Seit knapp vier Jahren beschäftigt der Turm die Schömberger. Am Freitag wurde er feierlich eingeweiht. Die Beteiligten haben viel Lob füreinander – und sogar warme Worte für die Kritiker des Projekts.
Schömberg-Oberlengenhardt - Bürgermeister Matthias Leyn und Landrat Helmut Riegger waren die ersten, die bei der offiziellen Eröffnung des Turms sichtlich gut gelaunt das Drehkreuz passierten. Auch die 300 Stufen bis zur obersten Plattform auf 50 Metern taten der guten Stimmung keinen Abbruch. Gemeinsam mit den Landtagsabgeordneten Erik Schweickert (FDP) und Thomas Blenke (CDU) sowie dem Vorsitzenden des Naturparks Klaus Mack und Marina Moser, Leiterin der Kur und Touristik, gehörten sie zu den ersten Besuchern auf der obersten Ebene. Ein paar Ungeduldige hatten den Weg da schon mit dem Aufzug abgekürzt.
Zuvor hatten die Schützen aus Oberlengenhardt den weithin hörbaren Startschuss gegeben. "Glücklich und stolz", so beschrieb Bürgermeister Leyn seine Gefühlslage. Eigentlich sei ein großes Eröffnungswochenende geplant gewesen. Wegen der Corona-Verordnung feiere man nun nur im kleineren Kreis. Wobei trotzdem etwa 70 Gäste anwesend waren. Alles jedoch regelkonform – denn trotz Corona dürfen 100 Besucher zeitgleich auf den Turm.
Leyn bedankte sich bei Blenke, Schweickert, Riegger und Mack für deren Unterstützung beim Projekt. Die Landtagsabgeordneten hätten sich um Fördergelder bemüht. 1,24 Millionen Euro Zuschuss hat es vom Land gegeben. Und auch bei seinem Team in der Verwaltung sowie dem Gemeinderat bedankte sich Leyn. Sie hätten immer voll mitgezogen. Ebenso wie alle beteiligten Firmen. Nach 14 Monaten Bauzeit sei der Turm nun endlich fertig.
Der Bürgermeister erkannte aber an, dass es in Schömberg auch Kritiker des Projektes gab. Das gehöre zum demokratischen Prozess dazu. Der jetzige Standort, der durch diese Entwicklung zustande gekommen sei, habe aber auch sein Positives. Er sei näher am Zentrum Schömbergs. Die Seilrutschbahn Flying Fox endet deshalb auch im Kurpark.
Bis sie eingeweiht wird – dasselbe gilt für die Fly-Line – dauert es aber noch ein gutes Jahr, sofern alles nach Plan läuft. Eine endgültige Genehmigung steht noch aus. Landrat Riegger signalisierte aber am Freitag, dass diese zeitnah erteilt werden solle. Auch Riegger war voll des Lobes für den neuen Turm. "Schömberg hat jetzt ein neues Wahrzeichen", meinte er. Es könne, auch in den Köpfen, das Wellenbad ablösen.
Der Turm sei gut für die Attraktivität der Region. "Schömberg ist ein zentraler Baustein der Tourismusstrategie im Kreis", so der Landrat. 400 Millionen Euro Wertschöpfung bringe dieser Sektor. Dafür, dass dies so bleibt, seien solche Projekte wichtig. Der Landkreis habe eine wundervolle Natur. "Unsere Premium-Wanderwege bleiben auch weiterhin kostenfrei für die Besucher", setze Riegger eine Spitze in Richtung Hochschwarzwald.
Als einen "herrlichen Anblick" empfand Thomas Blenke den Turm. Die Eröffnung sei ein großer Tag für die ganze Region. Die Attraktion werde viele Menschen anziehen. Erik Schweickert sprach sogar von einem "Leuchtturm der Glücksgemeinde". Schweickert hat sich auch persönlich mit den Kritikern getroffen. Er habe hier aber Überzeugungsarbeit leisten können. "Man muss nicht weit fliegen, um etwas Schönes zu sehen", merkte er außerdem an.
Stahlkonstruktion dient auch als Blitzableiter
Auch den geladenen Gästen gefiel der Turm gut. Manchen schwindelte es zwar beim Aufstieg über die Gittertreppe im Inneren etwas. Doch oben angekommen, waren sie von der monumentalen Aussicht überwältigt. Schwarzwald, Alb, Oberrheingraben, Vogesen und der Fernsehturm sind von dort zu sehen. Wobei letzterer bei diesigem Wetter etwas verschwamm.
Doch bei blauem Himmel genossen die ersten Besucher ihr Privileg und machten viele Fotos und Videos. Bei einem etwaigen Gewitter muss der Turm jedoch geschlossen werden, denn die Stahlkonstruktion im Innern dient gleichzeitig als Blitzableiter. Aus Sicherheitsgründen dürfen bei einer solchen Wetterlage also keine Besucher auf den Turm.
Nachdem die geladenen Gäste weg waren, wurde der Turm um 14 Uhr für die Allgemeinheit geöffnet. Der ganz große Ansturm blieb aus. Betreiber Michael Wernicke sah den Wochentag als Grund. Freitags würden die meisten ja noch arbeiten. Am Wochenende sei dann aber bestimmt mehr los. Tickets gebe es im Kassenhäuschen oder, falls das geschlossen ist, an einem Automaten.