Eine Wanderausstellung in Altensteig gibt Einblicke in die Kaffeeproduktion des ärmsten Landes der Welt. Doch inwiefern kann hier von „fairem“ Kaffee die Rede sein?
Das ärmste Land der Welt ist Burundi. Politische Instabilität, der Klimawandel und eine schwache Wirtschaft in Kombination mit starkem Bevölkerungswachstum sind nur einige der Herausforderungen, denen sich das Land stellen muss.
Auch die Tafeln der Wanderausstellung „Fairer Kaffee wirkt!“ in Altensteig greifen diese Themen auf. Denn das ostafrikanische Land gehört seit mehr als zehn Jahren zu den Partnerländern von Baden-Württemberg.
„Kaffee ist das wichtigste Exportprodukt im extrem armen Land Burundi“, erklärt Angelika Borrmann, die an der Organisation der Wanderausstellung beteiligt war. Um dieses Gut zu fördern, wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Kaffeeplantagen angelegt, auf denen Kunstdünger und Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt werden.
Klima erschwert die Kaffeeproduktion in Burundi
Doch das Klima bleibt ein entscheidender Faktor: Trotz Düngung und Schädlingsbekämpfung führen Winderosionen dazu, dass die Fruchtbarkeit des Bodens stark abnimmt und schließlich ganz verloren gehen kann.
„Die Kaffeepflanze verträgt nur geringe Temperaturschwankungen“, erläutert Borrmann. „Zu viel Hitze führt zur Austrocknung, zu viel Regen lässt die Pflanzen verfaulen“ – eine ernsthafte Bedrohung für die Kleinbauern des Landes.
Selbst wenn diese klimatischen Probleme gelöst wären, stünde Burundi vor weiteren großen Herausforderungen. Das Land umfasst eine Fläche von knapp 28 000 km² – zum Vergleich: Baden-Württemberg ist mit rund 36 000 km² deutlich größer.
Burundische Familien können vom Kaffeeanbau kaum überleben
Im Durchschnitt besitzt jede burundische Familie etwa 0,5 Hektar landwirtschaftlich nutzbare Fläche – das entspricht ungefähr der Größe eines halben Fußballfeldes. Diese Fläche ist zu klein, um neben Kaffee auch Lebensmittel zur existenziellen Eigenversorgung anzubauen.
„Was dabei noch gar nicht bedacht ist: Die Flächen, die für den Kaffeeanbau genutzt werden, stehen der ohnehin armen Bevölkerung nicht für die eigene Ernährung zur Verfügung“, betont Borrmann. Wie also kann man bei einem Land, das sich selbst kaum ausreichend versorgen kann, von einem „fairen“ Kaffee-Export sprechen?
Die Organisation Weltpartner hat gemeinsam mit der Hochschule Rottenburg, unterstützt vom Land Baden-Württemberg, im Rahmen eines Projekts den sogenannten Agroforst-Anbau in Burundi etabliert. Dadurch konnte das Land erstmals eigenen Bio-Kaffee unter fairen Bedingungen produzieren. Laut Weltpartner profitieren inzwischen mindestens 11 000 burundische Familien von diesen Anbaumethode.
Der Vorteil: Kaffee wird nur auf einem Teil der Fläche angebaut, während der andere Teil der Eigenversorgung mit Lebensmitteln dient – ein Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und Ernährungssicherheit. Kaffee aus Burundi wird ebenfalls am Weltstand des Wochenmarktes in Altensteig verkauft.
Kinderarbeit, fehlende Rechte und Gesundheitsversorgung – die Bevölkerung des ärmsten Landes der Welt hat mit vielen Problemen zu kämpfen. Um die Lebensverhältnisse die gesamte Bevölkerung Burundis zu verbessern, ist es jedoch noch ein weiter Weg. Die Wanderausstellung wird von der Stiftung Entwicklung und Zusammenarbeit Baden-Württemberg – kurz SEZ – „Fairer Kaffee wirkt!“ unterstützt und ist noch bis zum Freitag, 14. November, im Foyer des Rathauses in Altensteig zu sehen.
Wanderausstellung zu „fairem Kaffee“
Wanderausstellung
Die „Interkulturelle und Faire Woche Altensteig“ feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Vor diesem Hintergrund steht auch die Wanderausstellung zum fairen Kaffee der Öffentlichkeit im Foyer des Altensteiger Rathauses zur Verfügung, unterstützt von der Organisation Weltpartner. Die Ausstellung ist bis zum 14. November im Rathausfoyer zu sehen. Sie informiert über die Herausforderungen, mit denen das Land zu kämpfen hat, und beleuchtet dabei insbesondere das Thema Agrarwirtschaft.