Handorglerin Edith Maier hat in der Ortsverwaltung Rötenberg wieder eine sehenswerte Ausstellung aufgebaut. Foto: Herzog

In den Eingangsbereich der Rötenberger Ortsverwaltung ist mit der Ausstellung „Plätzchenbacken zu Großmutters Zeiten“ vorweihnachtliche Stimmung eingekehrt.

Ausstellungsmacherin Edith Maier hat dazu erneut mit viel Engagement und Liebe zum Detail eine Ausstellung aufgebaut, die sich sehen lässt. Der Besucher hat praktisch die Qual der Wahl, wohin er zuerst seinen Fokus richten soll, so viele interessante kleine und große Schätze gibt es auf ein paar Quadratmetern Fläche zu entdecken.

 

In der Ausstellungsvitrine sind Adventskalender von früher und teilweise über 100 Jahre alte Christbaumkugeln in verschiedenen Farben ausgestellt. Im Foyer laden Lebkuchen mit aufgeklebten Papiermotiven zum Naschen ein.

Waage mit Bleigewichten

Auf einem Holzschrank sind in einem Kuchenblech verschiedene Holzmodelle für die Herstellung von Springerle aufgereiht, daneben Zutaten wie Nüsse, Zimt, Zucker, Hirschhornsalz und Eier in Tonschüsseln, die auf einer antiken Küchenwaage mit Bleigewichten auf die erforderliche Menge abgewogen werden können. Das Wellholz zum Teigausrollen fehlt ebenso wenig wie die Schürze.

Als Exponate der Ausstellung finden sich Plätzchen, Lebkuchen und ein Wellholz Foto: Herzog

An die eigene beschauliche Kindheit erinnern alte Kinderbücher, Spielsachen aus Holz, Puppen und ein Holzschlitten.

Weihnachten war früher in Zeiten von Armut und Not, , der Höhepunkt des Jahres“, erzählt Edith Maier. Besonders die Kinder erwarteten das Fest ungeduldig und mit großer Vorfreude. Fast in jeder Familie wurde ein Christbaum (Fichte) aufgestellt, geschmückt mit roten Äpfeln und Nüssen. Die Kinder freuten sich über kleine Geschenke des Christkinds von Strümpfen, Handschuhe, selber gemachte Puppen oder einen Holzbaukasten. Das Beste von allem aber waren die „Bretle“.

Ab dem Mittelalter wurden in nahezu jedem Haus für Weihnachten Lebkuchen und Springerle gebacken. Da gab es auch noch den Beruf des Lebküchners. Lebkuchen seien zuerst in den Klöstern gebacken worden, später habe sich die Lebkuchenherstellung vorrangig in die Städte Nürnberg, Augsburg und Ulm verbreitet, recherchierte Maier. Springerle erhielten ihren Namen vom „Aufspringen“ (aufgehen) beim Backen.

Zutaten in Kriegszeiten

„In Rötenberg wurden früher die Bretle erst kurz vor Weihnachten gebacken, weil sie sonst bis zu Heilig Abend heimlich weggenascht wurden“, erinnert sich Maier mit einem Schmunzeln. Das Backpulver sei zu dieser Zeit noch nicht erfunden gewesen, weshalb Pottasche oder Hirschhornsalzverwendet worden sei.

Ausstecherle seien im vergangenen Jahrhundert aufgekommen. Während der Kriegszeit seien sie aus Schwarzmehl, Schmalz und braunem Zucker hergestellt worden. Ganz besonders sei das Hutzelbrot. Am Christtag, wenn die Patentanten und Patenonkel zu Besuch gekommen seien, habe es zu Hutzelbrot mit Butter, Lebkuchen und Springerle Zichorienkaffee oder Tee gegeben. „Und für die Männer einen Schnaps“, fügt die Ausstellungsleiterin augenzwinkernd hinzu.

Die Ausstellung in der Ortsverwaltung Rötenberg kann zu den üblichen Öffnungszeiten bis 7. Januar besichtigt werden.