Packen Schätze zum Jubiläum der Altertümersammlung im Villinger Franziskanermuseum aus (von links): die wissenschaftliche Volontärin Michelle Ziegler, die der Herkunft einer Ösenlanzenspitze auf die Spur geht, die Leiterin Anita Auer, die von den alten Karteikarten fasziniert ist, und der wissenschaftliche Mitarbeiter Peter Graßmann mit einer Götzenfigur aus Indien. Foto: Martina Zieglwalner

Die Altertümersammlung des Villinger Franziskanermuseums feiert den 150. Geburtstag. Ein Höhepunkt zum Jubiläum ist die Ausstellung „Ausgepackt! Schätze aus der Sammlung“.

Einen Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft spannt das Franziskanermuseum zum 150. Geburtstag und feiert das ganze Jahr über. Ganz dem Anlass entsprechend, heißt die Sonderausstellung „Ausgepackt! Schätze aus der Sammlung“. Das Team um Museumsleiterin Anita Auer holt nicht nur Überraschungen aus dem Depot, sondern packt auch Geschichten und Neuigkeiten aus.

 

Den Grundstein für das heutige Museum legte die zunächst im alten Rathaus untergebrachte und im August 1876 eingeweihte Altertümersammlung der Stadt, erzählt Anita Auer. Der Gründer Ferdinand Förderer, ein Verleger und Gemeinderat, hatte die Objekte mit Unterstützung des Uhrmachers und Stadtdieners Fidel Hirt zusammengetragen und katalogisiert.

Die ersten 400 Objekte seien bis zur Industrieausstellung 1876 zusammengekommen und auf Interesse gestoßen. Mit dem Aufkommen des Fremdenverkehrs habe das Museum zur Unterhaltung der Gäste beitragen wollen.

Eine wahre Fundgrube sei das Altertümer-Repetitorium, in dem Förderer Geschichten und Sagen rund um die Exponate, deren Herkunft und die ursprünglichen Besitzer festgehalten habe, erklärt der wissenschaftliche Mitarbeiter Peter Graßmann. So kommen in der Ausstellung neben sonst im Depot lagernden Raritäten auch Überlieferungen aus längst vergangenen Zeiten ans Tageslicht. Und die Ausstellung ermögliche es, die Exponate mit modernen Methoden zu betrachten und neue Erkenntnisse zu gewinnen, betont Anita Auer.

Geheimnissen auf der Spur

Ein Beispiel ist eine Ösenlanzenspitze, mit der sich die wissenschaftliche Volontärin Michelle Ziegler jetzt befasst hat. Als Archäologin ging sie der Spur nach, wie eine für die britischen Inseln typische Lanzenspitze mit Ösen aus der Zeit um 1200 vor Christus den Weg in die Region fand und ließ die Bronze-Zinn-Legierung genauer untersuchen, um die Herkunft zu entschlüsseln.

Aus Indien stammt eine kleine Messingfigur, die der Weinhändler und Gemeinderat Rudolf Kienzler zur Sammlung beisteuerte und die Graßmann auch unter dem Aspekt fasziniert, was einen Schatz ausmacht. Zeuge dieses indische Götzenbild, das ein Missionar nach Villingen schickte, doch von der Kolonialgeschichte und der Anbindung an die weite Welt. Das Museum verfüge über eine ganze Reihe solcher fremdartiger Figuren, die häufig über Auswanderer in den Schwarzwald und dann in die Sammlung kamen.

Das sei ein Beweis, wie sehr das Museum von Beginn an im Bewusstsein der Bürger verankert gewesen sei, stellt Graßmann fest. Einem Aufruf von Förderer folgend, hätten sie ihre Schaustücke gestiftet – die Sammlung als gemeinsames Projekt von der Stadt und den Einwohnern angesehen, ob Fabrikanten, Handwerker oder der Bürgermeister.

Panorama der Geschichte

Wem die Ausstellungsstücke ursprünglich gehörten, das lässt sich bis heute durch akribisch geführte Karteikarten nachweisen – für Anita Auer zählt der Kasten zu den Kostbarkeiten, der zeigt, mit welcher Systematik lange Jahre das Inventar dokumentiert war.

„Das Auspacken bringt viele Geschichten zutage“, unterstreicht Anita Auer, die Ausstellung verrate Neuigkeiten über die Sammlung, die Arbeit im Museum und die Objekte. Und die finden sich in einem Katalog zur Sonderausstellung wieder: Er bildet die Objekte ab, deckt aber auch ihre Geheimnisse auf und gibt einen Einblick in wissenschaftliche Entwicklungen. „Ein buntes Panorama der Geschichte des Franziskanermuseums“, verspricht dessen Leiterin.

Die das ganze Jahr über andauernden Geburtstagsparty zeige auf vielfältige Weise, was das Museum über all die Jahrzehnte erreicht hat, was es heute leistet und in Zukunft schaffen kann. Ein gemeinsamer Erinnerungsort, den seit den Anfängen bis heute auch die Bürger tragen, verdeutlicht Graßmann. So sind im Jubiläumsjahr auch deren Wünsche für die Zukunft gefragt.

Die Termine

Sonderausstellungen
Der Fastnachtsumzug mit den Jaag-Figuren unter dem Motto „Hei, des isch e herrliche Pracht“ ist noch bis Sonntag, 22. Februar, im Franziskanermuseum in Villingen zu sehen. „Ausgepackt! Schätze aus der Sammlung“ heißt es bei der Jubiläumsausstellung zum 150. Geburtstag des Museums von Samstag, 25. April, bis Sonntag, 20. September. Die Vernissage ist am Freitag, 24. April, ab 18 Uhr.

Aktionstage
Die Kultur der Kelten erwacht am Sonntag, 19. April, von 13 bis 17 Uhr beim Keltentag im Franziskaner wieder zu Leben. Ein keltisches Lagerleben, Handwerksvorführungen und Mitmachangebote für die ganze Familie warten auf die Besucher. Zudem ist parallel verkaufsoffener Sonntag, ebenso wie beim Museumsfest in Kooperation mit dem Freundeskreis Städtischer Museen in Villingen-Schwenningen und dem Gewerbeverband Oberzentrum (GVO) am Sonntag, 18. Oktober, von 13 bis 18 Uhr.