Heike Roller (links) und Herma Klar zeigen eine Aufnahme aus dem Jahr 1926, welche ebenfalls Teil der Ausstellung ist. Foto: Beyer

In den vergangenen 50 Jahren hat sich das Stadtbild Nagolds stark verändert. Einen Eindruck davon geben Luftaufnahmen, die derzeit in einer Ausstellung im Steinbau zu sehen sind.

Nagold - Es ist gar nicht so einfach, sich auf den Bildern zurechtzufinden, die das Nagold aus dem Jahre 1969 aus der Luft zeigen. So sehr haben sich große Teile der Stadt in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt. Dies wird deutlich im direkten Vergleich mit den aktuellen Bildern, die zusammen mit den historischen Aufnahmen ausgestellt werden. Teilweise lässt sich auf den aktuellen Bildern kein einziges Gebäude von damals wiederfinden. Zur Orientierung dient daher ein roter Punkt, der auf der alten und der neuen Aufnahme die gleiche Stelle markiert.

Organisiert hat die Ausstellung Heike Roller. Schon 2019 hat das Museum die Aufnahmen von 1969 erworben. Sie entstammen aus einem Archiv einer Firma, die damals routinemäßig Luftaufnahmen deutscher Städte machte, um die Bilder anschließend zu verkaufen.

Aktuelle Bilder fehlen zum Vergleich

Um die historischen Aufnahmen mit der Gegenwart vergleichen zu können, fehlten allerdings noch aktuelle Bilder. Diese fertigte Anna Weinbender vom Stadtplanungsamt mit einer städtischen Drohne an. Gemeinsam mit Roller suchte sie die auf den Fotos zu sehenden Stadtteile auf. "Wir haben versucht, die Drohne so zu positionieren, dass man den gleichen Blickwinkel hat wie auf den Bildern von 1969."

Zusätzlich hat Roller Schwarz-weiß-Abzüge der mehr als 50 Jahre alten Bilder angefertigt und auf diese kleine Schildchen geklebt, die erklären, welche Häuser auf den Bildern zu sehen sind. Unterstützt bei der Zuordnung der Bilder wurde sie dabei von zwei alteingesessenen Nagoldern, ihrem Mann Andreas Roller und dem Architekten Roland Stikel.

Doch auch gemeinsam konnten sie nicht alles herausfinden. Deshalb liegen im Ausstellungsraum Klebezettel und Stifte bereit, damit die Gäste zusätzliche Beschriftungen anbringen können. Auch gibt es ein Buch, in das Besucher beim Betrachten aufkommende Erinnerungen notieren können.

Doch wie hat Nagold sich nun in den letzten Jahrzehnten verändert? Ein Blick auf die Bilder zeigt: Nagold war früher zersiedelter, ländlicher. Stadtnahe Äcker und viele kleine Nutzgärten sind verschwunden. "Viele der Gärten und Felder sind heute bebaut. In den letzten 50 Jahren wurde viel nachverdichtet. Viele Grünflächen und Gärten sind dem zum Opfer gefallen", erläutert Museumsleiterin Herma Klar.

"Es hat sich aber auch einiges zum Besseren verändert", betont Klar. Zum Beispiel seien viele historische Gebäude in der Innenstadt früher noch verputzt gewesen. Im Zuge der Innenstadtsanierungen sei dann das Fachwerk wieder zum Vorschein gekommen. Und auch einzelne Straßen sind verschwunden. Tunnelbau und Renaturierung sei Dank.

Auffällig sind auch die wirtschaftlichen Veränderungen

Auffällig sind auch die wirtschaftlichen Veränderungen. Die noch eher kleinteilige Industrie der 60er hat den riesigen Fertigungshallen und Supermärkten der Gegenwart Platz gemacht, die manche Bilder regelrecht ausfüllen. "Häfele war 1969 noch eine kleine Klitschte", erklärt Klar und zeigt auf ein kleines Haus im damaligen Industriegebiet. Doch die Betriebe sind nicht nur größer geworden, viele haben auch ihren Standort gewechselt. "Die meisten Firmen sind umgezogen, oder es gibt sie nicht mehr", so Klar.

Wer sich nun selbst ein Bild von diesen Veränderungen machen möchte, kann die Ausstellung dienstags, donnerstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr besuchen. Allerdings sind nur drei Besucher gleichzeitig im Ausstellungsraum gestattet. Am Eingang sollte man daher nachfragen, ob man eintreten darf.

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