Sie stehen ein für den Klimaschutz: der Fachjournalist Bernward Janzing (von links), Armin Schott, Vize-Vorsitzender des Trägervereins Umweltzentrum, Petra Neubauer, die städtische Klimamanagerin, Angie-Diane Manton vom Umweltzentrum und Bürgermeister Detlev Bührer. Foto: Jochen Schwillo

Dem Klimawandel ein Gesicht geben will die Ausstellung „Wir alle sind Zeugen – Menschen im Klimawandel“, die im Umweltzentrum auf der Schwenninger Möglingshöhe zu sehen ist.

Konzipiert wurde sie von der Stadt Villingen-Schwenningen, seit 30 Jahren Mitglied im Klimabündnis, gemeinsam mit dem BUND Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg und dem Umweltzentrum Schwarzwald-Baar-Neckar.

 

Die Wanderausstellung, die bis 31. März zu sehen ist, umfasst rund 30 Rollups und zeigt Menschen aus Afrika, Südamerika, Asien und Europa, die bereits heute von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. Ergänzt werden die Porträts durch Hintergrundinformationen und länderspezifische Daten. Insgesamt werden Beispiele aus 15 Ländern vorgestellt, verbunden mit vielen Informationen zu Klima, Anpassung und Klimagerechtigkeit.

Bei der Eröffnung betonte Armin Schott, Vize-Vorsitzender des Trägervereins Umweltzentrum, die Bedeutung lokaler Bildungsarbeit. Er freue sich, dass das Umweltzentrum regelmäßig Ausstellungen zeigen könne, die globale Zusammenhänge verständlich auf die regionale Ebene übertragen. Schott erinnerte an die jetzt jährliche Unterstützung durch Toto-Lotto-Mittel des Landes.

Der Klimawandel werde noch immer häufig als fernes Problem wahrgenommen, sagte er. Viele Menschen verbänden die Folgen mit Dürren, Überschwemmungen oder Ernteausfällen in anderen Teilen der Welt. Doch die Realität sei längst eine andere. Die Auswirkungen betreffen uns alle, hier vor Ort, in unserer eigenen Nachbarschaft. Die Ausstellung mache sichtbar, dass Klimawandel nicht nur wissenschaftliche Daten, sondern auch persönliche Geschichten und konkrete Erfahrungen umfasst.

In Region angekommen

Bürgermeister Detlev Bührer machte deutlich, dass die Erderwärmung längst in der Region angekommen sei. Er verwies auf zunehmende Hitzebelastung, Herausforderungen in Pflegeeinrichtungen, Trockenstress in den Wäldern, sinkende Quellschüttungen und eine wachsende Zahl von Starkregenereignissen. Viele Menschen verbinden den Klimawandel noch immer mit schmelzenden Gletschern oder Dürren in fernen Regionen, sagte Bührer. Das Hochwasser in Mühlhausen 2024 habe jedoch gezeigt, dass Extremwetter nicht nur im Fernsehen stattfindet, sondern mitten in unserer Nachbarschaft.

Die Stadt habe früh eine eigene Klimaschutzstrategie entwickelt. „Unser Ziel ist es, Klimaschutz vor Ort konkret, wirksam und dauerhaft umzusetzen“, so Bührer. Der kommunale Dreiklang lautet: Treibhausgase vermeiden, Emissionen minimieren und Senken schaffen. Zu den zentralen Handlungsfeldern zählen Energieeinsparung, Effizienzsteigerung und nachhaltige Mobilität. Die städtische Fahrzeugflotte werde schrittweise elektrifiziert, soweit es die Technik zulässt.

Ein weiterer Schwerpunkt sei die Schaffung von CO2-Senken. Jede vermeidbare Tonne CO2 sei der wirksamste Beitrag zum Klimaschutz, betonte Bührer. Mit dem Kugelmoos und dem Salinenmoos renaturiert die Stadt zwei große Moorflächen, gefördert vom Land Baden-Württemberg und wissenschaftlich begleitet. Auch der 6000 Hektar große Stadtwald spielt als Kohlenstoffspeicher eine wichtige Rolle. Holzbau wird bei städtischen Gebäuden zunehmend eingesetzt.

Wie das Wetter sich verändert

Der Umweltjournalist Bernward Janzing aus Furtwangen präsentierte die Ergebnisse aus fast fünf Jahrzehnten eigener Wetterbeobachtung. Seit seinem 14. Lebensjahr betreibt er eine private Wetterstation, deren Standort und Messverfahren über die gesamte Zeit unverändert geblieben sind – ein in Deutschland seltenes Kontinuum, das hoch belastbare Klimadaten ermöglicht.

Im Mittelpunkt seines Vortrags standen die deutlichen Veränderungen des lokalen Klimas. Besonders auffällig ist der Rückgang der Frost- und Schneetage. In den frühen 1980er-Jahren gab es Winter mit über 120 Tagen und mehr als 30 Zentimetern Schneehöhe. Heute werden solche Werte kaum noch erreicht. Der letzte Schneefall tritt im Schnitt sieben Tage früher pro Jahrzehnt auf, die Schneesaison verkürzt sich stetig.

Auch die Temperaturentwicklung zeigt klare Trends. Nächte erwärmen sich deutlich stärker als Tage, strenger Frost ist selten geworden. Die Zahl der Nächte unter minus zehn Grad Celsius ist massiv zurückgegangen, während warme Nächte zunehmen und die Hitzebelastung erhöhen.

Die Jahresmitteltemperatur steigt hochsignifikant und deckt sich eng mit bundesweiten Klimadaten. Bei der Sonneneinstrahlung registriert Janzing eine leichte, aber stabile Zunahme, ein Trend, der sich auch in höheren Erträgen von Solaranlagen widerspiegelt. Die Vegetationsperiode verlängert sich um rund acht Tage pro Jahrzehnt, was Landwirtschaft und Forstwirtschaft vor neue Herausforderungen stellt.