In der Rathaus Galerie Balingen eröffnen die Werke von Thomas Heger einen spannenden Dialog über Wahrheit, Täuschung und die Kraft der Perspektive.
„Kunst ist eine Lüge, die uns die Wahrheit begreifen lässt“, zitiert die Kuratorin Heidrun Bucher-Schlichtenberger Pablo Picasso zur Eröffnung der Ausstellung „Blickwechsel“ in der Rathaus-Galerie.
Bei den Werken des Künstlers Thomas Heger kommt es auf die Perspektive an. „Ich will, dass der Betrachter beim Schauen in Bewegung kommt“, erzählt der 1961 in Giengen an der Brenz geborene Künstler. Dafür nutzt er nicht nur Details, die nur aus der Nähe beziehungsweise aus der Ferne zu erkennen sind.
Schon mit der Benennung seiner Arbeiten will er den Betrachter in eine andere Richtung führen. Nichts ist, wie es scheint. Er bringe scheinbar Unvereinbares zusammen, so die Kuratorin.
Abel freut sich, Künstler vor Ort zuhaben
Oberbürgermeister Dirk Abel dankte in seiner Begrüßungsrede der „Lokalmatadorin“ Bucher-Schlichtenberger und dem anwesenden Geschäftsführer der Stadthalle Balingen, Matthias Klein. Es sei immer toll, wenn man die Künstler vor Ort haben dürfe, sagte Abel. Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung vom Oboenensemble der Jugendmusikschule Balingen.
Die Gegensätze und ihre Grenzbereiche interessieren Heger besonders – Realismus und Abstraktion, Täuschung und Wahrnehmung oder einfach Ordnung im Chaos. Hegers Kunst eröffnet einen philosophischen Kontext, in dem grundsätzliche Fragen gestellt werden: Was ist Wahrheit? Was ist Realität?
Verschiedene Materialien und Formate
Dafür nutzt er auch verschiedene Materialien. Thomas Heger malt klassisch auf Leinwand, experimentiert jedoch immer wieder – etwa mit Wellpappe als Bildträger. In früheren Ausstellungen präsentierte er zudem in Seife geschnitzte Miniatur-Skulpturen.
Auch das Format setzt er sehr unterschiedlich ein – mal herkömmlich, mal extrem gestreckt. Ebenso ist das Rundformat Tondo, vom italienischen „rotondo“ für „rund“, seit Langem immer wieder ein Thema für ihn.
Jeder darf seine eigene Interpretation
Die Bilder seien Denkanstöße, der Betrachter müsse sich seine eigenen Vorstellungen machen, erklärt Heger. Jeder bringe seine eigene Welt mit, und seine Werke seien eine „Behauptung der Realität“. Daher dürfe jeder seine eigenen Interpretationen finden.
Inspiration findet er teils auch in den Materialien. Dadurch, dass er für ein Leinwandbild eine längere Planung benötige, seien diese Arbeiten „geordneter“. Bei der Wellpappe habe der Zufall mehr Platz, und er nutze bewusst deren Struktur, um Wellen darzustellen.
Inspiriert von Schwimmern im Rhein
Zu den großen und kleinen Schwimmern, die sich in seinen Werken tummeln, inspirierte ihn seine Zeit in Basel. „Aus meinem Fenster sah ich Menschen, die im Rhein schwammen“, erzählt er. Die Körper mit den klein wirkenden Köpfen trieben zwischen den großen Schiffen den Fluss hinunter – wieder eine Ambivalenz die ihn faszinierte.
Für sein Wirken hat er viele Stipendien und Preise erhalten. Seine Kunstwerke werden unter anderem in der Staatsgalerie Stuttgart oder dem Ulmer Museum gezeigt. Außerdem war er als Dozent an der Kunstschule in Stuttgart und als Professor in Halle tätig.
Die Ausstellung, für die sich der Künstler selbst beworben hat, ist bis 17. Januar kommenden Jahres im Rathaus zu sehen. Heger wünscht den Besuchern vor allem Offenheit und viele Überraschungsmomente.