Was Susan Richter im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg im Sulzer Teilort Renfrizhausen zeigt, entspricht nicht den Bildern der milden Muttergottes.
Eine Maria mit Augenklappe, Maria als Schwangere im Brautkleid oder als Roboterfrau – die Marias von Susan Richter sind anders, entsprechen nicht dem lieblichen, milden Ideal, wie es auf den meisten Bildern der Muttergottes dargestellt ist. Mit ihren Werken möchte die Künstlerin bewusst polarisieren.
„Mir liegt es, klar und direkt zu sprechen“, sagt sie, „und diese Direktheit transformiere ich in meine Bilder. Sie sollen Aufmerksamkeit wecken, Gedanken anstoßen und die Betrachtenden einladen, sich selbst und Maria neu zu sehen. Meine Arbeiten sind lebendig, facettenreich und manchmal unbequem – genau wie das Leben selbst.“
„Maria eröffnet Räume“
Hinter dem Titel der Ausstellung „Maria! Wir! 0815“ verstecken sich ganz verschiedene Gedanken der Künstlerin: „Maria“ mit Ausrufezeichen – was für eine Frau! „Wir“ – das sind die Frauen, aber auch alle Menschen. „0815“ – der Feiertag Mariä Himmelfahrt, der Geburtstag von Susan Richter, die Zahl als Ausdruck für Durchschnittlichkeit.
Die fünf Bilder des Marienzyklus, der im Kloster Kirchberg zu sehen ist, kommen ohne eigene Titel aus. Seit zehn Jahren lebt die in der DDR geborene Richter vorwiegend in Horber Ortsteil Mühringen.
Vor einigen Jahren erhielt sie die Diagnose Parkinson, und ungefähr zu diesem Zeitpunkt trat auch Maria in ihr Leben. „Ich bin nicht auf Maria gekommen, Maria ist zu mir gekommen, stand wie eine Frage im Raum. Sie hilft mir, Dinge klarer zu sehen, Vieles zu verarbeiten – und eröffnet Räume“, sagt sie.
Die Ausstellung „Maria! Wir! 0815.“ ist im Konventgebäude vom Berneuchener Haus Kloster Kirchberg bis zum 31. Januar 2026 täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Die Eröffnung ist unter Anwesenheit der Künstlerin am Sonntag, 7. Dezember, 10.45 Uhr.