Die Kunstausstellung zur 800-Jahr-Feier Dörlinbachs ist in der Gemeinde gut aufgenommen worden. Die Künstler haben daher aus der Finissage am Freitag eine Vernissage gemacht.
Die große Resonanz, welche die Ausstellung der sechs Dörlinbacher Künstler – Birgitta Grimm, Jule Ohnemus, Wilhelm Billharz, Wolfgang Schätzle, Hans Busch und Klaus A. Burth – in dem Jahr des Jubiläums gehabt hat, soll eine dauerhafte Fortsetzung finden. Das kündigte Bürgermeister Matthias Litterst an, der sich sichtlich freute, dass die lange geplante Finissage zum Ende des Dörlinbacher Jubiläums eine spontane Fortsetzung mit überwiegend neuen Bildern des Sextetts gefunden hat. Also verband die Gemeindeverwaltung einen Abschluss mit einem Anfang.
Die neue Galerie im Rathaus heißt „Kunst X Sechs, Sechs X Kunst“. Sie zeigt, wie die zwei halbjährlichen Ausstellungen des vergangenen Jahres, zuerst die Vielfalt des Sextetts.
Eine Fotografie im zweiten Obergeschoss von Wilhelm Billharz stieß bei der Vernissage auf großes Interesse. „Winternacht in Dörlinbach“ hat der Künstler oberhalb des Kappelberges aufgenommen. Die blaue Stunde wirkt durch die kalten Farben und den leuchtenden Schnee und bildet den klassischen Gegensatz zum warmen Kunstlicht, welches das Dorf illuminiert. Mit dem Bild zeigt Billharz mehr als auf der eigentlichen Fotografie zu sehen ist. Diese Aufnahme war so nur möglich, weil Vollmond am Himmel gewesen ist. Der ist, was Absicht gewesen ist, so allerdings nicht zu sehen.
„Hallo Nachbar“ heißt eine Fotografie von Wolfgang Schätzle im Flur des ersten Obergeschosses. Der Hund lebt in der Nachbarschaft und hat den Fotografen immer wieder zu Aufnahmen animiert. Für die Ausstellung hat er das Bild ausgewählt, in dem der „Nachbar“ einen eigenen Blick gegenüber der Kamera gezeigt hat. Ein anderes Foto ist aufgrund der Aufnahmesituation einzigartig: Ein Abendhimmel zeigt die Silhouette Schutterns mit der Kirche und mit einer Wasserfläche, die nicht der Baggersee ist. Der Fotograf hatte eine überschwemmte Wiese entdeckt und den Augenblick mit der Kamera festgehalten.
Besuchern bleibt Spielraum für Interpretationen
Im Eingangsbereich, wo der Kopierer für die Mitarbeiter steht, hat Klaus A. Burth ein großformatiges Bild ausgestellt. Die Farben verblüffen neben den Formen, was auch nicht verwunderlich ist. Der studierte Grafiker hat die sehr unterschiedlichen und nicht zu vereinbaren Eigenschaften von Ölfarben und Acryl kombiniert. Ob das Bild abstrakt oder gegenständlich ist, müssen die Besucher für sich entscheiden. Der Maler hat eine reale Landschaft am Lago Maggiore für dieses Bild verwendet und sehr frei gestaltet.
„Ohne Titel“ heißt ein Gemälde von Birgitta Grimm im Treppenhaus. Es ist unverkennbar die Kirche Dörlinbachs, die aber aufgrund einer geänderten Perspektive und ihrer künstlerisch veränderten Form deutlich vom Original abweicht, ohne dass der Wiedererkennungswert verloren geht. Es dominieren Blautöne, daher wirkt dieses Bild – eine Ähnlichkeit zu der Fotografie von Wilhelm Billharz ist hier gegeben – ebenfalls wie eine Impression im Winter. Die Künstlerin hat allerdings eine Fotografie als Vorlage genommen, die im Sommer aufgenommen wurde. Farben und Formen sind während des Malprozesses entstanden.
Am Aufgang zum ersten Obergeschoss fällt die Kopie eines berühmten Bildes auf. Hans Busch hat eine handwerklich gelungene Nachbildung von „Der Mann mit dem Goldhelm“ angefertigt, die eine lange Zeit als Bild Rembrandts galt. Heute wissen wir, dass der niederländische Maler aus dem 17. Jahrhundert es nicht geschaffen hat. Das Original stammt aus seinem Umfeld.
„Kunst X sechs, sechs X Kunst“
Die neuen Bilder hängen im Eingangsbereich des Rathauses in Dörlinbach, im Treppenhaus und auf den Gängen der zwei Obergeschosse bis zum Sommer. Die Bilder sind zu den Öffnungszeiten zu besichtigen. Dann, da war sich der Hausherr Litterst sicher, wird es eine Fortsetzung des Formats – idealerweise mit Künstlern aus allen drei Ortsteilen – geben.