Besonderer Blickfang: die französische Kommandantur in origineller Nachbildung. Foto: B. Schwarz

Eine sehenswerte Ausstellung wurde im Dornstetter Heimatmuseum zur Spielsaison des historischen Freilichttheaters eröffnet. Wie auch das Theaterstück beschäftigt sie sich mit dem Kriegsende und der Besatzungszeit in Dornstetten.

 
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Die Ausstellung „Zeitgeschehen 1945 bis 1947“ im Heimatmuseum wurde liebevoll zusammengestellt von Andreas Ammer, seit vergangenem Jahr Vorsitzender des Heimat- und Museumsvereins, unter technischer Hilfe des stellvertretenden Vorsitzenden Roman Günther. Sie führt an etwa 50 Stationen anschaulich und zum Teil originell in eine „finstere Zeit“, wie Ammer sagt, eine Zeit, an die man sich über Jahrzehnte nicht gern und schon gar nicht öffentlich erinnerte.

Sie sei nicht umsonst als „Zeitgeschehen“ überschrieben, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion: „Die Dinge sind nun mal geschehen. 75 Jahre danach sollte man eigentlich keine Deckmäntelchen über bestimmte Sachen hängen. Die Ausstellung klagt nicht an und sucht keine Schuldigen. Sie will Geschichte sichtbar machen.“

Blickfänge: französische Kommandantur und Szene einer Plünderung

Die historische Schau blickt auf zwei Jahre mit dem Kriegsende und den bitteren Monaten danach: Fliegerangriffe, Brände und Sprengung der Brücke, Einmarsch und Besetzung der Franzosen, Hunger und Bekanntmachungen, Plünderungen und Passierscheine, Dokumente, Urkunden, alte Briefe und Fotos, die mutige Rolle von Bürgermeister Johannes Wößner, die Polizeitruppe Cesar, die letztlich im Sand verlaufene Entnazifizierung und schließlich als versöhnliches Ende die Partnerschaftsurkunde mit der französischen Stadt Scey-sur-Saône und friedlich-freundschaftliche Verbindungen, die selbst eine „Erbfeindschaft“ überwinden.

Mit großem Fachwissen hat Andreas Ammer die Ausstellung im Dornstetter Heimatmuseum zusammengestellt. Foto: B. Schwarz

Das wird nicht nur auf Papier dargestellt, sondern auch anhand vieler Utensilien aus dieser Zeit: Haushaltsgeräte, Uniformen, Möbel, Handwagen und vieles mehr. Als Blickfang dient die Nachbildung der französischen Kommandantur mit einem Offizier am Schreibtisch und einem bittstellenden Bürgermeister. Oder die Plünderungsszene mit einem Esstisch, auf dem noch halb geleerte Teller stehen, und einer ausgeplünderten Kommode.

Ammer ist 41 Jahre alt und Verwaltungsfachangestellter bei der Stadt Freudenstadt. Schon als Schüler beschäftigte er sich mit der Geschichte nach dem Krieg, befragte Familie und Zeitzeugen, schrieb Aufsätze darüber, interviewte Egon Dupper, den seinerzeitigen Dolmetscher der Besatzungsmacht, sammelte Gegenstände aus jener Zeit, fischte sich aus Haushalts-Auflösungen allerhand Gerätschaften oder bekam sie, als seine Sammelleidenschaft bekannt wurde, geschenkt.

Auch Regisseur Lernhardt profitiert von Ammers Recherchen

Im Fundus des Museums wurde er fündig, er recherchierte im Stadt-, Kreis- und in Staatsarchiven, schrieb auch für die Neuauflage des Heimatbuchs ein Kapitel über diese Zeit in Dornstetten. Hilfreich waren ihm die Chronik von Bürgermeister Wößner und ein Tagebuch der jungen Ilse Klink.

Darüber hinaus profitierte auch Rainer Lernhardt, der Autor und Regisseur des Theaterstücks „Drei Tage im September“, von Ammers umfangreichem Wissen beim Schreiben des Textes sowie später bei den Proben für das Stück. Trotzdem war Andreas Ammer dann doch überrascht, als er bei der Generalprobe endlich hinter das wohlgehütete „Staatsgeheimnis“ kam, dass Bürgermeister Bernhard Haas und Pfarrer Timo Stahl bei den Theateraufführungen tatsächlich und leibhaftig die Rolle des Bürgermeisters und des Pfarrers spielen.

Die Ausstellung „Zeitgeschehen“ ist bis Ende Juli im Heimatmuseum zu sehen. Es ist mittwochs, freitags und sonntags von 14 bis 16.30 Uhr geöffnet.