Landrat Klaus Michael Rückert (rechts) begrüßte bei der Ausstellungseröffnung im Kreishaus (von links) KVHS-Direktor Sascha Falk, Natja Stockhause und Simone Kollberg vom Verein 46PLUS Down-Syndrom Stuttgart sowie Martina Schubert vom Landratsamt Freudenstadt. Foto: Keck

Lebensfreude und Fröhlichkeit strahlen die Fotos aus, die zurzeit im Kreishaus in Freudenstadt zu sehen sind. Jedes der Bilder erzählt eine besondere Geschichte.

Freudenstadt - Vorurteile gab es keine, dafür aber viel Verständnis und Begeisterung bei den Treffen von Kindern mit Down-Syndrom und Spitzenköchen. Daraus ist das Buch "#46pluskocht – voll lecker" entstanden, herausgegeben vom Stuttgarter Verein "46Plus Down-Syndrom". 15 großformatige Farbaufnahmen von Fotografin Conny Wenk im Zusammenhang mit dem aufwendigen Projekt zieren derzeit die Wände im Foyer des Kreishauses.

Die Exponate und die zahlreichen Bilder des Buchs versprühen Lebensfreude und Spaß, den die Kinder im Umgang mit den Experten hatten. Es ist ein gewichtiges Werk, inhaltlich wie in seinen Ausmaßen, in das sich 19 Prominente von Vincent Klink über Léa Linster und Alfons Schubeck bis Bernd Siefert mit ihrer Kunst eingebracht haben unter reger Beteiligung der begeisterungsfähigen jungen "Assistenten".

"#46pluskocht – voll lecker" ist Bilderbuch und Rezeptsammlung zugleich vom einfacheren Back- und Kochvorschlag für den Alltagsgebrauch bis zur anspruchsvolleren Speise für besondere Anlässe. Interviews mit den Größen am Herd lüften so manches Geheimnis ihrer Küchenkunst.

Vernissage nur inkleinem Kreis

Bei der Vernissage, die coronabedingt nur im kleinem Kreis und mit den üblichen Schutzvorrkehrungen über die Bühne ging, dankte Landrat Klaus Michael Rückert zunächst Martina Schubert vom Veterinär- und Verbraucherschutzamt beim Landratsamt, die ihre Beziehungen zum Verein hatte spielen lassen und damit die Ausstellung initiierte. Kreisvolkshochschuldirektor Sascha Falk zeichnete für die perfekte Präsentation der Fotos verantwortlich. Von der Spitze des Vereins "46Plus Down-Syndrom Stuttgart" hatten sich Simone Kollberg und Natja Stockhause auf den Weg nach Freudenstadt gemacht.

Das Kreishaus, so Rückert, biete wegen der Besucherströme ein gutes Forum für die visuelle Darbietung des Vereinsanliegens. Passanten werde die Begegnung mit jungen behinderten Menschen, die voller Optimismus aus den Fotos strahlten, eindrucksvoll ermöglicht. Behinderte hätten einen ganz normalen Anspruch auf einen Platz in der Gesellschaft. Von Amts wegen ist der Landkreis mit der Thematik befasst, so auch über das Jugend- und das Sozialamt und die Schwarzwaldwerkstatt Dornstetten im Verbund mit den Lebenshilfen Freudenstadt und Horb-Sulz.

Von der Ausstellung erhofft sich der Kreischef eine Stärkung des Prinzips Teilhabe. Eltern von Kindern mit Down-Syndrom biete der Verein eine Anlaufstelle für Beratung und Hilfe. Seine eigene Erfahrung mit Menschen mit Behinderungen hätten ihm gezeigt, dass der Umgang mit Betroffenen deren geradezu verblüffendes Selbstbewusstsein offenbart habe. Es gebe keinerlei Grund für Ressentiments und Hemmungen ihnen gegenüber.

Verein willVorurteile abbauen

Simone Kollberg und Natja Stockhause, selbst Mütter von Kindern mit dem Down-Syndrom, stellten mit großem Einsatz Inhalte und Ziele ihres Vereins dar. 2003 wurde er gegründet, um über das Syndrom zu informieren und bestehende Vorurteile abzubauen. Die Initiative legt Wert auf die Feststellung, dass das Down-Syndrom keine Krankheit, sondern eine Genveränderung ist. Familienarbeit mit Beratung und Themenabenden ist ein wichtiger Stützpfeiler. Vielfältige Aktionen mit Spielgruppen, Vereinsfesten, Ausflügen und einer regelmäßigen Sportgruppe für alle Altersgruppen schaffen Zusammenhalt und sichern wichtige Kontakte. Kinder mit Down-Syndrom sollen aktiv und selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

Der Verein sei ziemlich schnell gewachsen, stellte Simone Kollberg fest. Die Aktivitäten mündeten in die Überzeugung: "Wir machen’s, und es könnte gut werden." So erwiesen sich die beiden Fotokalender von 2007 und 2013 als absolute Renner. Das "Projekt Kaffee-Mobil" sei ein weiterer Baustein für eine effektive Öffentlichkeitsarbeit. Die ausgestellten Fotos, so die beiden Vorstandsfrauen, erzählten jedes für sich eine besondere Geschichte.

Die Ausstellung ist geöffnet bis zum 30. September zu den üblichen Besuchs- beziehungsweise Geschäftszeiten. Es gelten die derzeitigen Hygiene-Vorgaben mit Abstand und Gesichtsmaske. Verbindungen zum Verein sind beispielsweise möglich über die Homepage www.46plus.de und per E-Mail an kontakt @46plus.de. Die Postadresse lautet: 46PLUS Down-Syndrom Stuttgart e.V., Goslarer Straße 15, 704 99 Stuttgart.

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