Die Bähnle-Modellbahn dreht ab dem kommenden Wochenende ihre Runden im Stadtmuseum. Sie ist in den 1970er-Jahren im Maßstab 1:32 geschaffen worden.
„S´Bähnle kummt!“: Von 1894 bis 1952 konnte man diesen Satz oft in Lahrs Straßen hören. Die Schmalspurbahn – umgangssprachlich auch „Bähnle“, „Bähnli“ oder „Entenköpfer“ genannt – führte vom Dinglinger Bahnhof, dem heutigen Bahnhof Lahr, mitten durch die Stadt bis nach Seelbach. Mit der Sonderausstellung „S´Bähnle kummt. Lahrer Bahngeschichten im Modellbau plus Herr Flaiths Dioramen“ lässt das Stadtmuseum diese Zeit aufleben.
Den Auftakt macht die feierliche Vernissage am kommenden Samstag, 29. November, ab 14 Uhr. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung per E-Mail an museum@lahr.de wird gebeten.
Bahn wurde seit der letzten Ausstellung erweitert
Eine engagierte Gruppe von Modellbauern hat das Bähnle im Maßstab 1:32 nachgebaut. So entstanden seit den 1970er Jahren detailgetreue Lokomotiven, Wagen, Bahnhöfe, Wohn- und Geschäftsgebäude, Straßen und Plätze sowie zahlreiche Szenerien. 30 Meter Schienen wurden laut städtischer Mitteilung auf einer Fläche von 7,20 Meter Länge und 2,50 Meter Breite verlegt. Die Modellbauer Werner Friedemann, der im Juli verstorbene Rolf Ilzhöfer, Otto Krämer und Ralf Schrempp kümmern sich teils seit Jahrzehnten ehrenamtlich um den Erhalt und Ausbau der Modellbahn.
Die Bahn wurde seit der letzten Ausstellung 2018 um weitere Gebäude und Szenerien ergänzt. Außerdem wurden Knopfdrücker und Schalter, mit denen die Besucher einige Aktionen auf der Bahn steuern können, angebracht. Ein weiteres Highlight ist laut städtischer Mitteilung der Nachbau des alten Lahrer Stadtbahnhofs inklusive des Vorplatzes und Löwen-Denkmals mit Hilfe von 3D-Druck. Noch ist dieser im Aufbau begriffen, kann aber schon im Foyer des Stadtmuseum besichtigt werden. Außerdem wird es an jedem Ausstellungstag Vorführungen des Bähnle geben. Das Team der Modellbauer wird von Matthias Kleeb und Ulrich Miedler unterstützt.
Experte berichtet von einer bewegten Geschichte
Flankiert wird die Modellbahn von den historischen Dioramen Werner Flaiths aus Heiligenzell. Er hat Werkstätten, Küchen, einen Tante-Emma-Laden, eine Mühle und weitere Szenerien im Miniaturformat und mit viel Liebe zum Detail auferstehen lassen, heißt es in der Mitteilung. Flaiths Dioramen sind zum ersten Mal in Lahr zu sehen.
Am Donnerstag, 4. Dezember, ab 18.30 Uhr lädt das Stadtmuseum zum Vortrag mit Martin Frenk ein. Unter dem Titel „Das Lahrer Bähnle – Von der Lahrer Straßenbahn zur Mittelbadischen Eisenbahngesellschaft“ nimmt der Referent die Gäste laut Einladung mit auf eine Reise durch die bewegte Geschichte des beliebten Bähnle – eines Verkehrsmittels, das in Lahr das Leben über Jahrzehnte prägte. Mit der Einführung der Eisenbahn im 19. Jahrhundert veränderte sich die Mobilität in und um Lahr grundlegend. Da die Rheintalbahn zunächst nicht in der Lahrer Kernstadt, sondern in Dinglingen Halt machte, entstand in Lahr der Wunsch nach einer eigenen Anbindung. Die Antwort war das „Lahrer Bähnle“, das ab 1894 als Schmalspurbahn durch die Stadt fuhr und Lahr mit den umliegenden Dörfern und dem Schuttertal verband.
Das Bähnle war weit mehr als ein Transportmittel: Es brachte Menschen, Waren und Alltag zusammen. Wer in den Dörfern lebte, fand in Lahr Arztpraxen, Apotheken, weiterführende Schulen und Arbeitsplätze. Umgekehrt kamen landwirtschaftliche Produkte und Arbeitskräfte in die Stadt – ein lebendiger Austausch, der ohne das Bähnle kaum denkbar gewesen wäre. Auch zahlreiche Lahrer Fabriken profitierten erheblich und richteten eigene Güteranschlüsse ein.
Der Vortrag findet im Foyer der Tonofenfabrik statt. Die Teilnahme kostet vier Euro. Eine Anmeldung ist per E-Mail an museumsinfo@lahr.de oder mittwochs bis sonntags auch unter Telefon 07821/9 10 04 15 möglich.
Die Ausstellung
Die Ausstellung läuft bis einschließlich Sonntag, 4. Januar. Sie ist von Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet – außer am 24., 25. und 31. Dezember sowie am 1. Januar. Vorführungen des Bähnle finden während der Öffnungszeiten täglich von 14 bis 17 Uhr statt. Der Museumseintritt beträgt vier Euro, für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist der Besuch kostenfrei.