu aufgelegt und beinhaltet jedoch einen Fehler, wie Fürstenberg-Archivar Jörg Martin verrät: Der beauftragte Hüfinger Künstler Martin Menrad ließ die Donau in den einstigen Weiher beim Flugplatz/Weiherhof münden und weit unterhalb des Zusammenflusses erst in die Donau. Warum – das weiß keiner. So ergänzen viele weitere Ausstellungstücke die Schau Fließende Räume.
Veranstaltungen der Ausstellung
Freitag, 10. Mai
der Fluss – eine literarische Erkundungsreise mit Olivia Spiridon, 19.30 Uhr, FF-Sammlungen. Eine Beitrag des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde, Tübingen.
Dienstag, 14. Mai
Bis ins Meer, Dokumentarfilm, Thomas Fath durchschwimmt die Donau, um auf die Verschmutzung mit Mikroplastik aufmerksam zu machen, 20 Uhr, Kommunales Kino Guckloch, An der Donauhalle 5. Thomas Fath wird selbst zu Gast sein.
Sonntag, 19. Mai
Internationaler Museumstag, kostenloser Eintritt, 14.30 Uhr Führung durch die Sonderausstellung, ohne Anmeldung.
Sonntag, 25. Mai
Die Mutter Baar. Was sie uns zu erzählen hat! 15 Uhr, Familienführung mit Martina Wiemer, Treffpunkt Donauquelle
Sonntag, 26. Mai
Finissage, 16 Uhr, Führung und Gespräch mit Reinhard Johler, Leiter des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde sowie Wolfgang Zimmermann, Leiter des Generallandesarchivs Karlsruhe